Streaming-Business: Die wichtigsten Meldungen der Woche (KW 27)
Comcast spaltet sich auf, London erwägt einen Eingriff bei Paramount und Warner Bros. Discovery, Paramount macht der EU Zugeständnisse. Der Streaming-Business-Überblick zur KW 27.
Inhaltsverzeichnis
Comcast zerlegt sich freiwillig in zwei Firmen, London droht derweil mit einem Eingriff in die größte Fusion des Jahres. Paramount rudert in Brüssel zurück, um genau diesen Deal zu retten.
Dazu ein Übernahmebericht aus Großbritannien und eine ungelöste Frage rund um die Emmys. Der Business-Überblick zur KW 27.
Comcast spaltet sich auf
Comcast trennt sich von seinem Medien- und Streaming-Geschäft. Der Konzern kündigte am Montag, 29. Juni, den Plan an.
NBCUniversal soll samt Sky und Peacock per steuerfreiem Spin-off komplett vom Kabel- und Breitbandgeschäft getrennt werden. Am Ende stehen zwei eigenständige, börsennotierte Firmen mit jeweils eigenem Management.
Co-CEO Mike Cavanagh übernimmt die neue NBCUniversal-Sky-Einheit. Der frühere Comcast-Finanzchef Michael Angelakis wird Chef des verbleibenden Kabel- und Breitbandgeschäfts, während Konzernchef Brian Roberts bei beiden Firmen aktiv beteiligt bleibt.
Auf die naheliegende Frage, ob der Split der Auftakt für weitere Übernahmen ist, reagierte Roberts in der Investorenrunde knapp mit „absolut nicht“. Der Schritt solle beiden Firmen schlicht mehr Fokus und Tempo verschaffen.
Trotzdem behält Comcast vorerst eine Beteiligung von 19,9 Prozent an NBCUniversal, die sich später zu Geld machen lässt. Analysten deuten das als stillen Hinweis auf künftiges Verkaufsinteresse.
Die Ratingagentur Moody's reagierte weniger gelassen und stellte Comcasts Kreditwürdigkeit zur Überprüfung. Ohne die Umsatzvielfalt aus Streaming, Studios und Themenparks hänge das verbleibende Geschäft stärker am umkämpften Breitbandmarkt, begründete Moody's-Vizepräsident Neil Mack die Entscheidung.
London erwägt Eingriff bei Paramount und Warner Bros. Discovery
Auch die 110 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance gerät unter Druck, diesmal aus Großbritannien. Kulturministerin Lisa Nandy teilte dem Parlament mit, sie sei „geneigt einzugreifen“.
Ihre Sorge gilt der Medienvielfalt. Schließlich würden Sender wie Channel 5, Cartoon Network und CNN International künftig neben Paramount+, TNT Sports und HBO Max unter einem Dach landen.
Nandy gab den beteiligten Unternehmen bis morgen, Montag, 6. Juli, Zeit für eine Stellungnahme. Entscheidet sie sich danach tatsächlich für einen Eingriff, müssen Wettbewerbsbehörde CMA und Regulierer Ofcom die Fusion zusätzlich prüfen.
Für David Ellisons Zeitplan, den Deal bis September abzuschließen, ist das ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Großbritannien gilt als eine der letzten großen regulatorischen Hürden.
Paramount selbst gibt sich gelassen und verweist auf die konstruktive Zusammenarbeit mit den britischen Behörden. Der Konzern sei zuversichtlich, dass der Deal keine Probleme für die Medienvielfalt im Land schaffe.
Paramount macht Zugeständnisse in Brüssel
Um wenigstens die EU-Kommission von der Fusion zu überzeugen, geht Paramount einen konkreten Schritt zurück. Der Konzern verlässt sein gemeinsames Vertriebsjoint-Venture United International Pictures, kurz UIP, das er seit Jahrzehnten mit Universal betreibt.
Die Zusage ging der Kommission am Mittwoch, 1. Juli, zu. Zuvor hatten die Brüsseler Wettbewerbshüter genau diesen Schritt in der Vorwoche gefordert.
Die Behörde verlängerte ihre vorläufige Entscheidungsfrist im Gegenzug um gut zwei Wochen, bis Ende Juli.
UIP wurde 1981 gegründet und vertreibt heute nur noch in einer Handvoll europäischer Länder, darunter Dänemark, Polen und Ungarn. Für die Fusion ist die Sparte trotzdem ein Prüfstein.
Paramount erklärte, man arbeite seit acht Monaten konstruktiv mit der Kommission zusammen. Der Konzern sei zuversichtlich, dass die Zusage sämtliche Bedenken ausräume.
Bericht Sky UK will ITV übernehmen
Parallel zum eigenen Umbau soll sich Comcast-Tochter Sky UK ein weiteres britisches Medienhaus einverleiben. Laut einem Bericht des australischen Portals TV Tonight, das sich auf RTE und The Guardian beruft, hat sich Sky mit ITV auf eine Übernahme geeinigt.
Betroffen wären der Sender selbst und dessen Streaming-Geschäft, für umgerechnet rund 2,1 Milliarden Dollar. ITV Studios, die Produktionssparte des Senders, wäre davon ausdrücklich nicht betroffen.
Im Gegenzug soll ITV Studios Skys Produktionsfirma Love Productions übernehmen, bekannt für „The Great British Bake Off“. Eine offizielle Bestätigung von Sky oder ITV steht noch aus.
Laut Bericht könnte eine Ankündigung bereits in den kommenden Wochen folgen, auch wenn juristische Details den Zeitplan noch verzögern könnten. Bestätigt sich der Deal, würde er die britische Sender- und Streaminglandschaft spürbar umbauen.
Emmys weiter ohne TV-Vertrag für 2027
Weniger dramatisch, aber ebenfalls bezeichnend für den Markt, ist die Lage rund um die Emmys. Die Fernsehakademie sucht laut einem Bericht von Deadline weiter nach einem Rechteinhaber für die Verleihung ab 2027.
Der aktuelle Vertrag läuft nach der kommenden Zeremonie im September aus. Als eine Option diskutiert die Academy inzwischen ein Simulcast-Modell, bei dem sich mehrere Sender und Plattformen die Übertragung und die Kosten teilen würden.
Dass sich bislang niemand die Rechte allein gesichert hat, gilt vielen Beobachtern als Signal. Die klassischen Networks zögern, weil die Emmys längst keine verlässliche Einnahmequelle mehr sind.
Streamer wie Netflix wiederum haben ihr Interesse an einer Solo-Übernahme öffentlich heruntergespielt. Das, obwohl gerade sie in den vergangenen Jahren die meisten Trophäen einsammelten.
Einordnung
Ob Comcast, Paramount oder Sky, überall geht es gerade darum, wer künftig über welche Sender, Studios und Streaming-Plattformen bestimmt. Während sich die einen freiwillig verkleinern, wollen andere möglichst schnell wachsen.
Regulierer und Ratingagenturen könnten ihnen aber noch einen Strich durch die Rechnung machen. Wir behalten vor allem den Fusionsstreit rund um Paramount und Warner Bros. Discovery im Blick, dort entscheidet sich in den kommenden Wochen einiges.