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Streaming-Business: Die wichtigsten Meldungen der Woche (KW 28)

Sky übernimmt ITV, Paramount verzögert den Warner-Deal, und bei Fubo tauscht Disney die Chefin aus. Der Streaming-Business-Überblick zur KW 28.

· 5 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Sky-ITV-Deal startet in zähe Kartellprüfung
  2. Banijay und All3Media besiegeln Mega-Fusion
  3. Paramount-Warner-Fusion verzögert sich weiter
  4. Comcast im Umbruch, Konkurrenz in der Bredouille
  5. Disney tauscht Fubo-Führung aus
  6. Netflix, Amazon und Disney klagen gegen Frankreich
  7. Netflix mischt bei möglicher Letterboxd-Übernahme mit
  8. BBC und Channel 4 verhandeln über Partnerschaft
  9. Netflix lizenziert Videoinhalte großer Medienverlage

Die Konsolidierungswelle in der Medienbranche rollt weiter, und diese Woche zeigt gleich mehrfach, wie ruppig sie geworden ist. Sky muss sich bei der ITV-Übernahme auf eine zähe Kartellprüfung einstellen, Paramount kommt bei Warner Bros. Discovery nicht wie geplant zum Abschluss, und Nexstar streitet vor Gericht weiter um die Tegna-Fusion.

Dazu wechselt an der Spitze von Fubo die Führung, Frankreich bekommt gleich drei Streamer als Kläger vor Gericht, und Netflix schielt offenbar auf eine Kino-Community-Plattform. Ein Überblick über die wichtigsten Business-Meldungen der Woche.

Sky-ITV-Deal startet in zähe Kartellprüfung

Sky übernimmt für umgerechnet rund 2,1 Milliarden Dollar das ITV-Sendernetz samt Streaming-Geschäft, die Produktionssparte ITV Studios bleibt außen vor. ITV-Chefin Carolyn McCall rechnet mit einer gründlichen Prüfung durch die britischen Wettbewerbshüter und einer möglichen zweiten Prüfungsphase.

„Wir gehen von einer sehr gründlichen und umfassenden Überprüfung aus, die wohl in Phase zwei geht“, sagte McCall und nannte eine mögliche Wartezeit von bis zu 18 Monaten bis zum Abschluss. Stellenabbau gilt als wahrscheinlich, vor allem dort, wo sich Marketing- und Technikabteilungen beider Häuser überschneiden.

Banijay und All3Media besiegeln Mega-Fusion

Die britische Produktionsbranche bekommt einen neuen Riesen. Banijay und All3Media haben ihre rund 8 Milliarden Dollar schwere Fusion final abgeschlossen und damit nach eigenen Angaben den größten unabhängigen Produktionskonzern nach Katalogumfang geschaffen.

Zusammen kommt der neue Konzern auf etwa 170 Produktionsfirmen und 265.000 Stunden Programmarchiv, darunter Hits wie „Peaky Blinders“, „The Traitors“ und „Survivor“. Banijay-Chef Marco Bassetti und der neue Vorsitzende Jeff Zucker deuteten bereits weitere Zukäufe an, ITV Studios gilt als mögliches nächstes Ziel.

Paramount-Warner-Fusion verzögert sich weiter

Der Generalstaatsanwalt von Oregon fordert vor Gericht eine 60-tägige Verzögerung der Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount. Er wirft dem US-Justizministerium indirekt vor, seine Freigabe könnte auf einem „korrupten Deal“ beruhen.

Paramount hat inzwischen bestätigt, den Kauf nicht vor Mittwoch, 22. Juli, abzuschließen, betont aber, das habe mit der Verfügung nichts zu tun, sondern liege an der laufenden Prüfung der EU-Kommission. Kalifornien und weitere Bundesstaaten untersuchen parallel, ob der Deal Kartellrecht verletzt, dabei steht offenbar sogar ein Verkauf von CNN als mögliche Auflage im Raum.

Comcast im Umbruch, Konkurrenz in der Bredouille

Comcast soll laut einem Bericht der New York Post erneut über eine Übernahme von Charters Kabelsparte Spectrum nachdenken, mitten in der eigenen Aufspaltung in ein Kabel- und ein Mediengeschäft. Gleichzeitig zieht die Comcast-Tochter Sky in Großbritannien alte NOW-Streaming-Boxen aus dem Verkehr, betroffene Kunden müssen ab Anfang August auf neuere Geräte umsteigen.

Im selben Marktumfeld meldeten DISH Network und Sling TV eine vorbereitete Chapter-11-Insolvenz an, ohne dass sich für Kunden am laufenden Programm etwas ändert. Parallel bringt Kalifornien Berichten zufolge einen CNN-Verkauf als Auflage für die Paramount-Warner-Fusion ins Spiel, der Pay-TV-Sektor befindet sich also gleich an mehreren Fronten im Umbruch.

Disney tauscht Fubo-Führung aus

Disney+-Präsidentin Alisa Bowen wechselt zum Freitag, 10. Juli, als CEO an die Spitze des Disney-kontrollierten Live-TV-Streamers Fubo. Sie ersetzt damit Mitgründer David Gandler, der das Unternehmen nach elf Jahren verlässt.

Fubo-Verwaltungsratschef Andy Bird lobte Bowen als „bewährte Managerin“ mit knapp 30 Jahren Erfahrung im Produkt-, Digital- und Betriebsgeschäft. Disney hält seit der Fusion von Hulu + Live TV mit Fubo im vergangenen Herbst 70 Prozent an dem Unternehmen, Bowens bisherigen Posten bei Disney+ übernehmen künftig zwei Co-Präsidenten gemeinsam.

Netflix, Amazon und Disney klagen gegen Frankreich

Netflix, Amazon Prime Video und Disney+ ziehen gemeinsam vor Frankreichs Staatsrat gegen verschärfte Investitionsquoten in lokale Inhalte. Die neuen Vorgaben sollen die Pflichtinvestitionen in Animation, Dokumentationen und Bühnenproduktionen verdoppeln.

Netflix-Frankreich-Chefin Pauline Dauvin kritisierte die Regeln in einem Gastbeitrag für Le Monde scharf. „Diese neuen Regeln gehen zu weit“, schrieb sie und forderte stattdessen eine Obergrenze für die Investitionspflicht, Netflix stecke bereits mehr als 250 Millionen Euro jährlich in französische Produktionen.

Netflix mischt bei möglicher Letterboxd-Übernahme mit

Die Kino- und Serien-Community-Plattform „Letterboxd“ mit ihren mehr als 29 Millionen Mitgliedern steht Berichten zufolge zum Verkauf. Unter den Interessenten in frühen Gesprächen sollen neben Netflix auch Sony, Paramount sowie die Investoren RedBird und TPG sein.

Bankiers sollen für die von der kanadischen Holding Tiny mehrheitlich gehaltene Plattform einen Verkaufspreis um 250 Millionen Dollar in den Raum stellen. Ein Zuschlag würde Netflix direkten Zugang zu einer besonders film-affinen Community verschaffen.

BBC und Channel 4 verhandeln über Partnerschaft

Die BBC führt nach eigenen Angaben Gespräche mit Channel 4 über eine mögliche Streaming-Partnerschaft, um im Wettbewerb mit US-Anbietern wie Netflix und YouTube mehr Größe zu gewinnen. BBC-Chef Matt Brittin, seit Mai im Amt, sprach vor einem britischen Parlamentsausschuss von einer nötigen „souveränen Plattform“.

Er bezeichnete das aktuelle Modell der Rundfunkgebühr indirekt als nicht mehr zeitgemäß und mahnte, eine Handvoll US- und chinesischer Tech-Konzerne dominiere zunehmend Produktion und Vertrieb von Inhalten. Channel-4-Chefin Priya Dogra hatte einem Zusammenschluss zuletzt öffentlich eine Absage erteilt, sie sehe darin am Ende doch nur eine Übernahme durch die BBC.

Netflix lizenziert Videoinhalte großer Medienverlage

Netflix hat Lizenzvereinbarungen mit einer Reihe großer Verlagshäuser geschlossen, darunter The Hollywood Reporter und weitere Marken von Penske Media, dazu Condé Nast, Hearst, People und BuzzFeed. Ab Montag, 3. August, sollen kurze Formate zwischen drei und 20 Minuten direkt von der Netflix-Startseite aus abrufbar sein, von Reiseinhalten bis zu Promi-Porträts.

Der Schritt zeigt, wie sehr Netflix inzwischen auch auf redaktionelles Video abseits klassischer Serien und Filme setzt. Weitere Verlagspartnerschaften sollen nach Unternehmensangaben folgen.

Die Botschaft dieser Woche ist unübersehbar. Der Trend zu immer größeren Medienkonzernen hält unvermindert an, und Regulierer weltweit tun sich zunehmend schwer, mit dem Tempo mitzuhalten.

Ob Sky und ITV, Paramount und Warner Bros. Discovery oder Nexstar und Tegna, kaum ein Deal geht derzeit ohne wochenlange juristische Nachspiele über die Bühne. Wir behalten die wichtigsten Entwicklungen für euch im Blick.