Doppelhaushälfte Staffel 5 im Review, zehn Episoden zwischen Gartenzaun und Wildem Westen
Zehn neue Episoden der ZDFneo-Comedy Doppelhaushälfte stehen in der ZDF Mediathek. Mein Review zu Western, Musical und dem Ensemble um Milan Peschel und Maryam Zaree.
Fünf Staffeln Nachbarschaftszoff aus einem Brandenburger Doppelhaus, und ich lache immer noch. „Doppelhaushälfte“ läuft seit 2022 bei ZDFneo und hat in dieser Zeit ein Kunststück hingelegt. Die Comedyserie ist von Jahr zu Jahr mutiger geworden, ohne ihre sechs Figuren aus den Augen zu verlieren.
Seit Freitag, 14. August 2026 stehen zehn neue Episoden in der ZDF Mediathek. Ich habe sie am Stück weggeschaut und danach über zwei Dinge nachgedacht. Über einen Sheriff und über einen Asteroiden.
Mit Klick auf "Abspielen" werden Daten an YouTube übertragenWorum geht es?
Schönefelde in Brandenburg, ein Doppelhaus, ein Gartenzaun. Auf der einen Seite wohnen die alteingesessenen Tracy und Andi Knuppe mit Sohn Rocco, die Minh-Khai Phan-Thi und Milan Peschel seit der ersten Staffel spielen. Auf der anderen Seite lebt die aus Berlin zugezogene Patchwork-Familie um Mari Sawadi (Maryam Zaree) und Theo Kröger (Benito Bause) mit Tochter Zoe (Helena Yousefi).
Aus dem offenen Streit der Anfangsjahre ist längst eine Zwangsgemeinschaft geworden. Die sechs necken sich, helfen sich aus und geraten trotzdem an jedem zweiten Thema aneinander. Stadt gegen Land, Ost gegen West, politische Korrektheit gegen Stammtisch, die Serie holt sich ihre Konflikte aus der Tagespresse und dreht sie ins Absurde.
Die zehn Episoden der fünften Staffel hängen nur lose zusammen. Ein dubioses Erbe, eine Zeitreise, eine Geiselnahme, dazwischen rast ein angeblicher Asteroid auf die Nachbarschaft zu. Wer die Serie noch nie gesehen hat, kommt trotzdem mit, weil jede Episode ihren eigenen Konfliktherd aufmacht.
Was funktioniert
Das Ensemble trägt die ganze Sache. Milan Peschel spielt Andi Knuppe seit der ersten Staffel als bemitleidenswerten Kleinbürger, der Weisheiten aus Facebook und aus dem vergangenen Jahrtausend nachbetet, und ich nehme ihm diese Figur in jeder Sekunde ab. Minh-Khai Phan-Thi hält als schlagfertige Tracy dagegen, inzwischen schreibt sie auch an den Drehbüchern mit. Die gemeinsamen Drehjahre seit 2022 hört man dem Quartett an, das Timing sitzt.
Die Auftaktepisode „Daily Drama“ zeigt am besten, warum das Konzept nach fünf Jahren noch trägt. Ein Fernsehteam dreht eine Daily Soap ausgerechnet in der Doppelhaushälfte der Sawadi-Krögers, und der ordnungsliebende Theo sieht sein Parkett zerkratzen. Benito Bause spielt diese wachsende Verzweiflung so präzise, dass ich mich beim Mitleiden ertappt habe.
Auch der Titelsong bleibt ein kleiner Treffer. „Schatzi Hasi Mausi Baby“ stammt von Bauses Band The Royals und begleitet die Serie seit Staffel 1.
Der Western traut sich am meisten
Die Serie hat schon früher mit Genres gespielt, es gab Horror-Episoden und einen Ausflug in die Gaming-Welt. Diesmal geht es in den Wilden Westen, und diese Episode ist der stärkste Einfall der Staffel. Milan Peschel gibt den Sheriff eines Westerndorfs, Bela B. Felsenheimer von den Ärzten den Schurken, dazwischen liegen eine Saloon-Schlägerei und ein Schusskunststück, vor dem Peschel vor dem Dreh selbst Respekt hatte.
Die Episode bleibt nicht bei der Parodie stehen. Sie erzählt die DDR-Indianerfilme nach und nimmt anschließend die Ostalgie auseinander, also die verklärte Sehnsucht nach der alten DDR. Jörg Schüttauf steht als Gast mit im Staub, Wayne Carpendale kassiert in einer anderen Episode reihenweise Stunts.
Die Musical-Episode traut sich ähnlich weit, alle singen und tanzen. Ich hätte diesen Mut vor drei Jahren keiner deutschen Sitcom zugetraut.
Was nicht funktioniert
Der Mut kostet aber auch etwas. Sobald die Serie im Westerndorf steht oder eine Musicalnummer aufführt, rückt der Gartenzaun aus dem Bild, und genau der Gartenzaun ist ihr Motor. Die Ostalgie-Pointe hätte in einer normalen Nachbarschaftsepisode womöglich härter gesessen als im Kostüm.
Nicht jede der zehn Episoden hält das Tempo der ersten beiden Staffeln. Ein paar Gags kommen zu breit, und die Idee mit dem Asteroiden trägt eher eine Szene als eine ganze halbe Stunde. Wer diese Serie wegen der Küchengespräche schaut, sitzt in solchen Episoden ein wenig auf dem Trockenen.
Trotzdem, „Doppelhaushälfte“ bleibt die deutsche Comedyserie, die ich am ehesten weiterempfehle. Sie ist böse, ohne verächtlich zu werden, sie nimmt sich reihenweise Reizthemen vor und behandelt am Ende jede ihrer sechs Figuren mit Zuneigung. Wer lieber linear schaut, sieht die Staffel ab dem kommenden Dienstag, 25. August 2026 um 21:45 Uhr auf ZDFneo, dort laufen fünf Wochen lang jeweils zwei Episoden pro Abend.