Streaming-Business: Milliardenschaden droht bei Warner-Fusion
Studie warnt vor Milliardenschaden bei der Paramount-Warner-Fusion, RTL und Sky schnüren ein Streaming-Bundle, Netflix verliert Filmchefin Sasha Bühler, Disney verklagt die FCC.
Die Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery bekommt neuen politischen Druck, RTL und Sky schnüren ihr erstes gemeinsames Abo-Paket, Netflix verliert eine wichtige deutsche Führungskraft, und Disney zieht gegen die US-Regulierungsbehörde FCC vor Gericht. Der Tag zeigt, wie unterschiedlich Druck in der Streaming-Branche gerade aussieht, von der Kartellklage bis zum Machtkampf um Sendelizenzen.
Studie warnt vor 2,78 Milliarden Dollar Schaden
Der Rechtsstreit um die Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery bekommt neue Zahlen und gleichzeitig ein erstes Kompromisssignal. Eine Studie des Los Angeles County beziffert die Folgen des über 110 Milliarden US-Dollar schweren Deals auf 2,78 Milliarden US-Dollar verlorene Wirtschaftsleistung.
Rund 4.500 Jobs in Film und Fernsehen sind demnach gefährdet, gerechnet in sogenannten Job-Jahren. Zusätzlich verliert der Bundesstaat laut Studie bis zu 547 Millionen US-Dollar an Steuereinnahmen.
Paramount Skydance weist die Kritik zurück und verweist auf eigene Pläne, jährlich 30 Milliarden US-Dollar in Produktionen zu investieren und mindestens 30 Kinofilme im Jahr herauszubringen.
Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta, der die Kartellklage gegen die Fusion anführt, deutete im Gespräch mit dem Hollywood Reporter erstmals konkret an, wie eine Einigung aussehen könnte. Der fusionierte Konzern müsste demnach Kabelkanäle an einen anderen Eigentümer abgeben, „damit Paramount-Warner Bros. diese nicht besitzen würde“.
Bis zum Prozessauftakt im März 2027 bleibt trotzdem viel Zeit für weitere Wendungen.
RTL und Sky schnüren gemeinsames Streaming-Bundle
Drei Monate nach dem Abschluss der RTL-Übernahme von Sky Deutschland werden die Integrationspläne konkreter. Ein gemeinsames Abo-Bundle aus Wow und RTL+ soll noch in diesem Jahr in Deutschland und erstmals auch in Österreich starten, wo Wow bislang noch gar nicht vertreten ist.
Ab 2027 soll RTL+ zudem fest im Sky-Angebot integriert werden, konkrete Preise für das neue Bundle nennt RTL bislang nicht. Parallel tauschen beide Unternehmen Sportrechte.
RTL+ überträgt künftig alle 63 Live-Spiele des DFB-Pokals inklusive Konferenzen, Sky übernimmt im Gegenzug bis zu zehn Spiele pro Spieltag aus Europa League und Conference League sowie zusätzliche NFL-Übertragungen. RTL+ soll dabei zum täglichen Angebot für Reality und lokale Unterhaltung werden, Sky steht für Premium-Filme, Serien und Sport.
Wow bleibt die flexible Einzeloption. Von der ganz großen Streaming-Revolution ist trotzdem wenig zu spüren, Chief Consumer Officer Michael Radelsberger spricht lieber von einem Prozess, der „Schritt für Schritt“ verläuft.
Netflix verliert Filmchefin Sasha Bühler
Nach sieben Jahren trennen sich bei Netflix und Sasha Bühler die Wege. Bühler war seit 2019 als Content Director Film für den deutschsprachigen Raum zuständig, unter ihrer Verantwortung entstand unter anderem der oscarprämierte „Im Westen nichts Neues“. Zuletzt betreute sie auch die international erfolgreichen Titel „Exterritorial“ und „Brick“.
Ihre Nachfolge übernimmt vorerst interimistisch Jan Bennemann, die Gesamtverantwortung für das deutsche Netflix-Programm liegt weiterhin bei VP Content DACH Katja Hofem. Zu den Gründen für Bühlers Abschied äußerte sich Netflix nicht, wohin es sie zieht, ist bislang ebenfalls offen.
Disney und ABC verklagen die US-Regulierungsbehörde FCC
Disney und sein Sender ABC gehen in die Offensive. Beide reichten am Dienstag eine Klage gegen die US-Regulierungsbehörde FCC ein und werfen ihr vor, mit einer vorzeitigen Überprüfung der Sendelizenzen von acht ABC-Stationen politischen Druck auszuüben.
Die erste der betroffenen Lizenzen wäre eigentlich erst 2028 fällig gewesen, ABC sieht darin eine Reaktion auf kritische Berichterstattung und auf öffentliche Angriffe von Donald Trump. Die Klage verweist unter anderem auf FCC-Chef Brendan Carrs Ankündigung, Sender könnten ihre Lizenz verlieren, wenn sie „Fake News“ verbreiteten.
Auch die Rückkehr von Jimmy Kimmel ins Programm nach dessen Suspendierung führt die Klage als Beleg an. Die Behörde weist die Vorwürfe zurück und verweist auf eine laufende Untersuchung zu Diversitätsrichtlinien bei Disney.
ABC ist damit der erste große Senderkonzern, der die FCC mit einer Klage auf Basis des ersten Verfassungszusatzes konfrontiert.
So unterschiedlich diese Meldungen wirken, sie eint ein Muster. Wer in der Streaming-Branche mitspielen will, kommt an Politik und Regulierung kaum noch vorbei, sei es vor Gericht in Kalifornien, am Verhandlungstisch zwischen RTL und Sky oder im Streit zwischen Disney und der eigenen Aufsichtsbehörde in Washington.