BUSINESS

Streaming-Business: Die wichtigsten Meldungen der Woche (KW 26)

Sky kauft ITVs Sender-Sparte für 2,1 Mrd. Dollar, die EU genehmigt den Paramount-Warner-Deal und YouTube hält 13 Prozent der TV-Nutzungszeit in den USA.

· 4 Min. Lesezeit

Zwei Mega-Deals, eine ernüchternde Nutzungsstatistik und ein Apple-Manager, der seine Strategie bei Cannes Lions erklärt. KW 26 hatte im Streaming-Business einiges zu bieten, vor allem auf der britischen und europäischen Bühne.

Sky kauft ITVs Sender- und Streaming-Sparte

Comcasts britische Tochter Sky hat sich mit ITV auf die Übernahme von ITVs Medien- und Unterhaltungssparte geeinigt. Das Paket umfasst die linearen TV-Kanäle sowie den Streamingdienst ITVX und kostet rund 1,6 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa 2,1 Milliarden Dollar. Reuters meldete die Einigung am Donnerstag, 25. Juni. ITV und Sky äußerten sich nicht öffentlich dazu.

Die Produktionstochter ITV Studios bleibt eigenständig und ergattert im Gegenzug den „Great British Bake Off“-Produzenten Love Productions, den Sky bislang hält. Den Wert dieser separaten Transaktion schätzen Insider auf 80 bis 120 Millionen Pfund. Beide Seiten lassen gerade Anwälte über die Details, ein formeller Abschluss gilt innerhalb von zwei Wochen als möglich.

Abgeschlossen ist der Deal damit aber noch nicht. Ofcom, die Wettbewerbsbehörde CMA und Kulturministerin Lisa Nandy müssen ihn absegnen. Channel 4 und Channel 5 dürften Einwände erheben, beide Sender finanzieren sich über Werbung und fürchten den Druck einer gestärkten Sky-ITV-Einheit. Dazu kommt ITVs 40-prozentiger Anteil an ITN, das Nachrichten an Channel 4, Channel 5 und ITV selbst liefert. Die Börse reagierte trotz dieser Hürden bereits positiv. Die ITV-Aktie legte nach dem Reuters-Bericht um knapp 3 Prozent zu.

Strategisch verfolgt Sky mit dem Deal ein klares Ziel. Gemeinsam soll eine schlagkräftigere Antwort auf Netflix, Amazon Prime Video, YouTube und Disney+ im britischen Markt entstehen.

Paramount-Warner: EU kurz vor der Freigabe, CMA prüft noch

Auch der 111 Milliarden Dollar schwere Zusammenschluss von Paramount und Warner Bros. Discovery nähert sich in Europa der Ziellinie. Die EU-Kommission steht laut Financial Times und anderen Medien kurz vor einer Freigabe mit Auflagen. Die wahrscheinlichste Bedingung ist ein Ausstieg Paramounts aus dem UIP-Joint-Venture mit Universal, das in Dänemark, Norwegen, Polen, Schweden und weiteren Ländern als Filmverleiher agiert. Brüssel hat bis zum 7. Juli Zeit für eine Entscheidung oder muss danach eine Tiefenprüfung einleiten.

Paramount und Skydance schlossen den Deal im Februar ab, nach einem monatelangen Bieterwettbewerb. Er bringt CBS, CBS News, Paramount Pictures und Paramount+ mit HBO, HBO Max, Warner Bros. Pictures, CNN, TNT, TBS und HGTV unter ein Dach. Paramount-CEO David Ellison hat zugesagt, jährlich mindestens 30 Filme aus den zusammengelegten Studios in US-Kinos zu bringen, mit einem 45-tägigen Exklusivfenster.

In Großbritannien könnte die CMA zusätzliche Hürden einbauen. Die Behörde hat bis zum 7. August für ihre Entscheidung oder die Einleitung einer vertiefenden Prüfung. Experten rechnen zwar nicht mit einer Blockade, aber mit verbindlichen Zusagen zu Kinoauswertungsfristen. Für Gesprächsstoff sorgt auch die Finanzierungsstruktur. Staatsfonds aus Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Katar stecken gemeinsam 24 Milliarden Dollar in den Deal, ohne dass europäische Regulierer daran bisher Anstoß genommen hätten.

YouTube hält 13 Prozent der TV-Nutzung in den USA

Nielsens The-Gauge-Report für April 2026 bringt eine Zahl, die die Branche nachdenklich macht. YouTube hält in den USA 13,4 Prozent der gesamten TV-Bildschirmzeit und liegt damit vor jedem einzelnen Streamingdienst. Disney folgt mit 10,3 Prozent, NBCUniversal und Versant kommen gemeinsam auf 8,2 Prozent, Paramount auf 7,9 Prozent und Netflix auf 7,8 Prozent.

Streaming insgesamt bleibt mit 47,6 Prozent stabil. Prime Video legte auf 4,2 Prozent zu, befeuert von 22 NBA-Spielen und der finalen Staffel von „The Boys“. „The Pitt“ auf HBO Max war im April der meistgesehene Streaming-Titel überhaupt mit 4,5 Milliarden Minuten. Tubi verbuchte mit 2,3 Prozent seinen bislang höchsten Monatsanteil.

Das lineare Fernsehen schrumpft weiter, Kabelfernsehen hält noch 21,6 Prozent und Broadcast-TV 19,9 Prozent. Dass Kabel seinen höchsten Monatsanteil der vergangenen sechs Monate verzeichnet, liegt an den NBA-Playoffs und dem March-Madness-Finale auf TBS, TNT und TruTV.

YouTube ist längst kein Nischenkanal mehr. Wer im Wohnzimmer Reichweite aufbauen will, kommt an der Google-Tochter nicht vorbei.

Eddy Cue bei Cannes Lions: Apple TV setzt auf Klasse statt Masse

Apple-Senior-Vice-President Eddy Cue hat bei den Cannes Lions 2026 die Auszeichnung als Entertainment Person of the Year entgegengenommen und die Strategie von Apple TV noch einmal auf den Punkt gebracht. „Wir wollen nicht die Meisten sein. Wir wollen die Besten sein“, sagte er gegenüber The Wrap.

Als jüngstes Aushängeschild nannte Cue die Horror-Comedy „Widow's Bay“ von Katie Dippold, die sich bei Apple TV gerade zum Gesprächsthema der Saison entwickelt. Apple TV verlängerte die Serie bereits für eine zweite Staffel. Dazu hat Apple TV „Severance“ und „The Studio“ im Programm, „Pluribus“ von Vince Gilligan ist der jüngste Kritikerdarling, und bald kehrt auch „Ted Lasso“ zurück.

Zu KI äußerte sich Cue entspannt. Technologie helfe kreativen Menschen, besser zu werden, ersetze sie aber nicht. Nur ein Mensch könne sich „Severance“ ausdenken, das werde sich nicht ändern. Apple TV erprobe den Einsatz von KI-Werkzeugen in der Produktion, habe aber noch keinen festen Kurs gefunden.

Einen interessanten Seitenblick lieferte Cue zum Thema IP-Verwertung. Der Erfolg des F1-Films habe direkt den Weg zum Kauf der US-Übertragungsrechte an der Formel 1 geebnet. Bei anderen Marken wie „Severance“ sei man dagegen noch in einem frühen Stadium.