BESTENLISTE

Von 1899 bis Reservation Dogs: 10 Serien-Perlen, die kaum einer gesehen hat

Zehn unterschätzte Serien auf Netflix, HBO Max, Prime Video, Disney+ und Apple TV, von 1899 bis Reservation Dogs, die im Katalog viel zu oft übersehen werden.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 23. August 2026

Veröffentlicht am Sonntag, 23. August 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was ganz oben auf der Startseite steht, ist selten das, was am längsten im Kopf bleibt. Zwischen den immer gleichen Empfehlungen liegen echte Perlen. Serien, die Kritiker gefeiert haben, während das breite Publikum längst weitergescrollt ist.

Die folgenden zehn Serien verteilen sich auf Netflix, HBO Max, Prime Video, Disney+ und Apple TV. Sortiert ist nach Wirkung, nicht nach Erscheinungsjahr, wer unten anfängt, verpasst also nichts.

Platz 1, 1899 auf Netflix

Ein Auswandererschiff auf dem Weg von Europa nach New York trifft mitten auf dem Atlantik auf ein baugleiches, verlassenes Schiff und kommt vom Kurs ab. „1899“ stammt von den Dark-Machern Baran bo Odar und Jantje Friese und bringt deren verschachtelte Erzählweise auf ein Passagierschiff mit acht Sprachen an Bord. Andreas Pietschmann spielt den Kapitän, Emily Beecham und Aneurin Barnard die Passagiere mit den größten Geheimnissen. Acht Folgen reichen für zwei Abende, dann ist Schluss, weil Netflix trotz einer Petition mit über 100.000 Unterschriften keine zweite Staffel bestellte.

Platz 2, Reservation Dogs auf Disney+

Vier Jugendliche aus einem Reservat in Oklahoma klauen, betrügen und sparen sich das Geld für ein neues Leben in Kalifornien zusammen, angetrieben von der Erinnerung an einen verstorbenen Freund. „Reservation Dogs“ ist die erste US-Serie, deren komplettes Autoren- und Regieteam indigener Herkunft ist, entwickelt von Sterlin Harjo mit Taika Waititi. Devery Jacobs, D'Pharaoh Woon-A-Tai, Lane Factor und Paulina Alexis tragen drei Staffeln mit 28 Folgen, die zwischen Slapstick und echter Trauer wechseln. Drei Staffeln passen locker in eine ruhige Woche.

Platz 3, The Rehearsal auf HBO Max

Nathan Fielder lässt in „The Rehearsal“ echte Menschen für die großen Momente ihres Lebens proben, mit nachgebauten Wohnungen, gecasteten Statisten und einem Aufwand, der die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion komplett auflöst. In der zweiten Staffel dreht sich alles um Kommunikationsfehler im Cockpit, Fielder erwarb dafür sogar selbst eine echte Fluglizenz. Zwei Staffeln mit zwölf Folgen reichen für ein langes Wochenende und hinterlassen danach das Gefühl, gerade etwas gesehen zu haben, das es so kein zweites Mal gibt.

Platz 4, Bodkin auf Netflix

Drei True-Crime-Podcaster reisen in eine irische Kleinstadt, um einem jahrealten Verschwinden nachzugehen, und stolpern dabei über Geheimnisse, die fast jeder Dorfbewohner lieber verschwiegen hätte. „Bodkin“ ist die erste fiktionale Serie von Higher Ground, der Produktionsfirma von Barack und Michelle Obama. Siobhán Cullen, Robyn Cara und Chris Walley tragen sieben Folgen, die sich an einem verregneten Wochenende wegschauen lassen. Netflix hat nach der ersten Staffel keine Fortsetzung bestellt, was angesichts der Auflösung fast schade ist.

Platz 5, Patriot auf Prime Video

Ein Geheimdienstoffizier soll unter falscher Identität in einer Rohrleitungsfirma in Wisconsin verschwinden, um heimlich Geld nach Luxemburg zu schleusen und ein iranisches Atomprogramm zu stoppen, verarbeitet seinen Stress aber in Folk-Songs, die er öffentlich singt und darin seine geheimen Missionen wörtlich verrät. „Patriot“ war Michael Dormans erste große Hauptrolle und gilt bei US-Kritikern bis heute als eine der am meisten übersehenen Serien der 2010er Jahre. Zwei Staffeln mit 18 Folgen lassen sich an einem Wochenende durchschauen, dazu Terry O'Quinn und Kurtwood Smith in Nebenrollen.

Platz 6, Somebody Somewhere auf HBO Max

Sam kehrt nach dem Tod ihrer Schwester in ihre Heimatstadt in Kansas zurück und findet über eine schräge Chorprobe in einer Kirche wieder Anschluss an das eigene Leben. „Somebody Somewhere“ basiert lose auf dem echten Leben von Hauptdarstellerin Bridget Everett, die selbst aus Kansas stammt und vor der Serie jahrelang als Kabarettistin in New York auftrat. Jeff Hiller spielt ihren besten Freund und liefert einige der wärmsten Nebenrollen der letzten Jahre. Drei Staffeln mit 21 Folgen laufen ruhig, fast leise, und wirken danach länger nach als so mancher lauter Serienhit.

Platz 7, Sneaky Pete auf Prime Video

Ein Trickbetrüger flieht nach seiner Haftentlassung vor einem gefährlichen Gangster und schlüpft in die Identität seines Zellengenossen Pete, komplett mit dessen ahnungsloser Familie und ihrer Kredithai-Vergangenheit. „Sneaky Pete“ wurde von David Shore, dem Schöpfer von Dr. House, mit Bryan Cranston entwickelt, der selbst eine Nebenrolle als besagter Gangster übernimmt. Giovanni Ribisi trägt die Hauptrolle, Margo Martindale und Marin Ireland liefern das Familienchaos drumherum. Drei Staffeln mit 30 Folgen füllen eine ganze Woche und werden von Staffel zu Staffel dichter.

Platz 8, Los Espookys auf HBO Max

Eine Gruppe von Freunden in einem nicht näher benannten lateinamerikanischen Land verwandelt ihre Liebe zu Horrorfilmen in ein Geschäftsmodell und inszeniert für zahlende Kunden Exorzismen, Monster und Geistererscheinungen. „Los Espookys“ war die erste größtenteils spanischsprachige Serie im HBO-Programm, mitentwickelt von Fred Armisen, der auch selbst mitspielt. Julio Torres und Ana Fabrega schreiben und spielen zugleich und geben der Serie ihren surrealen Humor. Zwei Staffeln mit 12 Folgen sind an einem einzigen verregneten Nachmittag durchgeschaut.

Platz 9, Trying auf Apple TV

Nikki und Jason wollen ein Kind adoptieren, scheitern aber immer wieder an Behördenformularen und ihrem eigenen chaotischen Alltag in London. „Trying“ läuft inzwischen in der fünften Staffel und bleibt trotzdem eine der leisesten Comedys im Apple-Programm, obwohl Rafe Spall und Esther Smith in jeder Szene Nähe und Situationskomik gleichzeitig hinbekommen. Vierzig Folgen über vier abgeschlossene Staffeln lassen sich in kleinen Portionen wegschauen, ganz ohne große Cliffhänger.

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Platz 10, High Maintenance auf HBO Max

Ein namenloser Fahrrad-Dealer liefert in Brooklyn von Tür zu Tür und wird zur stillen Klammer für zehn völlig unterschiedliche Kurzgeschichten pro Staffel, von reichen Langweilern bis zu einsamen Junkies. „High Maintenance“ begann als kostenlose Web-Serie auf Vimeo, bevor HBO das Format übernahm und mit deutlich größerem Budget weiterlaufen ließ. Ben Sinclair spielt den Dealer in fast jeder Folge, bleibt aber bewusst Nebenfigur der eigenen Serie. Vier Staffeln mit 34 kurzen Folgen eignen sich perfekt, um jeden Abend nur eine einzige Geschichte zu schauen.

Wie man sich entscheidet, wenn die Zeit knapp ist

Nur ein Abend übrig? Dann zu „Bodkin“ oder „Los Espookys“ greifen, beide sind in wenigen Stunden durch. Für eine freie Woche tragen „Sneaky Pete“ und „Reservation Dogs“ über mehrere Staffeln. Wer eher leise Wärme sucht statt Nervenkitzel, landet bei „Somebody Somewhere“ und „Trying“. Und wer wissen will, warum eine abgesetzte Serie manchmal die beste Empfehlung ist, fängt bei „1899“ an. Es lohnt sich. Versprochen!