Streaming-Business: Beweisaufnahme im Paramount-WBD-Prozess
Die Beweisaufnahme im Kartellverfahren gegen die Paramount-WBD-Fusion beginnt, Pluto TV bekommt Paramount+-Technik, und Disney zeigt auf der D23 seine Streaming-Strategie.
Diese Woche zeigt, wie unterschiedlich die großen Streaming-Konzerne gerade unterwegs sind. Während Paramount vor Gericht um seine Zukunft kämpft, feilt der Konzern parallel an der eigenen App-Technik, und Disney erklärt auf seinem Fanfestival, wohin die Reise inhaltlich geht.
Beweisaufnahme im Kartellprozess beginnt
Im Kartellverfahren gegen die geplante Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery hat das zuständige Gericht in Nordkalifornien den Fahrplan festgezurrt. Die Beweisaufnahme startete am Montag, 17. August, und läuft bis zum 8. Januar 2027. Den eigentlichen Prozess hat Richterin Araceli Martínez-Olguín für den 2. bis 19. März 2027 angesetzt.
Geklagt haben Kalifornien und elf weitere Bundesstaaten gemeinsam mit der Writers Guild of America. Sie sehen die über 110 Milliarden US-Dollar schwere Fusion als Gefahr für den Wettbewerb in Film und Fernsehen.
Für Paramount hat die Verzögerung ist das jetzt nicht gerade besonders billig und hat einen konkreten Preis. Seit dem 30. September zahlt der Konzern rund 7 Millionen US-Dollar Verzugsgebühr pro Tag an WBD-Investoren, bis Ende der Prozessphase könnte diese Summe die Milliardengrenze reißen. Scheitert der Deal bis Anfang Juni 2027 endgültig, drohen zusätzlich 7 Milliarden US-Dollar Vertragsstrafe.
Kein Wunder, dass die Gewerkschaften DGA und IATSE offen auf eine schnelle Einigung drängen, sie fürchten um Jobs in einer ohnehin verunsicherten Branche. Wie brisant der Streit inzwischen ist, zeigte sich bereits vor einigen Wochen, als sich sogar der US-Kongress mit der Fusion befasste.
Pluto TV wechselt auf die Technik von Paramount+
Neben dem Gerichtssaal arbeitet Paramount am eigenen Maschinenraum. Der Konzern rollt derzeit eine überarbeitete Pluto-TV-App aus, die künftig auf derselben technischen Basis läuft wie Paramount+. Beide Dienste bleiben als getrennte Angebote mit eigenem Logo und eigener Bibliothek bestehen, teilen sich aber Empfehlungssysteme, Datenpipelines und Werbetechnik.
Sichtbarstes Zeichen der Umstellung ist die neue Navigation, die von der klassischen linken Menüleiste auf eine horizontale Leiste oben umzieht, ähnlich wie man es von Abo-Plattformen kennt. Das Update läuft aktuell auf Mobilgeräten, im Browser und auf Roku-Geräten an, weitere Plattformen sollen folgen.
Der Zusammenschluss der Technik ist Teil eines Plans, den Paramount schon länger verfolgt und bis Mitte 2026 abschließen wollte.
Disney setzt bei D23 auf Kurzformate und lokale Produktionen
Auf dem Disney-Fanfestival D23 in Anaheim gaben Führungskräfte des Konzerns einen Ausblick auf die Wachstumsstrategie für Disney+. Eric Schrier, zuständig für internationale Originals und neue Formate, und Erin Teague, verantwortlich für das Produktmanagement bei Disney Entertainment und ESPN, sprachen über die wachsende Bedeutung kurzer, mobiler Videoformate auf der Plattform.
Ergänzt wird dieser Vorstoß durch eine kürzlich geschlossene Vereinbarung mit TikTok, die es Fans erlaubt, Clips mit lizenzierten Disney-Figuren zu erstellen. Ein deutlicher Kurswechsel für einen Konzern, der seine Markenrechte traditionell sehr streng verteidigt.
Zweiter Schwerpunkt ist die internationale Produktion. Disney+ setzt verstärkt auf Serien in Landessprache, besonders aus Korea und Japan, wo Titel wie „Tempest“, „Perfect Crown“ und „A Shop for Killers“ bereits Quoten erreichen, die laut Konzernangaben mit globalen Eigenproduktionen mithalten können.
Drittens soll ESPN stärker mit Disney+ verzahnt werden. Der Sportsender erreicht nach eigenen Angaben über 640 Millionen digitale Nutzer im Monat und ist inzwischen in mehr als 100 Ländern über Disney+ verfügbar.
Drei sehr verschiedene Baustellen also, die trotzdem denselben Kern haben. Paramount kämpft gerade ums nackte Überleben der Fusion, während Disney längst wieder nach vorne blickt und neue Zielgruppen jenseits klassischer Serienformate erschließt.