Streaming-Business: Warner-Fusion eskaliert bis in den Kongress
Ellisons Kalifornien-Drohung im Paramount-Warner-Streit zieht den US-Kongress in den Fusionsstreit, dazu drückt ein Investor mit KI-Forderungen die Lionsgate-Aktie.
Der Kartellstreit um die Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery hat eine politische Dimension erreicht. Firmenchef David Ellison steht wegen seiner Umzugsdrohung im Kreuzfeuer von Generalstaatsanwalt und Kongress.
Bei Lionsgate drückt ein aktivistischer Investor mit einer aggressiven KI-Agenda den Aktienkurs auf ein Vier-Monats-Tief.
Ellisons Umzugsdrohung verschärft den Kartellstreit
Ellison kündigte seinen Führungskräften den Umzug aus Kalifornien ab Oktober an. Voraussetzung sei, dass Generalstaatsanwalt Rob Bonta keiner Einigung im Kartellverfahren zustimmt. Bonta nennt die Umzugsdrohung offene Erpressung.
Paramount zahlt derzeit täglich 7 Millionen US-Dollar Vertragsstrafe an Warner Bros. Discovery für den verpassten Stichtag der Fusion.
Ein Bundesrichter hat den Prozess auf März verschoben und setzt Ellisons Zeitplan damit stärker unter Druck.
Paramount-Justiziar Makan Delrahim widerspricht bei einer Politico-Konferenz und erklärt, „Alles liegt auf dem Tisch“. Ein Umzug sei unternehmerische Sorgfaltspflicht gegenüber den Aktionären und keine Erpressung.
Der demokratische Kongressabgeordnete Jamie Raskin fordert eine förmliche Befragung Ellisons. Der Paramount-Chef kollaboriere mit der Trump-Regierung, um die redaktionelle Unabhängigkeit der Medien einzuschränken.
Raskin beruft sich auf einen Bericht des Wall Street Journal. Demnach habe Ellison der Regierung einen grundlegenden Umbau von CNN nach einer Übernahme zugesichert.
Die Gewerkschaft WGA sieht in der Drohung einen Beleg für Paramounts gefährliche Marktmacht. Sie erklärt, „genau dieses Verhalten zeige, warum die Fusion gestoppt werden sollte“.
Paramount erwog laut Berichten sogar ein eigenes Aufsichtsgremium für CNN. Es soll nach einem möglichen Deal die redaktionelle Unabhängigkeit des Senders sichern.
Ob das Bonta und die inzwischen zwölf beteiligten Bundesstaaten umstimmt, bleibt aus unserer Sicht fraglich. Kaliforniens demokratischer Gouverneurskandidat Xavier Becerra bevorzugt eine gütliche Einigung im Konferenzraum statt im Gerichtssaal.
Anson Funds fordert von Lionsgate eine schärfere KI-Strategie
Die Lionsgate-Aktie fiel am Mittwoch auf 11,73 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit vier Monaten.
Auslöser war ein Vorstoß des Investmentfonds Anson Funds. Er verlangt vom Board eine deutlich schärfere KI-Strategie. Der Markt sortiere Studios derzeit gnadenlos in KI-Gewinner und KI-Verlierer, schreibt der Fonds.
Lionsgate müsse die zweite Kategorie vermeiden. Dabei steht das Studio bei KI nicht schlecht da. Vize-Chef Michael Burns bezifferte die jährlichen Einsparungen durch KI-Werkzeuge zuletzt auf einen zweistelligen Millionenbetrag.
Der Vorstoß befeuert alte Übernahmespekulationen. Seit der Abspaltung von Starz gilt Lionsgate als attraktives Ziel. Das Studio besitzt eine Bibliothek mit 20.000 Titeln und Franchises wie „John Wick“ und „Saw“.
Europäische Anbieter wie Banijay und Mediawan sollen bereits genauer hingeschaut haben. Beide Geschichten zeigen, wie schonungslos der US-Markt Streaming- und Studiokonzerne neu sortiert.
Der Machtkampf um die Warner-Fusion wächst sich zum Politikum aus. Bei Lionsgate entscheidet die KI-Strategie plötzlich über die Verhandlungsposition am Übernahmemarkt.