15 Jahre Nothing Trivial: Neuseelands stille Antwort auf die Midlife-Krise
Vor 15 Jahren startete die neuseeländische Serie Nothing Trivial. Alles zu Entstehung, Erfolg und warum sie in Deutschland nie zu sehen war.
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Am Mittwoch, 20. Juli 2011, ging in Neuseeland eine Serie an den Start, die ihr Publikum nicht mit Verbrechen oder Superkräften ködern wollte, sondern mit einer wöchentlichen Pub-Quiz-Runde und fünf Freunden mitten in der Sinnkrise. „Nothing Trivial“ wurde zum quotenstärksten heimischen Drama-Debüt seit der Jahrtausendwende, ein bemerkenswerter Erfolg für ein Format ganz ohne Mord, Mystery oder Cliffhanger. Heute, an ihrem 15. Jahrestag, lohnt der Blick zurück auf eine Serie, die in Neuseeland Kult wurde und in Deutschland komplett unter dem Radar blieb.
Wie alles begann
Die Drehbuchautoren Rachel Lang und Gavin Strawhan entwickelten das Format bewusst als Rom-Com für Erwachsene, angesiedelt bei fünf Freunden Mitte dreißig bis Mitte vierzig. Produziert wurde die Serie von South Pacific Pictures, die staatliche Förderinstitution NZ On Air steuerte für die erste, 13-teilige Staffel 6,9 Millionen neuseeländische Dollar bei, für eine lokale Produktion damals kein kleines Budget. Ihren Sendeplatz fand „Nothing Trivial“ bei TV One, dem Hauptsender von Television New Zealand, direkt in der Primetime um 20.30 Uhr.
Damit besetzte die Serie bewusst eine Lücke im Markt. Statt sich wie viele Formate an ein jugendliches Publikum zu wenden, richtete sich „Nothing Trivial“ an Erwachsene mitten in der eigenen Midlife-Krise, mit Alltagsproblemen statt Mordfällen. Wer je an einem Pub-Quiz-Abend über die eigene Lebensplanung nachgedacht hat, dürfte sich in der Prämisse ziemlich direkt wiedererkennen. Als die Serie für ihre zweite Staffel im August 2012 auf den Sonntagabend wechselte, musste sie sich dort gegen ein starkes Reality-Format wie „New Zealand's Got Talent“ behaupten.
Warum die Serie einschlug
Die Zahlen sprachen von Anfang an für sich. Die Pilotfolge zählte 516.300 Zuschauer in der Altersgruppe ab fünf Jahren und war damit das quotenstärkste Debüt einer lokal produzierten Dramaserie in Neuseeland seit dem Jahr 2000. Zum Start der zweiten Staffel am Sonntag, 26. August 2012, pendelte sich der Schnitt bei 331.500 Zuschauern ein, immer noch ein solider Wert für eine neuseeländische Produktion.
Auch die Kritik zeigte sich angetan. Deborah Hill Cone vom „New Zealand Herald“ lobte die Drehbücher und stellte sie auf eine Stufe mit den Werken von Rom-Com-Autor Richard Curtis, bekannt für „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Der TV-Kritiker Chris Philpott von „On the Box“ bescheinigte der Serie 2013 höchste Qualität und nannte sie ein neuseeländisches Pendant zu Erfolgsserien wie „Offspring“ und „Packed to the Rafters“, die es seiner Einschätzung nach mit jeder anderen Serie im Fernsehen aufnehmen könne.
Die Autorin Rachel Lang beschrieb den Kern ihrer Figuren einmal so, „Die Figuren finden Trost darin, die kleinen Fragen zu beantworten, auch wenn sie die großen nicht lösen können“. Genau diese kleinteilige Alltagsnähe kam beim Publikum an, statt großer Twists gab es Freundschaft, Zweifel und eben die nächste Pub-Quiz-Runde.
Das Vermächtnis
„Nothing Trivial“ etablierte in Neuseeland eine unaufgeregte, realistische Erzählweise, die man dort später als „Middle-Class Realism“ bezeichnete. Statt auf High-Concept-Ideen zu setzen, verankerte sich die Serie tief im lokalen Alltag und in der Pub-Quiz-Kultur des Landes. Diese Bindung ans Publikum war so stark, dass die Förderinstitution NZ On Air im März 2014, nach dem Ende der dritten Staffel, noch einmal Geld bereitstellte, und zwar gezielt für einen zweistündigen Tele-Movie als Finale.
Das war für die neuseeländische Fernsehlandschaft ein ungewöhnlicher Schritt, denn öffentliche Förderung fließt sonst selten in einen reinen Fan-Abschluss statt in eine neue Produktion. Das ausdrückliche Ziel war es, den Fans einen echten narrativen Abschluss zu bieten, statt die Serie einfach auslaufen zu lassen.
Wie treu das Publikum der Serie war, lässt sich auch an Shane Cortese ablesen. Shane Cortese spielte die Hauptfigur Mac und nannte die Rolle rückblickend eine der forderndsten seiner Karriere, „Das ist die anspruchsvollste Rolle, die ich je gespielt habe, weil er ein so lebensechter Charakter ist. Es ist eine echte Herausforderung, jemanden zu spielen, der einem selbst ziemlich ähnlich ist“.
Wie es weiterging
Am Sonntag, 3. August 2014, lief mit „Nothing Trivial, The Finale“ der angekündigte Fernsehfilm, mit dem die Serie ihren endgültigen Abschluss fand. Ein Reboot oder eine Cast-Reunion sind bis heute nicht in Arbeit, auch offizielle Gerüchte dazu gibt es nicht. Damit bleibt „Nothing Trivial“ genau das, wofür sie 2014 bewusst konzipiert wurde, eine abgeschlossene Geschichte ohne offenes Ende, ganz ohne die halbherzigen Wiederbelebungsversuche, die man von größeren Serienmarken gewohnt ist.
So lief die deutsche Ausstrahlung
Hierzulande ist die Serie schlicht nie angekommen. Weder fernsehserien.de noch die Deutsche Synchronkartei führen einen Eintrag zu „Nothing Trivial“, was stark darauf hindeutet, dass sie nie für den deutschsprachigen Markt lizenziert oder synchronisiert wurde. Einen deutschen Titel gibt es folglich auch nicht, wer die Serie sucht, findet sie nur unter ihrem Originalnamen.
Wo Nothing Trivial heute streamt
Wer die Serie zum Jubiläum nachholen will, wird in Deutschland enttäuscht. Zwar listen Anbieter wie Amazon Prime Video und Apple TV „Nothing Trivial“ international in ihren Katalogen, doch der Abruf scheitert an der Geoblockade. Deutsche IP-Adressen bekommen stattdessen Meldungen wie „Nicht verfügbar“ oder „No longer available in your region“ zu sehen. Für ein Wiedersehen mit Mac und seiner Pub-Quiz-Runde bleibt aktuell also nur der Blick über die Grenze, ein legaler Weg zur Serie existiert für deutsche Zuschauer derzeit nicht.