James Burrows gestorben: Der Regisseur hinter Cheers, Friends und Will & Grace wurde 85

James Burrows, Regisseur von Cheers, Friends, Frasier und Will & Grace, ist am 19. Juni 2026 im Schlaf gestorben. Er wurde 85 Jahre alt.

· 4 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Über 50 Jahre Sitcom-Geschichte in einer Karriere
  2. Cheers war sein Meisterwerk und sein Herzstück
  3. Zuletzt bei Hulu und HBO
  4. Hollywood verabschiedet sich
  5. Für das deutsche Publikum ein vertrauter Unbekannter

Am Donnerstag, 19. Juni 2026, ist James Burrows im Schlaf nach kurzer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Fernsehkomödie ihre prägendste Figur hinter der Kamera. Sein Name war dem breiten Publikum kaum geläufig. Doch wer je über „Cheers“, „Friends“, „Frasier“, „Will & Grace“, „Two and a Half Men“ oder „The Big Bang Theory“ gelacht hat, hat über Burrows' Arbeit gelacht.

Über 50 Jahre Sitcom-Geschichte in einer Karriere

Burrows begann 1974 als Regisseur bei „The Mary Tyler Moore Show“. Danach kam eine Serie nach der anderen, wie bei kaum jemandem sonst. Er inszenierte die Pilotfolgen von Taxi, „Cheers“, „Frasier“, „Friends“, „Will & Grace“, „3rd Rock from the Sun“, „Two and a Half Men“ und „The Big Bang Theory“. Wer den Pilot dreht, prägt das Fundament einer Serie. Burrows tat das immer wieder, und es funktionierte immer wieder.

Wie sehr die Sender ihm vertrauten, zeigt allein die Menge seiner Arbeit. Bei „Will & Grace“ führte er bei 246 Folgen Regie, bei „Cheers“ bei 236, dazu kamen 75 Folgen „Taxi“ und kleinere Beiträge bei „Frasier“ und „Friends“. 2015 inszenierte er seine 1.000. Episode. Über die Jahrzehnte gewann er elf Emmys, darunter fünf für Regie und fünf für die beste Comedyserie, bei insgesamt 47 Nominierungen.

Sein Agent Rick Rosen fasste es so zusammen. „Jimmy war der größte komödiantische Fernsehregisseur in der Geschichte des Mediums. Er inszenierte die ikonischsten, generationsprägenden Serien. Er war stets ein Gentleman, und es war eine Ehre, ihn zu vertreten.“

Cheers war sein Meisterwerk und sein Herzstück

Als Mitschöpfer und Stammregisseur von „Cheers“ schuf Burrows mehr als nur eine Serie. Er schrieb die Grammatik der Multi-Kamera-Sitcom neu, die Kneipe in Boston, die Figuren, das Timing. Er war derjenige, der zusammensetzte, was dann über elf Staffeln funktionierte.

NBC würdigte ihn in einem Statement. „Jimmy Burrows war der Mann hinter den Kulissen. Er wusste, wie man zum Lachen bringt, welche Knöpfe man drücken muss, und er war absoluter Meister darin, aus jedem Witz das Maximum herauszuholen. Sein Verlust für die Fernsehkomödie ist unermesslich.“

Zuletzt bei Hulu und HBO

Burrows ruhte sich nicht auf seiner Geschichte aus. 2025 produzierte er alle zehn Folgen von „Mid-Century Modern“ für Hulu, einer Comedyserie der „Will & Grace“-Schöpfer Max Mutchnick und David Kohan. Dafür erhielt er mit 84 Jahren noch seine 28. Emmy-Regie-Nominierung.

Sein letztes Projekt war die dritte Staffel von „The Comeback“ bei HBO, der Satireserie mit Lisa Kudrow. Burrows spielte sich selbst, einen Sitcom-Regisseur, der den Piloten für die erste KI-geschriebene Multi-Kamera-Comedy inszeniert. Das Projekt bricht er dann aber ab, weil KI seiner Meinung nach niemals die Emotion und Spannung liefern könne, die großes Fernsehen braucht.

Hollywood verabschiedet sich

Lisa Kudrow, die zuletzt an seiner Seite auf dem Set stand, schrieb auf Instagram ein knappes Lebewohl. „Danke Jimmy. Ich meine, für alles.“

Tony Danza, der in mehreren Taxi-Folgen unter Burrows' Regie spielte, schrieb auf Instagram. „Wir haben den Größten aller Zeiten verloren. Jimmy Burrows. Ich weiß, dass ich ohne ihn nicht hier wäre.“

Danny DeVito und Rhea Perlman, die Burrows aus „Cheers“ und „Taxi“ kannten, erklärten in einem gemeinsamen Statement. „Rhea und ich sind tief betrübt über den Tod von Jimmy Burrows. Er hat Rhea und mich durch 16 Staffeln Fernsehen geführt. Er war der Beste in seinem Fach. Sein positiver Geist, seine grenzenlose Energie und seine unermüdliche Arbeit haben definiert, was es heißt, eine Show am Laufen zu halten und Menschen zum Lachen zu bringen.“

Eric McCormack von „Will & Grace“ schrieb auf Instagram. „Wir haben heute einen Riesen verloren, einen Mentor und einen lieben Freund. Der 800-Pfund-Gorilla der Fernsehkomödie für fünfzig Jahre. Er wurde von allen geliebt und hat nicht eine Spur hinterlassen, sondern einen Fußabdruck.“

Debra Messing nannte ihn liebevoll „Papa Jimmy“ und schrieb. „James Burrows war eine Legende. Ein Unikat. Er brachte Lachen und Liebe in mehr Haushalte weltweit als jeder andere Fernsehregisseur in der Geschichte. Er hat mein Leben vor 28 Jahren verändert und war seitdem immer in meinem Leben.“

Kat Dennings aus „2 Broke Girls“ meldete sich mit wenigen Worten. „RIP, einem echten.“

Für das deutsche Publikum ein vertrauter Unbekannter

James Burrows hat keinen deutschen Namen. Aber die Serien, die er geprägt hat, laufen seit Jahrzehnten im deutschen Fernsehen und auf den Streamingdiensten. Wer in Deutschland „Friends“ auf Netflix, „Cheers“ oder „Frasier“ schaut, sitzt im Grunde immer noch in seinem Klassenzimmer.

In der TV-Geschichte gehört Burrows zu einer Handvoll Personen, die das Medium wirklich definiert haben, ohne dass ihr Name auf dem Plakat stand. 2006 wurde er in die Hall of Fame der Television Academy aufgenommen. Mit 85 Jahren, nach mehr als 1.000 Episoden, geht eine Ära zu Ende.