Akihiro Miwa gestorben: Die Stimme hinter Moro und der Hexe aus dem Niemandsland

Akihiro Miwa, Stimme der Wolfsgöttin Moro in Prinzessin Mononoke, ist am 20. Juni 2026 im Alter von 91 Jahren gestorben. Nachruf auf eine japanische Ikone.

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Japan hat Akihiro Miwa verloren, eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten, die das Land je hervorgebracht hat. Am Samstag, 20. Juni 2026, verstarb der Sänger, Schauspieler und Synchronsprecher im Alter von 91 Jahren. Für Fans der Studio-Ghibli-Produktionen hinterlässt er seine Stimme in zwei Klassikern, als Wolfsgöttin Moro in „Prinzessin Mononoke“ und als Hexe aus dem Niemandsland in „Das wandelnde Schloss“. Beide Filme sind heute bei Netflix und Prime Video in Deutschland verfügbar.

Atombombe, Ginza und ein verbotenes Lied

Akihiro Miwa wurde am 15. Mai 1935 in Nagasaki als Akihiro Maruyama geboren. Als Zehnjähriger überlebte er den Atomangriff auf seine Heimatstadt, damals vier Kilometer vom Bodennullpunkt entfernt. Diese Erfahrung prägte seinen Pazifismus und sein politisches Engagement ein Leben lang.

1952 zog er nach Tokio und begann im Ginza-Viertel als Chanson-Sänger, hauptsächlich mit Interpretationen von Édith Piaf und Marie Dubas. 1957 erlangte er mit der japanischen Übersetzung von Gilbert Bécauds „Méqué méqué“ erstmals breite Aufmerksamkeit. Noch im selben Jahr bekannte er sich öffentlich zu seiner Homosexualität, was zunächst einen Rückgang seiner Popularität mit sich brachte. Maruyama widmete sich daraufhin dem Komponieren.

1964 sang er erstmals „Yoitomake no Uta“, ein Chanson über eine Bauarbeiterin und ihr Kind, die gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt sind. Die Single erschien 1965 und verkaufte sich 400.000 Mal, bevor ein Verband japanischer Rundfunkveranstalter sie wegen des verwendeten Begriffs verbannte. Erst 2012 trug Miwa das Lied wieder öffentlich vor, beim renommierten Kohaku Uta Gassen.

Schwarze Eidechsen und Rosen: die Filmkarriere

Ende der 1960er Jahre stand Maruyama für Kinji Fukasaku vor der Kamera, den Regisseur, der später mit „Battle Royale“ weltberühmt werden sollte. In der Edogawa-Rampo-Adaption „Black Lizard“ von 1968, nach einem Theaterstück von Yukio Mishima, spielte er ein kriminelles Femme-fatale-Mastermind und steuerte auch den Soundtrack bei. Im Gothic-Drama „Black Rose Mansion“ von 1969 folgte die Rolle einer Sängerin, die Männer mit ihrem Charme in den Wahnsinn treibt.

Ab 1971 trat Maruyama unter dem Künstlernamen Akihiro Miwa auf. Diese Bühnenpersona begleitete ihn durch Jahrzehnte voller Theater, Talkshows und Konzerte, international auch in Paris, Madrid und Stuttgart. Bis zuletzt war Miwa im japanischen Fernsehen präsent.

Die Ghibli-Stimme, die alles überragt

1997 sprach Akihiro Miwa in Hayao Miyazakis „Prinzessin Mononoke“ die Wolfsgöttin Moro, Schutzherrin des Waldes und Ziehmutter der titelgebenden Heldin. Die Rolle machte ihn einem Millionenpublikum außerhalb Japans bekannt. 2004 folgte „Das wandelnde Schloss“ mit der Hexe aus dem Niemandsland, einer Figur, die im Laufe des Films deutlich vielschichtiger wird als ihr erster Auftritt vermuten lässt. Dazu kam 2009 die Stimme von Arceus in „Pokemon: Arceus und das Juwel des Lebens“.

Wer das Leben hinter diesen Rollen kennenlernen möchte, findet die Dokumentation „Miwa: A Japanese Icon“ von Pascal-Alex Vincent auf Vimeo.

Eine Stimme, die niemand vergisst

Akihiro Miwa setzte sich zeitlebens gegen Militarismus und für LGBTQ-Rechte ein. Als einer der ersten prominenten Homosexuellen Japans, der offen als Dragqueen auftrat, war er eine singuläre Figur in der japanischen Unterhaltungsbranche. Japan Times berichtete, dass Miwa bereits beigesetzt wurde.

„Prinzessin Mononoke“ und „Das wandelnde Schloss“ mit seiner Stimme sind bei Netflix und Prime Video abrufbar.