25 Jahre The Office: Der Aufstieg einer Kult-Bürokomödie

Vor 25 Jahren startete „The Office“ auf BBC Two. Die Geschichte von Ricky Gervais' Bürokomödie, ihrem Vermächtnis und wo ihr die Serie heute in Deutschland streamt.

· 5 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Wie alles begann
  2. Warum die Serie einschlug
  3. Das Vermächtnis
  4. Wie es weiterging
  5. So lief die deutsche Ausstrahlung
  6. Wo The Office heute streamt

Die britische Bürokomödie „The Office“ flimmerte am Montag, 9. Juli 2001 zum ersten Mal über die Bildschirme von BBC Two und feiert damit heute ihren 25. Geburtstag. Was als graue Mockumentary über einen tristen Papiervertrieb im englischen Slough begann, wurde zur Blaupause für ein ganzes Comedy-Genre.

Ricky Gervais und Stephen Merchant erfanden mit David Brent den wohl peinlichsten Chef der Fernsehgeschichte. Und sie krempelten nebenbei das Handwerk der Sitcom um.

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Wie alles begann

Der Ursprung liegt im Jahr 1998. Stephen Merchant sollte im Rahmen eines BBC-Ausbildungsprogramms für Nachwuchsproduzenten einen Kurzfilm abliefern. Statt einer braven Dokumentation drehte er mit Ricky Gervais ein Demoband namens „Seedy Boss“. Kennengelernt hatten sich die beiden zuvor beim Radiosender XFM.

Im Zentrum stand eine Figur, die Gervais gern parodierte, ein selbstverliebter Vorgesetzter. Als Vorlage diente ein echtes, reichlich unbeholfenes Vorstellungsgespräch, das Gervais mit 17 Jahren bei einer Zeitarbeitsfirma erlebt hatte.

Über Umwege landete das Band bei BBC-Comedy-Chef Jon Plowman und Produzent Ash Atalla. Beide erkannten das Potenzial und legten es BBC-Two-Senderchefin Jane Root vor, die einen Pilotfilm in Auftrag gab. Der verschlang 90.000 britische Pfund, für die erste Staffel bewilligte die BBC dann 140.000 Pfund pro Folge.

Stilistisch war die Serie eine Kampfansage. In den späten 1990ern boomten im britischen Fernsehen Doku-Soaps wie „Airport“, und Gervais und Merchant antworteten darauf mit bissiger Satire. Sie verzichteten auf Studiopublikum und Lachspur, drehten mit einer einzigen Kamera und zogen dem Bild in der Nachbearbeitung bewusst die Farbe raus, um die Trostlosigkeit der fiktiven Papierfirma „Wernham Hogg“ sichtbar zu machen. Jon Plowman beschrieb seine Reaktion auf das erste Demoband so, dass man nicht vor Lachen, sondern „vor Fremdscham auf dem Boden lag“.

Warum die Serie einschlug

Der Start war ein Desaster. In den internen Fokusgruppen der BBC holte die Sendung den schlechtesten Wert der Sendergeschichte und teilte sich den letzten Platz mit einer Übertragung von Frauen-Boule. Kritiker Victor Lewis-Smith verriss das Format 2001 im „London Evening Standard“ und schrieb, es sei ein Rätsel, „wie dieser Schund je über die Pilotphase hinausgekommen ist“.

Gervais selbst hatte die Erwartungen längst begraben. „Ich ging davon aus, dass niemand zuschaut, und in den Quoten lagen wir gleichauf mit Frauen-Boule auf dem letzten Platz“, erinnerte er sich später.

Dann drehte sich alles. Mundpropaganda und Wiederholungen zogen die Quoten nach oben. Die erste Staffel kam anfangs auf rund 1,6 bis 1,7 Millionen Zuschauer, in den Wiederholungen auf 2,3 Millionen. Die zweite Staffel erreichte 2002 bis zu 4,93 Millionen, die Weihnachts-Specials von 2003 sahen in der Spitze 6,8 Millionen Menschen. Die gesamte Serie umfasst dabei nur 14 Episoden, zwei Staffeln mit je sechs Folgen plus die beiden Specials.

Auch die Kritik drehte bei. Bis 2004 hatte sich der Konsens komplett verkehrt, die „New York Times“ adelte das Format zum Serienende als eine der befriedigendsten Komödien aller Zeiten. Die Serie gewann den BAFTA als beste Situationskomödie drei Jahre in Folge, dazu 2003 den Peabody Award. Der größte Coup gelang bei den Golden Globes 2004, als „The Office“ als erste britische Comedy-Serie seit 25 Jahren in der Kategorie beste Serie, Musical oder Komödie nominiert war und den Preis als erste britische Produktion überhaupt gewann. Gervais nahm parallel den Globe als bester Hauptdarsteller mit nach Hause.

Das Vermächtnis

Der kulturelle Fußabdruck ist gewaltig. „The Office“ machte den Verzicht auf Studiopublikum und Lachspur salonfähig und hievte die Cringe-Comedy aus peinlichen Pausen, Inkompetenz und sozialer Unbeholfenheit mitten in den Mainstream. Formate wie „Parks and Recreation“ oder „Arrested Development“ bauten direkt auf dieser Vorlage auf.

Die Serie etablierte auch ihr Figurenpersonal als Archetyp, den überheblichen und zugleich zutiefst unsicheren Chef David Brent und den resignierten, aber klugen Angestellten Tim Canterbury, gespielt von Martin Freeman. Diese Dynamik fand weltweit Nachahmer.

Am erfolgreichsten wurde das US-Remake von Greg Daniels, das von 2005 bis 2013 auf NBC lief. Steve Carell als Michael Scott und 201 Episoden in neun Staffeln stellten das Original in Laufzeit und globaler Reichweite in den Schatten. Insgesamt zählt das Franchise über 14 offizielle internationale Ableger.

LandTitelSenderLokaler Chef
USA„The Office“NBCMichael Scott
Deutschland„Stromberg“ProSiebenBernd Stromberg
Frankreich„Le Bureau“Canal+Gilles Triquet
Indien„The Office“HotstarJagdeep Chadda
Chile„La ofis“Canal 13Manuel Cerda

Der deutsche Ableger „Stromberg“ mit Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg glich dem Original so sehr, dass die BBC mit rechtlichen Schritten drohte. Am Ende einigte man sich außergerichtlich, Gervais und Merchant erhielten nachträglich einen „Inspired by“-Credit.

Wie es weiterging

Das Franchise wächst bis heute, während die Ursprungsserie abgeschlossen bleibt. Am 18. Oktober 2024 startete die australische Adaption auf Prime Video, mit Felicity Ward als Geschäftsführerin Hannah Howard und damit erstmals einer Frau an der Spitze. Trotz des Lobs als erfolgreichster lokaler Original-Titel setzte Amazon die Serie nach nur einer Staffel ab, die acht Folgen liefen anschließend beim australischen Sender Channel 10.

Frischer ist das US-Spin-off „The Paper“. Greg Daniels und Michael Koman verlegten die Handlung in die Redaktion der strauchelnden Zeitung „Toledo Truth-Teller“ im Bundesstaat Ohio, Premiere war am 4. September 2025 auf Peacock. Im Cast stehen Domhnall Gleeson, Sabrina Impacciatore und Oscar Nuñez, der seine Rolle aus dem US-Original wieder aufnimmt. Eine zweite Staffel ist bereits bestellt und für September 2026 angekündigt.

Eine Rückkehr des britischen Originals schließen die Macher dagegen aus. Merchant begründete das Ende nach nur zwei Staffeln mit der Angst vor dem Qualitätsverlust, man habe „Fawlty Towers“ als Maßstab gesehen und Sorge gehabt, dass einem die Luft ausgeht. Gervais holte David Brent 2016 immerhin für den Kinofilm „David Brent: Life on the Road“ zurück, allerdings ohne Merchant, offiziell wegen Terminkonflikten.

So lief die deutsche Ausstrahlung

Deutschland ließ sich lange Zeit. Die TV-Premiere kam fast fünf Jahre nach dem Original, als der Pay-TV-Sender Sat.1 Comedy die erste Folge am Samstag, 10. Juni 2006 zeigte, unter dem deutschen Titel „Rationalisierung“. Gelaufen ist die Serie hierzulande zunächst ausschließlich im englischen Originalton.

Eine vollständige deutsche Synchronfassung entstand erst 20 Jahre nach dem Originalstart. MagentaTV gab sie in Auftrag und veröffentlichte sie am Mittwoch, 1. Dezember 2021. Die Vertonung übernahm die Studio Hamburg Synchron, das Dialogbuch schrieb Dr. Änne Troester, Regie führte Charles Rettinghaus. Einen eingedeutschten Serientitel gab es nie, „The Office“ lief durchgehend unter dem Originalnamen.

Wo The Office heute streamt

In Deutschland ist „The Office“ aktuell bei mehreren Anbietern legal abrufbar. MagentaTV führt die Serie im regulären Abo und ist als einzige Plattform mit der 2021 exklusiv beauftragten deutschen Synchronfassung neben dem Originalton am Start. Zusätzlich läuft die Serie über ARD Plus, sowohl im eigenständigen Abo als auch über die hinzubuchbaren Channels bei Apple TV und Prime Video. Im Amazon-Kosmos steckt sie außerdem im Zusatzkanal BBC Player und ist dort als Kauf- und Leihtitel gelistet.

25 Jahre nach dem ersten trostlosen Bürotag in Slough ist David Brent damit näher dran denn je.