Mako Mermaids: Wie die H2O-Fortsetzung vor zehn Jahren zum Netflix-Pionier wurde
Zehn Jahre nach dem Finale von „Mako Mermaids“, ein Rückblick auf Produktion, Cast-Wechsel, den Netflix-Deal und die Verfügbarkeit heute in Deutschland.
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Mit Klick auf "Abspielen" werden Daten an YouTube übertragenStatt Mädchen, die sich in Meerjungfrauen verwandeln, standen diesmal geborene Meerjungfrauen im Zentrum, die einen Menschen an Land beschützen müssen. Was nach Nachmittagsfernsehen für Zehnjährige klingt, wurde zum Testfall für eine ganz andere Frage. Konnte ein Streaming-Dienst mit einer australischen Kinderserie tatsächlich ein globales Publikum erreichen? Wir blicken zehn Jahre nach dem Finale zurück.
Zwölf Millionen für die Gold Coast
Hinter „Mako Mermaids“ stand die Produktionsfirma Jonathan M. Shiff Productions, die zuvor bereits „Ocean Girl“, „The Elephant Princess“ und „H2O Plötzlich Meerjungfrau“ produziert hatte. Der Erfolg von „H2O“ mit zig Millionen Zuschauern in mehr als 160 Ländern gab den Ausschlag für ein direktes Spin-off. Statt Menschenmädchen, die zu Meerjungfrauen mutieren, drehte die neue Serie das Prinzip um. Sirena, Nixie und Lyla mussten den sechzehnjährigen Zac bewachen, der versehentlich in einen magischen Mondsee fiel und selbst zum Meermann wurde.
Die erste Staffel mit 26 halbstündigen Episoden kostete 12,3 Millionen australische Dollar. Das Team drehte vom Dienstag, 8. Mai, bis zum 12. Oktober 2012 in den Village Roadshow Studios und an diversen Außenkulissen an der Gold Coast in Queensland.
Screen Queensland steckte allein in die dritte Staffel 800.000 Dollar Fördergeld, das rund 400 lokale Jobs sicherte und über sieben Millionen Dollar an Wirtschaftsleistung in die Region brachte. Shiff kombinierte lineare Sender wie Network Ten, den Jugendkanal Eleven und das ZDF mit staatlichen Förderprogrammen wie Screen Australia und Screen Queensland und schuf damit ein finanziell stabiles Fundament für die aufwendige Produktion.
Ein Testballon für Netflix
Der wohl folgenreichste Teil der Geschichte ist die Vertriebsstrategie. 2013 sicherte sich Netflix die Erstausstrahlungsrechte für die USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Skandinavien, die Benelux-Staaten und Lateinamerika. Damit wurde „Mako Mermaids“ zur ersten Live-Action-Kinderserie, die in den USA offiziell als Netflix Original lief. Die damalige Screen-Australia-Chefin Ruth Harley bezeichnete den Deal als beispiellos für ein australisches Fernsehformat.
Für Netflix war das Projekt ein globaler Testballon, der sich auszahlte. Zwischen 2017 und 2022 investierte der Streaming-Dienst über 276 Millionen Dollar in neue australische Kinder- und Jugendinhalte. Grobe Schätzungen gehen von rund 150 Millionen Zuschauern weltweit für „Mako Mermaids“ aus, offizielle Zahlen veröffentlicht Netflix wie üblich nicht. Ein Beleg für frühes internationales Streaming-Kinderfernsehen aus Australien blieb die Serie trotzdem.
Drei gehen, drei kommen
Die Serie startete mit Lucy Fry als Lyla, Ivy Latimer als Nixie, Amy Ruffle als Sirena und Chai Hansen (damals noch als Chai Romruen gelistet) als Zac. Nach der ersten Staffel verließen Fry und Latimer die Produktion abrupt. In der Serie erklärten die Autoren das damit, dass Lyla und Nixie eine neue Heimat für den Meerjungfrauenschwarm suchten.
Der wahre Grund lag hinter den Kulissen. Fry hatte die Hauptrolle in der Hollywood-Verfilmung „Vampire Academy“ bekommen, Latimer moderierte fortan beim australischen Jugendsender ABC3 das Format „Studio 3“. Um das für die Marke typische Trio-Format zu erhalten, holten die Produzenten Isabel Durant als Ondina und Allie Bertram als Mimmi dazu.
In Staffel drei verabschiedete sich auch Amy Ruffle, im Skript reiste Sirena zu ihrer Schwester nach Hawaii. Für sie kam Linda Ngo als chinesische Meerjungfrau Weilan, mit ihr zog eine neue Mythologie um Wasserdrachen und Puzzle-Boxen in die Serie ein. Fry und Hansen nutzten „Mako Mermaids“ als Sprungbrett für internationale Film- und Serienrollen. Latimer hat sich weitgehend aus der Schauspielerei zurückgezogen und identifiziert sich mittlerweile öffentlich als trans unter dem Namen Bernier. Ruffle ist heute vor allem im Theater und in Podcasts aktiv.
Samstagnachmittag im ZDF
In Deutschland stieg das ZDF über seinen kommerziellen Arm ZDF Enterprises, heute ZDF Studios, als Co-Produzent ein und finanzierte, betreute und vermarktete die Serie mit. Unter dem Titel „Mako - Einfach Meerjungfrau“ lief die deutsche Erstausstrahlung am Samstag, 28. September 2013, im ZDF-Nachmittagsprogramm. Nur zwei Tage später, am Montag, 30. September 2013, zog KiKA nach. Konkrete Quoten für die Erstausstrahlung sind nicht überliefert, was bei Nachmittagsformaten für Kinder aber nicht ungewöhnlich ist.
Für die deutsche Fassung zeichnete die Studio Hamburg Synchron GmbH verantwortlich, das Dialogbuch schrieben Luise Charlotte Brings und Tammo Kaulbarsch, Regie führte Robin Brosch.
| Figur | Darstellerin | Deutsche Stimme |
|---|---|---|
| Lyla | Lucy Fry | Mareike Fell |
| Nixie | Ivy Latimer | Lisa May-Mitsching |
| Sirena | Amy Ruffle | Merete Brettschneider |
| Zac Blakely | Chai Hansen | Tobias Diakow |
Schluss nach drei Staffeln
Das Finale der dritten Staffel lief am Sonntag, 28. August 2016, beim australischen Sender Eleven. Mit 16 Episoden fiel die letzte Staffel deutlich kürzer aus als die vorherigen beiden mit jeweils 26 Episoden. Eine offizielle Begründung für das Ende gab es nie, ebenso wenig bestätigte Pläne für eine vierte Staffel oder den zwischenzeitlich diskutierten 90-minütigen Spielfilm.
Das Muster ist in der Branche allerdings bekannt. Live-Action-Jugendserien laufen selten länger als drei bis vier Staffeln, weil die jungen Darsteller optisch aus der Zielgruppe herauswachsen und neue Verträge das Budget schnell sprengen. Für „Mako Mermaids“ war nach 68 Episoden über drei Staffeln jedenfalls Schluss.
Wo ihr die Serie heute seht
Zehn Jahre nach dem Finale ist „Mako Mermaids“ in Deutschland weiterhin gut zugänglich. Alle drei Staffeln laufen bei Netflix, außerdem im Abo bei RTL+ und Prime Video. Werbefinanziert steht sie bei Toggo bereit, linear wiederholen KiKA und ZDFneo die Serie bis heute. Die Fangemeinde diskutiert in Foren nach wie vor detailversessen über die Mondringe, den Dreizack und den chinesischen Wasserdrachen Jiao Long aus der dritten Staffel.
Wer noch tiefer in die Entstehungsgeschichte der Mutterserie einsteigen will, findet die ganze Story in unserem Rückblick zu 20 Jahren H2O Plötzlich Meerjungfrau. Zehn Jahre nach dem letzten Bild aus dem Mondsee bleibt vor allem eins bestehen. „Mako Mermaids“ hat gezeigt, wie viel Reichweite Streaming einer kleinen australischen Produktion verschaffen kann, lange bevor Netflix Originals aus Down Under zur Selbstverständlichkeit wurden.