Sheep im ZDF: Eine Schafskomödie, die mich nicht festhielt
Die ZDF-Miniserie Sheep erzählt von einer Herde, die glaubt, sie habe den Bauern domestiziert. Mein Test zu Humor, Tempo und der Frage, für wen sich das lohnt.
Ein junger Widder namens Oliver merkt, dass in seinem Stall etwas nicht stimmt. Seine Herde lebt in der festen Überzeugung, sie habe sich den Bauern gezähmt. Der Mensch füttert, wärmt, schert und räumt hinterher auf, also gehört er offenbar den Schafen. Oliver findet heraus, wie die Sache wirklich läuft.
„Sheep“ hält diese Idee eine komplette Episode lang durch, ohne sie einmal zu erklären. Eigentlich ein guter Start. Eigentlivch...
Eine Herde, die den Bauern für ihr Haustier hält
Die Prämisse trägt die erste Episode allein. Kein Erzähler, keine Zwinkerei ins Publikum, die Herde meint das ernst. Ihre Weltsicht wird mit derselben Selbstverständlichkeit vorgetragen, mit der andere Serien ihre Ermittler ins Bild stellen.
Das funktioniert, weil die Serie den Witz nie erklärt und das auch nicht muss. Sie zeigt eine Ordnung und überlässt mir die Schlussfolgerung. Markus Schramm und Angelika Strahser spielen das Bauernpaar dabei so beiläufig, dass die Umkehrung erst recht komisch wirkt.
Ich mag deutsches Fernsehen, das sich traut, mit einer einzigen schrägen Setzung anzufangen. Davon gibt es wenig. Leider.
Zwischen Sonntagabendmord und Vorabendpraxis wirkt ein Stall voller selbstbewusster Schafe fast schon wie ein Programmunfall, und ich meine das als Kompliment.
Episode zwei, Oliver und Luftpumpen-Hans
In der zweiten Episode sucht Oliver Beweise. Er will belegen, was er ahnt, und stößt dabei auf Luftpumpen-Hans, einen ungleichen Verbündeten. Diese Konstellation ist der beste Einfall der beiden Episoden, die ich kenne.
Der Humor bleibt trocken. Die Serie steigert nicht, sie bohrt weiter im selben Loch, und das passt zu ihrem Tempo. Episoden von 16 bis 22 Minuten vertragen keine große Dramaturgie.
Was mir dabei fehlt, ist ein Einsatz. Oliver weiß etwas, das seine Herde nicht wissen will, und die Serie nimmt sich viel Zeit, diesen Zustand zu betrachten, statt ihn zuzuspitzen. Wer die Prämisse einmal verstanden hat, kennt den Ton der zweiten Episode bereits.
Trotzdem passierte danach nichts mehr bei mir. Kein Ärger, kein bewusster Abbruch, ich habe schlicht nicht mehr daran gedacht, dass da noch drei Episoden liegen. Zwei der fünf Episoden habe ich gesehen.
Fünf Episoden zwischen 16 und 22 Minuten
Das ZDF hat „Sheep“ im Rahmen von „Das kleine Fernsehspiel“ produziert, jener Reihe, die seit Jahrzehnten die Sachen unterbringt, die sonst nirgends hinpassen. Fünf Episoden umfasst die Staffel.
Die Episoden heißen „Eine unbequeme Wahrheit“, „Luftpumpe“, „Käfige“, „Sardinien“ und „Schafe“. Aus den Titeln lässt sich ein Bogen ahnen, der über den Hof hinausführt.
Zum Ensemble gehören außerdem Ilvie Moritz als Tochter und Christoph Krutzler als Obermoser. Gespielt wird durchgehend unaufgeregt, niemand drückt auf die Pointe.
Die kurze Laufzeit ist dabei eine echte Stärke. Eine Idee dieser Art hätte in 45 Minuten pro Episode keine Chance, in zwanzig hält sie sich problemlos.
Eine Serie, die ihren Reiz fast vollständig aus einer Grundidee zieht, trifft entweder den Nerv oder eben nicht.
Ich bleibe bei meinem Eindruck. Der Einfall ist gut, die Ausführung sympathisch, der Sog fehlt. Ein zweites Mal würde ich es nicht schauen.
Für wen sich der Stall lohnt
„Sheep“ taugt für alle, die deutsches Fernsehen jenseits des Krimi-Schemas suchen und mit absurdem Humor klarkommen. Wer eine kurze, eigenwillige Idee schätzt und keine Geschichte braucht, die ihn packt, findet hier zwanzig gut verbrachte Minuten pro Episode.
Auch die Länge spricht dafür, es zumindest zu probieren. Zwei Episoden kosten weniger Zeit als ein einziger Krimiabend, und danach wisst Ihr ziemlich sicher, ob für Euch der Ton trifft oder eben nicht.
Nichts ist es für alle, die eine Serie brauchen, die sie zum Weiterschauen zwingt. Diesen Griff hat „Sheep“ bei mir nie bekommen.