ARTE zeigt Wang Bings Doku „Jugend: Der Frühling“ über Chinas Textilarbeiter
ARTE zeigt ab Ende Juli Wang Bings Dokumentarfilm Jugend, Der Frühling. Die China-Doku begleitet junge Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter zwischen Fabrikalltag und der Hoffnung auf ein besseres Leben.
Vier Stunden lang, ohne Kommentar und ohne Musikuntermalung, dafür mit einem sehr genauen Blick auf junge Menschen an Nähmaschinen. „Jugend: Der Frühling“ feiert Ende Juli seine deutsche Free-TV-Premiere bei ARTE.
Zunächst ab Donnerstag, 30. Juli, geht es online in der arte Mediathek los. Tags darauf dann im linearen TV. Regisseur Wang Bing begleitet in seinem 216 Minuten langen Dokumentarfilm Wanderarbeiter im chinesischen Zhili, einem der größten Zentren für Kinderbekleidung weltweit.
Worum es in der Doku geht
Zhili liegt rund 150 Kilometer von Shanghai entfernt und produziert einen Großteil der chinesischen Kinderbekleidung. In Tausenden kleiner Werkstätten arbeiten Hunderttausende junge Menschen aus ländlichen Regionen des Landes, meist weit weg von zu Hause.
Wang Bing begleitet einige von ihnen über einen längeren Zeitraum und zeigt ihren Alltag zwischen Fabrikhalle und Unterkunft. Die jungen Männer und Frauen hoffen auf genug Geld für eine eigene Familie oder ein Haus.
Nebenbei entstehen Freundschaften und Liebesbeziehungen, die den eintönigen Arbeitsalltag unterbrechen. Groß angelegte Dramatik darf man dabei trotzdem nicht erwarten, und genau das ist der Punkt.
Wang Bing lässt seiner Kamera Zeit, wo andere Produktionen längst geschnitten hätten, und genau daraus entsteht die Wucht des Films.
Wanderarbeiter ohne soziale Absicherung
Der Film rückt zugleich ein strukturelles Problem in den Blick. Viele der Beschäftigten gelten offiziell als Wanderarbeiter und behalten ihren Wohnsitz im Heimatdorf, auch wenn sie längst in der Stadt leben und arbeiten.
Dadurch fehlt ihnen dort oft der Zugang zu Bildung, Rente oder Krankenversicherung, ein Thema, das China seit Jahren begleitet. Wang Bing verzichtet komplett auf einen Kommentar aus dem Off.
Stattdessen lässt er die Bilder für sich sprechen, ganz in seiner gewohnt beobachtenden Erzählweise.
Wann startet die Doku bei ARTE?
Die Doku läuft ab Donnerstag, 30. Juli, in der ARTE-Mediathek und bleibt dort bis Freitag, 28. August, abrufbar.
Linear zeigt der Sender den Film in der Nacht auf Freitag, 31. Juli, um 0.35 Uhr, klassisches Nachtprogramm also, für das man sich am besten die Aufnahmefunktion bereitlegt. Es handelt sich um die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen.
Wer ist Wang Bing?
Wang Bing gilt als einer der wichtigsten Dokumentarfilmer Chinas und hat sich mit langen, beobachtenden Porträts über Arbeit und Migration international einen Namen gemacht. „Jugend: Der Frühling“ setzt diese Linie fort, allerdings mit dem Fokus auf eine junge Generation zwischen familiären Erwartungen und dem Wunsch nach einem eigenen Leben.
Wer auf große Dramatik hofft, wird enttäuscht. Wer sich auf die Länge einlässt, bekommt dafür einen ungewöhnlich unmittelbaren Einblick in einen Alltag, den man in westlichen Streaming-Katalogen selten zu sehen bekommt.
Für alle, die nicht bis nach Mitternacht aufbleiben wollen, ist die Mediathek-Fassung ohnehin die entspanntere Wahl. Fast einen ganzen Monat lang lässt sich der Film in eigenem Tempo ansehen, bevor er Ende August wieder aus dem Programm verschwindet.