„Ferien bei den Taliban“: ARD-Doku begleitet Touristen durch Afghanistan

Die Weltspiegel Doku „Ferien bei den Taliban“ zeigt Touristen im Afghanistan der Taliban. ARD-Korrespondent Markus Spieker über Gastfreundschaft, Propaganda und Frauenrechte, Anfang August im Ersten.

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Afghanistan zählt seit Jahrzehnten zu den am schwersten zugänglichen Ländern der Welt. Ausgerechnet die Taliban-Regierung wirbt inzwischen gezielt um ausländische Besucher. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Reportage-Reihe „Weltspiegel Doku“ mit dem Film „Ferien bei den Taliban“.

Die ARD-Auslandsreportage nimmt sich damit eines Themas an, das zwischen Neugier und Naivität schwankt. Schon der Titel klingt wie ein Widerspruch in sich, und genau darum geht es in der Doku auch.

Ein Urlaub im Machtbereich eines international geächteten Regimes wirft zwangsläufig mehr Fragen auf, als er beantwortet. Wer freiwillig dorthin reist, muss sich diese Fragen gefallen lassen, und der Film stellt sie unverblümt.

ARD-Südasienkorrespondent Markus Spieker schließt sich für den Film einer internationalen Reisegruppe an. Er kehrt damit in ein Land zurück, über das er bereits seit 2010 berichtet. Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban dokumentiert er, wie sich Afghanistan nach außen präsentiert und was von dieser Fassade tatsächlich echt ist.

Die Reisegruppe erlebt zwei Seiten zugleich. Auf der einen Seite steht die Gastfreundschaft vieler Menschen, auf der anderen die gezielte Selbstdarstellung des Regimes.

„Ferien bei den Taliban“ fragt, welche Motive Reisende trotz der Warnungen westlicher Regierungen antreiben. Tragen solche Besuche wirklich zur Verständigung bei, oder legitimieren sie am Ende nur ein repressives System?

Besonders im Blick behält die Doku die Lage von Frauen und Mädchen. Unter der Taliban-Herrschaft sind ihre Rechte massiv eingeschränkt, von Bildung über Bewegungsfreiheit bis zur öffentlichen Sichtbarkeit. Der Film stellt diese Realität bewusst neben die Hochglanzmomente der organisierten Reisegruppe und macht so den Widerspruch sichtbar, den viele Reisende offenbar ausblenden.

Am Ende bleibt eine Frage offen, die sich durch den ganzen Film zieht. Wie viel von dem, was Touristen in Afghanistan zu sehen bekommen, ist tatsächlich ein echter Einblick?

Und wie viel davon ist nur das Bild, das die Taliban-Regierung vermitteln will? Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich „Ferien bei den Taliban“, ohne am Ende eine einfache Antwort zu liefern.

Wann läuft die Doku im Ersten?

Wer sich den Film ansehen will, muss sich noch etwas gedulden. Die ARD zeigt „Ferien bei den Taliban“ Anfang August, konkret am Dienstag, 4. August, um 23.35 Uhr. Im Anschluss an die Ausstrahlung steht die Dokumentation in der ARD Mediathek zum Abruf bereit.