20 Jahre Eureka: Wie eine Stadt voller Genies das Sci-Fi-Fernsehen prägte
Vor 20 Jahren startete „Eureka“ auf dem Sci Fi Channel. Wie die Serie zum Rekordstart wurde, ein eigenes TV-Universum schuf und wo ihr sie heute streamen könnt.
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Heute jährt sich zum 20. Mal ein Serienstart, der ein ganzes Genre entstauben half. Am Dienstag, 18. Juli 2006, schickte der US-Sender Sci Fi Channel eine verschlafene Kleinstadt voller Genies ins Fernsehen, und „Eureka“ wurde prompt zur bis dahin erfolgreichsten Serienpremiere in der Geschichte des Kanals.
Wie alles begann
Die Idee zu „Eureka“ entstand bei einem Mittagessen. Comic-Autor und Filmproduzent Andrew Cosby brachte seine Science-Fiction-Vorliebe mit, Mitschöpfer Jaime Paglia seinen Hang zu charaktergetriebenen Dramedys im Stil von „Northern Exposure“. Paglia erinnerte sich später gern an die Geburtsstunde. „Ich war eher der Northern-Exposure-Typ mit dem Faible für Charakter-Dramedy, und Andy war der Sci-Fi-Nerd. Es war das produktivste Mittagessen meines Lebens.“
Herausgekommen ist eine Prämisse, die man so schnell nicht vergisst. Die US-Regierung versteckt ihre klügsten Köpfe in der fiktiven Kleinstadt Eureka in Oregon, wo deren Experimente mit schöner Regelmäßigkeit aus dem Ruder laufen. Aufräumen muss der pragmatische, ganz durchschnittlich begabte US Marshal Jack Carter, gespielt von Colin Ferguson. Damit brach die Serie bewusst mit der düsteren, oft dystopischen Science-Fiction der späten Neunziger. Produziert wurden die frühen Staffeln bei Universal Media Studios, gesendet auf dem Sci Fi Channel, der sich 2009 in Syfy umbenannte.
Warum die Serie einschlug
Der Start geriet zum Rekord. Über vier Millionen Zuschauer schalteten laut Senderangaben ein, die deutsche Wikipedia nennt sogar 4,6 Millionen, und in der Zielgruppe ließ „Eureka“ Konkurrenten wie „Rescue Me“ und „The Contender“ hinter sich. Auch danach hielt die Serie ihr Publikum, in der zweiten Hälfte der dritten Staffel sahen im Schnitt 3,2 Millionen Menschen pro Folge zu.
Die Kritik fiel gespaltener aus als die Quote. Brian Lowry lobte in der „Variety“, die Serie sei „konzeptionell so clever wie ihr Titel“, und auch die „Washington Post“ fand Gefallen an den schrulligen Stadtbewohnern. Andere blieben kühl. Die „New York Times“ bemängelte die distanzierte Figurenzeichnung, und die „Pittsburgh Post-Gazette“ fand, an das Vorbild „Northern Exposure“ reiche „Eureka“ nicht heran.
Das Vermächtnis
Rückblickend war „Eureka“ ein Wegbereiter. Die Serie stand am Anfang der „Blue Sky“-Ära des Senders, jener leichteren, humorvolleren Phantastik, mit der Sci Fi 2009 sein Nischen-Image abstreifen und als Syfy ein breiteres Publikum ansprechen wollte. Ohne diesen Ton wäre ein späterer Hit wie „Warehouse 13“ kaum denkbar gewesen.
Bemerkenswerter noch ist, was danach kam. Jahre bevor große Kinofranchises das Konzept zum Standard machten, baute Syfy rund um „Eureka“ ein zusammenhängendes Serienuniversum im Kabelfernsehen. Wissenschaftler Douglas Fargo, gespielt von Neil Grayston, reiste nach „Warehouse 13“, im Gegenzug besuchte Technikerin Claudia Donovan (Allison Scagliotti) die Forschungsanstalt „Global Dynamics“ in Eureka. Über die Figur der Dr. Vanessa Calder, verkörpert von Lindsay Wagner, hängt sogar noch die Serie „Alphas“ mit im selben Kosmos.
Anerkennung gab es auch von den Jurys. 2007 holte „Eureka“ eine Emmy-Nominierung für die besten Spezialeffekte, unterlag dort allerdings „Battlestar Galactica“, und gewann im selben Jahr den Leo Award für visuelle Effekte. 2010 zeichnete die Independent Investigations Group das Autorenteam dafür aus, wissenschaftliches und kritisches Denken zu fördern.
Reboot, Spin-off, Wiedersehen
Das Ende kam 2012, und es lag nicht am Publikum. Nachdem Comcast die Mehrheit an NBCUniversal übernommen hatte, rechnete Syfy strenger, und die teure Produktion passte nicht mehr in die neuen Margen. Executive Producer Amy Berg brachte es öffentlich auf den Punkt. „Wir sind in jeder Hinsicht das Lieblingskind des Senders, nur nicht bei den Profitmargen. Eureka ist eine teure Serie, und die Qualität ließe sich mit den nötigen Kürzungen nicht halten.“
Der Weg dahin war holprig. Im August 2011 bestellte Syfy zunächst eine verkürzte sechste Staffel mit sechs Folgen, ruderte wenige Tage später zurück und setzte die Serie nach Staffel fünf ab. Damit die Geschichte einen runden Abschluss bekam, finanzierte der Sender kurzfristig die Zusatzfolge „Just Another Day“, die das Team binnen weniger Tage schrieb. Am Ende brachte es „Eureka“ auf fünf Staffeln und 77 reguläre Folgen, das deutsche Portal fernsehserien.de zählt sogar 78.
Ein Reboot oder ein Wiedersehen der Originalbesetzung steht bis heute nicht im Raum, und die 2022 auf Disney Junior gestartete Kinderserie namens „Eureka!“ hat mit dem Syfy-Universum nichts zu tun. Colin Ferguson dreht inzwischen vor allem für Hallmark, Mitschöpfer Paglia arbeitete als Showrunner an anderen Projekten.
So lief die deutsche Ausstrahlung
Hierzulande lief die Serie als „EUReKA - Die geheime Stadt“. ProSieben zeigte die erste Staffel ab Montag, 25. Februar 2008, im Free-TV, die Pilotfolge trug den deutschen Titel „Am Ende der Zeit“. Ganz reibungslos verlief das nicht. Wegen schwacher Quoten nahm ProSieben die fünfte Staffel im September 2012 nach fünf Folgen aus dem Programm und schob den Rest ins Nachtprogramm von Kabel eins, wo die Serie im Juni 2013 endete. Im Pay-TV lief sie zudem auf RTL Crime und dem deutschen Syfy-Ableger.
Die deutsche Fassung entstand bei der Rainer Brandt Filmproduktion in Berlin, Dialogbuch und Regie verantwortete Frank Turba. Jack Carter sprach Peter Flechtner, Allison Blake (Salli Richardson-Whitfield) lieh Sabine Mazay ihre Stimme, und Fargo bekam mit David Turba den Sohn des Regisseurs.
Wo Eureka heute streamt
Wer „Eureka“ heute wiedersehen will, braucht etwas Geduld mit dem deutschen Markt. In keinem Abo-Streamingdienst mit Flatrate ist die Serie derzeit zu finden, weder bei Netflix noch bei RTL+ oder Disney+. Bleibt der Einzelabruf zum Kaufen oder Leihen.
Bei Amazon Prime Video, im Apple-TV-Store, bei MagentaTV und Videoload gibt es alle fünf Staffeln digital, maxdome Store und Freenet meinVOD führen die Staffeln eins bis vier. Für eine Serie, die vor 20 Jahren ein ganzes Programm mitprägte, ist das ein überschaubarer Auftritt. Sehenswert bleibt der Ausflug in die geheime Stadt trotzdem.