Disney+ plant offenbar komplett kostenlose Version des Streaming-Diensts

Disney denkt laut einem Bericht über eine werbefinanzierte Gratis-Version von Disney+ nach. Wir ordnen ein, was hinter den Plänen steckt und was das für Deutschland bedeuten könnte.

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Sieben Jahre nach dem Start von Disney+ denkt der Konzern offenbar über das Gegenteil seines bisherigen Geschäftsmodells nach. Ein Bericht von Business Insider beschreibt Pläne für eine komplett kostenlose, werbefinanzierte Version des Streaming-Diensts. Technologie- und Produktchef Adam Smith soll die Überlegungen am Donnerstag bei einer internen Mitarbeiterversammlung angesprochen haben.

Angriff auf YouTube und Co

Der Auslöser ist klar benannt. Immer mehr Zuschauer wandern zu kostenlosen Plattformen ab, allen voran YouTube. Die Google-Tochter beansprucht mittlerweile den größten Anteil am gesamten Streaming-Traffic weltweit, noch vor Netflix mit seinen rund 282 Millionen Abonnenten.

Gleichzeitig wachsen sogenannte FAST-Sender rasant, kostenlose Kanäle mit Werbung statt Abo. Anbieter wie Tubi und Pluto TV haben sich damit bereits ein großes Publikum erschlossen, und Disney will diesem Trend offenbar nicht länger tatenlos zusehen.

Kuratierte Auswahl statt volles Programm

Wer jetzt auf einen kostenlosen Vollzugriff auf den kompletten Disney-Katalog hofft, dürfte allerdings enttäuscht werden. Laut Bericht soll die Gratis-Version nur eine kuratierte Auswahl bieten, vor allem ältere Serien und Filme sowie einzelne Live-Inhalte. Im Gegenzug müssen Nutzer mit regelmäßigen Werbeunterbrechungen rechnen.

Das Modell soll vor allem als Einstiegshilfe funktionieren und Zuschauer langfristig in ein kostenpflichtiges Abo locken. Zum Vergleich liegt das aktuelle Disney+ und Hulu Bundle in den USA derzeit bei 12,99 US-Dollar im Monat mit Werbung oder 19,99 US-Dollar ohne.

Nebenbei bastelt Disney offenbar auch an eigenen Kurzformaten und Podcasts, ein Vorstoß in Richtung der bei jüngerem Publikum beliebten Kurzvideos. Auch Netflix kündigte für den Spätsommer kurze Videos zwischen drei und 20 Minuten an, unter anderem von BuzzFeed Studios und Condé Nast.

Was das für Deutschland bedeuten könnte

Konkrete Pläne für den deutschen Markt gibt es bislang nicht, mögliche Auswirkungen liegen aber auf der Hand. Ein werbefinanziertes Gratis-Modell wäre eine willkommene Ausweichmöglichkeit nach den jüngsten Preiserhöhungen bei etlichen Streaming-Diensten hierzulande.

Zudem würde der Vorstoß den Wettbewerb mit heimischen Anbietern wie Joyn und RTL+ verschärfen, was langfristig zu besseren Angeboten führen könnte. Auch der Trend zu internetfähigen Smart-TVs käme Disney entgegen, ein werbefinanziertes Angebot lässt sich dort ohne zusätzliche Hardware direkt einbinden.

Wann kommt die Gratis-Version?

Zum Zeitplan hält sich Disney bedeckt. Adam Smith machte laut Bericht weder Angaben zum Starttermin noch zum genauen Umfang des Angebots. Ein offizielles Statement des Konzerns gibt es bislang nicht.

Sollte sich Disney tatsächlich für diesen Schritt entscheiden, wäre es ein bemerkenswerter Kurswechsel, schließlich hat der Konzern sein Streaming-Geschäft bislang konsequent auf zahlende Abonnenten ausgerichtet. Über 135 Millionen Menschen weltweit nutzen Disney+ bereits, eine kostenlose Einstiegsstufe könnte diese Zahl noch einmal spürbar nach oben treiben.