15 Jahre Awkward - Mein sogenanntes Leben: MTVs Highschool-Hit gegen den Reality-Trend

15 Jahre „Awkward - Mein sogenanntes Leben“, wie Lauren Iungerichs Highschool-Comedy MTV gegen den Reality-Trend behauptete, was aus der Serie wurde und wo sie in Deutschland läuft.

· 4 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Wie Awkward. entstand
  2. Kritikerlob und ordentliche Quoten
  3. Das Vermächtnis von Awkward.
  4. Serienende, Reunion und Reboot-Fragen
  5. Awkward. in Deutschland

Heute vor 15 Jahren ging „Awkward.“ zum ersten Mal auf Sendung, mitten in einer Zeit, in der MTV vor allem auf Partys, Fremdgehen und Reality-Dramen setzte. Der Sender feierte gerade Formate wie Jersey Shore und The Real World, gescriptete Serien spielten kaum noch eine Rolle. Ausgerechnet eine ehrliche, oft schmerzhaft genaue Highschool-Comedy über die schüchterne Außenseiterin Jenna Hamilton stellte sich diesem Trend entgegen und wurde zu einem der letzten großen Scripted-Erfolge des Senders. Herrje, wer hätte das MTV damals noch zugetraut? Zum Jubiläum blicken wir auf Entstehung, Erfolg und deutsche Ausstrahlung von „Awkward - Mein sogenanntes Leben“ zurück.

Wie Awkward. entstand

Crazy Cat Lady Productions entwickelte die Serie gemeinsam mit MTV Production Development. Erfinderin und Showrunnerin war Lauren Iungerich, deren erste Folge am Dienstag, 19. Juli 2011, auf MTV lief. Nach der dritten Staffel gab Iungerich die Showrunner-Position im Juni 2013 ab, für Staffel vier und fünf übernahmen Chris Alberghini und Mike Chessler. MTV war zu diesem Zeitpunkt stark auf Reality-Formate ausgerichtet, „Awkward.“ zählte neben Teen Wolf zu den wenigen Versuchen des Senders, wieder gescriptetes Teen-Drama zu etablieren, und das gegen eine wachsende Konkurrenz im Netz.

Lauren Iungerich beschrieb den Kern ihrer Serie später gegenüber Collider so, „eines der zentralen Themen dieser Serie ist, dass man die Dinge, die einem passieren, nicht kontrollieren kann, aber sehr wohl, wie man sich dabei fühlt“. Genau dieser Blickwinkel machte aus einer simplen Highschool-Prämisse mehr als nur eine weitere Teenie-Komödie.

Kritikerlob und ordentliche Quoten

Die Kritik reagierte auf die erste Staffel sehr wohlwollend, gelobt wurden vor allem der Realismus, das Drehbuch und die Hauptfigur. 2011 tauchte „Awkward.“ auf den Jahres-Top-10-Listen der New York Times, des Daily Beast und der Huffington Post auf.

Die Zuschauerzahlen gaben der Kritik recht, zur Premiere schalteten 1,72 Millionen Zuschauer ein. In der Zielgruppe zwischen 12 und 34 Jahren erzielte die Serie ein starkes Rating von 2,0, ein Plus von 21 Prozent gegenüber der Vorwoche. Auch Staffel vier hielt sich gut, inklusive einer Woche Aufzeichnung kamen im Schnitt 1,9 Millionen Zuschauer pro Woche zusammen, und am Ende standen sowohl ein Teen Choice Award als auch ein People's Choice Award zu Buche.

Ashley Rickards, die die Hauptfigur Jenna Hamilton spielte, beschrieb ihre Rolle gegenüber Collider so, „Jenna ist klug, sarkastisch, ein bisschen schlagfertig und sehr feinfühlig. Sie will nicht beliebt sein, sie will nur herausfinden, wo sie hingehört“. Genau diese Mischung aus Verletzlichkeit und Trotz machte die Figur bei Kritik und Publikum gleichermaßen beliebt.

Das Vermächtnis von Awkward.

Die Serie bewies, dass MTV auch jenseits von Reality-TV komplexe, emotionale Highschool-Stoffe erzählen konnte. Damit zählt „Awkward.“ zu den letzten großen Scripted-Erfolgen des Senders, bevor die linearen Quoten insgesamt einbrachen. Iungerichs Handschrift, der ehrliche, oft schmerzhafte Blick auf Außenseiter, prägte Jahre später ihre Netflix-Serien On My Block und Boo, Bitch.

Ein kleines Detail aus der Produktion zeigt zudem, wie eigenständig die Serie ihre Figuren entwickelte. Molly Tarlov, die die schlagfertige Sadie spielte, erinnerte sich gegenüber Popgurls an die Entstehung einer ihrer bekanntesten Zeilen, „Lauren sagte, ja, aber dein Vater hat das Planetarium gebaut, und ich sagte, bitte schön. Genau so ist sie entstanden“. Wer On My Block oder Boo, Bitch mochte, hat Iungerichs Handschrift damit eigentlich schon vorher kennengelernt, nur eben ohne es zu wissen.

Serienende, Reunion und Reboot-Fragen

Nach fünf Staffeln und 89 Episoden endete „Awkward.“ am Dienstag, 24. Mai 2016. Ein Reboot, Spin-off oder eine Fortsetzung wurden bislang nie bestätigt. Der Cast zeigte sich mehrfach offen für eine Rückkehr, zu neuen Episoden kam es trotzdem nicht. Zum zehnjährigen Jubiläum 2021 traf sich Entertainment Weekly im Format Quick Binge immerhin mit Ashley Rickards und Beau Mirchoff zu einer kurzen Video-Reunion. Mehr als der Wunsch der Fans und offene Türen bei den Darstellern steckt bislang aber nicht dahinter, aus der Reunion wurde bis heute kein Reboot.

Awkward. in Deutschland

Hierzulande läuft die Serie unter dem Titel „Awkward - Mein sogenanntes Leben“. Die deutsche Free-TV-Premiere fand am Samstag, 12. November 2011, bei VIVA Germany statt, das ist das gesicherte Haupt-Premierendatum. Fan-Wikis nennen zusätzlich eine frühere Pay-TV-Ausstrahlung bei MTV Germany im September 2011, hart belegt ist dieses Datum allerdings nicht. Für die deutsche Synchronisation zeichnete SDI Media Germany in Berlin verantwortlich, das Dialogbuch schrieb Änne Tröster, Dialogregie führte Gundi Eberhard.

Wer die Serie heute schauen will, findet sie im Abo bei MagentaTV oder kostenlos werbefinanziert bei Pluto TV, wo sie zeitweise sogar als eigener 24/7-Kanal lief. Zum Kaufen oder Leihen steht „Awkward.“ zudem bei Apple TV und Amazon bereit, 15 Jahre nach dem Start immer noch ziemlich unverwüstlich.