10 Jahre Vice Principals: Danny McBrides bitterböse HBO-Schulkomödie

Zehn Jahre „Vice Principals“, wie Danny McBrides bösartige HBO-Schulkomödie entstand, warum sie polarisierte und wie Walton Goggins zum Comedy-Star wurde.

· 5 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Zwei Rivalen um den Chefsessel
  2. Vom Erfolg mit Eastbound & Down zur festgelegten Miniserie
  3. Kritiker zerrissen sich, das Publikum blieb vorsichtig
  4. Wie Vice Principals Walton Goggins zum Comedy-Star machte
  5. Kein Comeback, aber eine spirituelle Wiedervereinigung
  6. Wie Vice Principals nach Deutschland kam

Am Sonntag, 17. Juli 2016, schickte HBO zwei der unangenehmsten Stellvertreter der Fernsehgeschichte ins Rennen um einen Schulleiterposten. „Vice Principals“ war von Beginn an als 18-teilige Miniserie angelegt und wurde zum bösartigsten Werk in Danny McBrides Karriere. Zehn Jahre später ist die Serie noch immer ein Lehrstück dafür, wie unbequem Comedy sein darf, ohne dass sie ihren Biss verliert.

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Zwei Rivalen um den Chefsessel

Danny McBride spielt den verklemmten Vizeschulleiter Neal Gamby, Walton Goggins dessen aalglatten Intimfeind Lee Russell. Beide sind an einer texanischen Highschool stellvertretende Rektoren und wollen denselben Job, die Leitung der gesamten Schule. Statt zu kooperieren, sabotieren sie sich mit wachsender Boshaftigkeit, bis aus Bürokratengezänk offene Kriegsführung wird.

Der Kritiker Nick Harley beschrieb das Duo bei „Den of Geek“ so, „Vice Principals versucht, die übliche Formel aufzubrechen, indem McBrides quengeliger Vize Neal Gamby auf einen ebenso unausstehlichen Widersacher trifft, Walton Goggins' Lee Russell“. Genau diese Konstellation, zwei fast gleich unausstehliche Rivalen statt eines klaren Bösewichts, unterscheidet die Serie bis heute von klassischen Schulserien.

Vom Erfolg mit Eastbound & Down zur festgelegten Miniserie

HBO bestellte das Projekt bereits im Mai 2014, und zwar mit einer ungewöhnlichen Ansage. Die Serie sollte von vornherein nach exakt 18 Episoden enden, aufgeteilt auf zwei Staffeln. Für Danny McBride und seinen Regiepartner Jody Hill war es das direkte Nachfolgeprojekt ihres Erfolgs „Eastbound & Down“ und festigte den Ruf ihrer Produktionsfirma Rough House Pictures als verlässlichen Comedy-Lieferanten für den Sender.

McBride selbst sah darin eine Fortsetzung seines Figurenkosmos, nicht einen kompletten Neuanfang. Gegenüber Paste Magazine erklärte er, „viele der Serien, mit denen ich zu tun hatte, Eastbound oder Vice Principals, passen genau zu der Art Figuren, die wir immer wieder erforschen, Charaktere mit einem aufgeblähten Selbstbild“. Genau dieses Muster, kleine Männer mit großem Ego in noch größerer Krise, sollte zum roten Faden seines gesamten HBO-Schaffens werden.

Kritiker zerrissen sich, das Publikum blieb vorsichtig

Die Reaktionen fielen ungewöhnlich gespalten aus, weil viele den Humor als unbequem und zynisch empfanden. Der Kritiker Daniel D'Addario nannte die Serie bei „TIME“ eine „brillante, unlustige Komödie“, die weißes Ressentiment subversiv ins Zentrum stelle. Er formulierte es so, „die Serie platziert weißes Ressentiment subversiv in ihrem Zentrum und fordert uns heraus, nicht wegzusehen, auch wenn etwas in uns sagt, dass Brandstiftung, Gewalt und offener Rassismus keine leichte Komödie sein sollten“.

Collider urteilte zum Serienstart differenzierter, die reine Bösartigkeit der Figuren könnte auf Dauer ermüden, hieß es dort, gelobt wurde jedoch die Choreografie der Zerstörungswut. Am Ende war es vor allem die Chemie zwischen Danny McBride und Walton Goggins, die viele Kritiker als rettenden Anker der Serie nannten.

Beim Quotenerfolg blieb die Serie zurückhaltend, in Staffel 2 sahen im Schnitt rund 698.000 Zuschauer pro Folge zu, ein Rückgang von etwa 11 Prozent gegenüber der ersten Staffel. Trotzdem würdigte die Branche die Arbeit dahinter, 2018 holte sich die Serie eine Emmy-Nominierung für den Tonschnitt, und Goggins wurde bei den Critics' Choice Television Awards als bester Nebendarsteller in einer Comedy nominiert. Für eine Serie, die so bewusst auf Konfrontation setzte, war das eine erstaunlich versöhnliche Bilanz.

Wie Vice Principals Walton Goggins zum Comedy-Star machte

Vor „Vice Principals“ kannte man Walton Goggins vor allem aus ernsten Rollen, etwa in „The Shield“ und „Justified“. Die Serie gab ihm den Raum, sein komödiantisches Talent zu zeigen, und er nutzte ihn so überzeugend, dass er zum festen Bestandteil von McBrides späteren Produktionen wurde. Im Interview Magazine beschrieb Goggins seinen Zugang zur Figur so, „es war mühelos in dem Sinn, dass ich genau verstehe, wer diese Person ist, ich zermartere mir nicht den Kopf darüber, ob er so redet oder sich so bewegt“. Diese Leichtigkeit ebnete ihm später auch den Weg zu Blockbuster-Rollen wie in „Fallout“.

Inhaltlich markiert „Vice Principals“ zudem das Mittelstück einer inoffiziellen HBO-Trilogie zwischen „Eastbound & Down“ und „The Righteous Gemstones“. Mit ihr verfeinerte McBride sein Signaturthema, die Dekonstruktion von toxischer Männlichkeit, Narzissmus und Kleinstadt-Machtfantasien. Kein Wunder, dass sich die Serie als Paradebeispiel dafür etabliert hat, wie vorteilhaft es ist, eine Comedy von vornherein als abgeschlossene Erzählung zu planen, statt sie künstlich in die Länge zu ziehen.

Kein Comeback, aber eine spirituelle Wiedervereinigung

Einen Reboot oder eine Fortsetzung gibt es bis heute nicht, die Serie endete wie angekündigt nach 18 Folgen. Statt eines echten Revivals kreierte McBride im Anschluss „The Righteous Gemstones“, das seit 2019 bei HBO läuft und zentrale Ensemblemitglieder von „Vice Principals“ zurückholte. Allen voran Walton Goggins als Baby Billy Freeman und Edi Patterson, beide seither feste Größen im McBride-Kosmos. Diese Konstellation gilt bei Rough House Pictures inzwischen fast als offizieller Status, die Produktionsfirma bezeichnet ihr wiederkehrendes Ensemble selbst als eng verbundene Arbeitsfamilie, die das aktuelle HBO-Programm prägt.

Wie Vice Principals nach Deutschland kam

Deutsche Zuschauer mussten sich knapp vier Monate gedulden, am Freitag, 4. November 2016, startete „Vice Principals“ beim Bezahlsender Sky 1. Der Originaltitel blieb dabei unangetastet, die Synchronfassung entstand bei der Studio Hamburg Synchron GmbH, Dialogbuch und Dialogregie verantwortete Engelbert von Nordhausen.

Wer die Serie heute nachholen will, findet sie in Deutschland im Flatrate-Paket bei Prime Video HBO Max, zusätzlich lassen sich beide Staffeln bei Anbietern wie Amazon Amazon Prime Video einzeln kaufen oder bei MagentaTV Apple TV auch streamen.

Zehn Jahre nach dem Start bleibt „Vice Principals“ vor allem eines, der Beweis, dass eine von Anfang an begrenzte Erzählung oft besser altert als eine künstlich verlängerte.