10 Jahre The Jim Gaffigan Show: Die Sitcom, die sich selbst beendete
Am 21. August 2016 endete „The Jim Gaffigan Show“ nach zwei Staffeln bei TV Land. Warum das keine Absetzung war und wo die Sitcom heute läuft.
Heute vor zehn Jahren verabschiedete sich „The Jim Gaffigan Show“ vom US-Sender TV Land, eine semi-autobiografische Sitcom über den Stand-up-Comedian Jim Gaffigan, seine Frau Jeannie und fünf Kinder in einer New Yorker Zweizimmerwohnung. Am Sonntag, 21. August 2016, lief die 23. und letzte Episode.
Abgesetzt hat diese Serie niemand, denn die Macher zogen selbst den Stecker, mit einer Begründung, die man aus Hollywood selten so unverblümt hört.
Wie alles begann, mit zwei Absagen von CBS
Bis zur ersten Klappe wanderte das Projekt von Sender zu Sender. NBC lehnte früh ab. CBS unternahm gleich zwei Anläufe, bestellte im Januar 2013 einen Piloten mit Mira Sorvino als Ehefrau und entschied sich im Mai 2013 gegen eine Serienbestellung. Nach einer Neubesetzung mehrerer Nebenrollen folgte im Mai 2014 die zweite Absage.
Danach bot Sony Pictures Television das Format anderen Sendern an, im Juli 2014 griff TV Land zu.
Wir lieben Jim Gaffigans Art von Humor. In der Sekunde, in der wir diese Serie gesehen haben, wussten wir, dass wir sie bei TV Land haben wollen.
Larry W. Jones, damals Präsident des Senders
TV Land gewährte den Schöpfern volle kreative Kontrolle. Jim und Jeannie Gaffigan schrieben gemeinsam und verantworteten die Serie als Executive Producer, die erste Staffel führte Jeff Lowell als Showrunner, in Staffel 2 übernahm Jeannie Gaffigan diesen Posten selbst.
Der Sender steckte im Jahre 2015 mitten im Umbau, weg von Multi-Camera-Sitcoms wie „Hot in Cleveland“ und „The Exes“, hin zu Single-Camera-Comedy für die Generation X. Am Mittwoch, 15. Juli 2015 startete die Sitcom im Doppelpack mit der deutlich düstereren Eigenproduktion „Impastor“.
Warum die Serie einschlug
Die Kritik reagierte überwiegend wohlwollend auf die neue Serie. Diane Werts nannte die Sitcom in der Newsday „den Comedy-Hit, den man diesen Sommer gesehen haben muss“ und schob nach, sie könne sich nicht erinnern, jemals so durchgehend laut über eine Sitcom gelacht zu haben. Neil Genzlinger fand sie in der New York Times „ziemlich witzig“, Keith Uhlich im Hollywood Reporter immerhin „angenehm, wenn auch nicht besonders interessant“. Ray Rahman vergab in Entertainment Weekly ein B minus und nannte das Ergebnis ein „weniger nahrhaftes Louie“.
Die Premiere am Mittwoch, 15. Juli 2015, kam auf 1,581 Millionen Zuschauer, allerdings inklusive eines Simulcasts auf Nick at Nite. Ohne diesen Rückenwind sah die Lage nüchterner aus. Staffel 1 erreichte auf TV Land im Schnitt 600.000 Zuschauer bei einem Rating von 0,15 in der Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen, Staffel 2 nur noch 443.000 bei 0,11.
Jeannie Gaffigan erhielt im März 2016 den Christopher Award für das Drehbuch der Episode „My Friend the Priest“ aus der ersten Staffel.
Das Vermächtnis, gedreht an echten New Yorker Schauplätzen
Das Team drehte dort, wo die New Yorker Comedy-Szene tatsächlich stattfindet, unter anderem im Katz's Delicatessen und im Gotham Comedy Club. In dessen Fluren liefen echte Stand-up-Kollegen durchs Bild. Das gab der Sitcom einen fast dokumentarischen Zug, der sie von den glatt ausgeleuchteten Studio-Comedys jener Jahre klar abhob.
Die Serie zeigte den Alltag einer katholischen Familie mit fünf Kindern auf engem Raum, ohne den Glauben weichzuspülen und ohne ihn für Kulturkämpfe zu instrumentalisieren. Die Fordham University ehrte diese Arbeit mit dem Eloquentia Perfecta Award.
Wir zeigen, wie es wirklich ist, katholisch zu sein und in der heutigen Gesellschaft zu leben. Wir wollten keinen Katholizismus abbilden, der versteckt oder fürs Publikum verwässert wird. Was man sieht, ist, was man bekommt.
Jeannie Gaffigan Serienschöpferin und Showrunnerin
Für Jim Gaffigan selbst festigte die Serie einen Ruf, den er sich auf der Bühne erarbeitet hatte, den des „clean comic“, also des Komikers, der ohne Vulgarität und ohne Provokation ein sehr breites Publikum erreicht. In einer Fernsehlandschaft, die 2016 vor allem auf Konfrontation setzte, war das quasi eine kleine Anomalie.
Warum Schluss war, ganz ohne Absetzung
Sinkende Quoten sind im US-Fernsehen das übliche Todesurteil, und die 443.000 Zuschauer der zweiten Staffel hätten dafür gereicht. Hier lief es anders, denn TV Land und Verantwortlichen bei der Produktion einigten sich im August 2016 einvernehmlich auf ein Ende, und in einem Statement erklärte Gaffigan diesen Schritt mit ungewöhnlicher Offenheit.
Nach monatelangen Gesprächen haben Jeannie und ich entschieden, dass Staffel 2 der Jim Gaffigan Show die letzte sein wird. Der Zeitaufwand für die Qualität, die wir wollten, hat uns von unserem wichtigsten Projekt ferngehalten, unseren fünf Kindern.
Jim Gaffigan
Der Sender verabschiedete sich freundlich. „Wir sind wirklich stolz auf die Jim Gaffigan Show und auf die großartige Comedy, die Jim, Jeannie, der Cast, das kreative Team und JAX Media für uns gemacht haben.“, hieß es in der offiziellen Erklärung von TV Land. Kabelkomödien jener Jahre verschwanden meist leiser und unfreiwilliger, etwa die VH1-Comedy Barely Famous, die im selben Jahr auslief.
Zehn Jahre nach dem Finale bleibt vor allem diese Pointe. Eine Serie über das Chaos des Familienlebens endete, weil ihren Machern das Familienleben wichtiger war als eine dritte Staffel.