Streaming-Business: Die wichtigsten Meldungen der Woche (KW 25)
Netflix bindet TF1 in Frankreich ein, Ryan Coogler geht zu Netflix, The Boroughs wird abgesetzt und Jurassic World 3 ist der teuerste Film aller Zeiten.
Inhaltsverzeichnis
- Netflix und TF1 verschmelzen in Frankreich
- Ryan Coogler wechselt von Disney zu Netflix
- Quinta Brunson geht zu Disneys 20th Television
- Netflix setzt The Boroughs nach drei Wochen ab
- BBC streicht 550 Stellen
- UFC zieht auf Paramount+ Millionen
- Fox baut sein Creator-Studio aus
- Fox schließt Upfront-Verkauf mit Schub durch Sport
- Jurassic World 3 ist der teuerste Film aller Zeiten
- Studio-Personalien bei Amazon MGM und TelevisaUnivision
Diese Woche war eine Woche der großen Weichenstellungen. Netflix reißt in Frankreich eine Mauer zwischen Streaming und klassischem Fernsehen ein, gleich zwei prominente Kreative wechseln das Lager und ein altbekanntes Saurier-Sequel entpuppt sich nachträglich als teuerster Film der Geschichte. Wir haben die zehn wichtigsten Business-Meldungen der KW 25 für Euch sortiert.
Netflix und TF1 verschmelzen in Frankreich
Ein Jahr nach der Ankündigung wird es ernst. Ab Donnerstag, 19. Juni, bekommen Netflix-Abonnenten in Frankreich die Inhalte des größten kommerziellen Senders TF1 direkt in der App, ohne Aufpreis. Fünf Live-Kanäle wandern ins Abo, dazu die komplette Mediathek TF1+, Daily Soaps wie „Demain nous appartient“, große Show-Marken wie „Koh-Lanta“ und „Star Academy“ sowie Live-Sport, darunter Spiele der französischen Nationalmannschaft.
Das Besondere daran liegt im Modell. Netflix lizenziert nicht einzelne Titel, sondern wird zum Tor für den gesamten TF1+-Dienst. TF1 behält Programm, Werbevermarktung und Rechte, Netflix liefert Distribution und seinen Empfehlungsalgorithmus. Co-CEO Greg Peters und TF1-Chef Rodolphe Belmer feiern den Pakt als Blaupause. Wir sehen das nüchterner. Wenn der größte Streamer der Welt anfängt, lineares TV einzusammeln, ist das ein Eingeständnis, dass selbst Netflix die Zuschauer nicht mehr allein an sich binden kann. Ein Testlauf für ganz Europa, an dem die Branche genau hinschaut.
Ryan Coogler wechselt von Disney zu Netflix
Der Mann der Stunde geht zu Netflix. Ryan Coogler, frisch gekrönter Oscar-Preisträger für das Drehbuch zu „Sinners“, verlegt seine Produktionsfirma Proximity Media mit ihrem TV-Output von Disney zu Netflix. Sein bisheriger Deal bei Disney lief Anfang des Jahres aus.
Proximity steht für Stoffe wie die Disney+-Serie „Ironheart“ und „Eyes of Wakanda“, in der Pipeline liegen unter anderem ein Reboot von „Akte X“ und eine Verfilmung von „Southern Bastards“. Für Netflix ist das ein dicker Fang im Ringen um die großen Namen Hollywoods, schließlich war Cooglers „Sinners“ mit über 365 Millionen US-Dollar der erfolgreichste Originalfilm des Jahres 2025. Disney verliert damit eine seiner spannendsten Kreativ-Schmieden.
Quinta Brunson geht zu Disneys 20th Television
Apropos Wechselspiel. Quinta Brunson, Erfinderin und Star von „Abbott Elementary“, beendet ihren Overall-Deal bei Warner Bros. Television und unterschreibt bei Disneys 20th Television. Ihre Firma Fifth Chance Productions entwickelt künftig für die Disney-Plattformen.
Kurios ist das nur halb. „Abbott Elementary“ entsteht ohnehin als Koproduktion von Warner Bros. und 20th, und an der Comedy arbeitet Brunson weiter, die sechste Staffel startet im Herbst. Mit vier Emmys und drei Golden Globes im Rücken ist sie ein Schwergewicht, das jedes Studio gern hätte. Disney hat den Zuschlag bekommen.
Netflix setzt The Boroughs nach drei Wochen ab
Geena Davis ist enttäuscht, und wir verstehen sie. Netflix hat die Mystery-Serie „The Boroughs“ keinen Monat nach dem Start gecancelt, obwohl die Zahlen stimmten. In der ersten vollen Woche stand die Serie mit 9,5 Millionen Abrufen auf Platz 1 der englischsprachigen Charts, die Kritiker liebten sie, auf Rotten Tomatoes stehen 97 Prozent.
Woran es lag? Zum einen am Geld. Rund 10 Millionen US-Dollar pro Episode waren Netflix offenbar zu viel gemessen am Erfolg. Zum anderen sollen die Duffer-Brüder, Macher von „Stranger Things“ und Produzenten der Serie, mit ihrem Wechsel zu Paramount hochrangige Netflix-Manager verärgert haben. Der Fall befeuert eine alte Debatte. Netflix gibt neuen Serien immer weniger Zeit, selbst ein Achtungserfolg reicht nicht mehr für eine zweite Staffel.
BBC streicht 550 Stellen
In Großbritannien zieht die BBC den Sparstift. 550 Stellen fallen in den Bereichen News, Nations und Content weg, geplant sind Einsparungen von 500 Millionen Pfund über drei Jahre. Auch das Programmbudget sinkt, rund 100 bis 150 Stunden Eigenproduktionen pro Jahr werden gestrichen.
Der Sender steckt mitten im Umbau hin zum Streaming-Angebot BBC iPlayer und muss zugleich seinen Sendebetrieb finanzieren. Ein Spagat, den derzeit fast alle öffentlich-rechtlichen Anbieter Europas kennen.
UFC zieht auf Paramount+ Millionen
Sport bleibt das Zugpferd im Streaming. Die UFC-Kampfabende Freedom 250 und die spektakulär inszenierte Card auf dem Rasen des Weißen Hauses kamen in den USA und Lateinamerika auf durchschnittlich 8,2 Millionen Zuschauer. In der Spitze schalteten 17 Millionen Menschen mindestens kurz ein, laut Paramount das beste Ergebnis für ein exklusives Live-Event in der Geschichte von Paramount+.
Die Zahlen untermauern, warum sich Paramount den teuren UFC-Deal geleistet hat. Live-Sport ist eines der wenigen Argumente, mit denen ein kleinerer Streamer gegen Netflix und Disney+ bestehen kann.
Fox baut sein Creator-Studio aus
Fox setzt weiter auf YouTube- und TikTok-Stars. Die Sparte Fox Creator Studios holt sieben neue Creator an Bord, darunter den kanadischen Influencer Josh Richards und die Renn-Influencerin Emelia Hartford. Zusammen bringen die Neuzugänge rund 65 Millionen Follower mit.
Das Modell ist ungewöhnlich. Fox finanziert die Produktionen, sichert sich Anteile am geistigen Eigentum, mischt sich aber kreativ kaum ein. Sparten-Chef Billy Parks bringt es auf den Punkt, man gebe keine Notizen. So folgt Fox dem Publikum dorthin, wo es das lineare Fernsehen längst verlassen hat.
Fox schließt Upfront-Verkauf mit Schub durch Sport
Passend dazu meldet Fox einen starken Abschluss seiner Upfront-Werbeverkäufe. Den Ausschlag gaben Sport und Streaming. Die kostenlose Plattform Tubi legte beim Volumen zweistellig zu, Fox Sports erzielte ein Rekordvolumen, und auch bei den Preisen ging es nach oben.
Dazu passt der große Coup der Woche, Fox übernimmt Roku für 22 Milliarden US-Dollar, um im Streaming-Werbemarkt mehr Gewicht auf die Waage zu bringen. Während andere unter dem Schwund des linearen TV leiden, baut Fox sein nicht-lineares Geschäft konsequent aus.
Jurassic World 3 ist der teuerste Film aller Zeiten
Herrje, was so ein Saurier kostet. Ein neuer Finanzbericht weist „Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter“ mit einem Budget von 658,8 Millionen US-Dollar als teuersten Film der Geschichte aus, vier Jahre nach dem Kinostart. Damit überholt der Dino-Blockbuster den bisherigen Spitzenreiter „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ um rund 20 Millionen.
Der Grund für die späte Enthüllung liegt in britischen Förderregeln, die detaillierte Finanzberichte verlangen. Den Ausschlag gaben die Dreharbeiten mitten in der Corona-Pandemie, als Cast und Crew monatelang in teuren Hotels in Quarantäne saßen. An der Kinokasse spielte der Film über eine Milliarde Dollar ein, die Rechnung ging am Ende also auf. Die Zahl zeigt trotzdem, in welche Dimensionen die Produktionskosten der großen Studios geklettert sind.
Studio-Personalien bei Amazon MGM und TelevisaUnivision
Zum Schluss zwei Personalien aus der zweiten Reihe, die der Talentkampf der Branche illustriert. Amazon MGM Studios beruft Randi Chugerman zur Head of Series Casting. Die langjährige Sony-Casting-Chefin gilt als Entdeckerin von Gabriel Basso, dem Hauptdarsteller von „The Night Agent“.
TelevisaUnivision wiederum holt den Media-Buying-Veteranen Mike Law als Executive Vice President für Brand Partnerships. Der spanischsprachige Sender will so mehr Werbekunden gewinnen. Zwei Wechsel, die zeigen, dass im Kampf um Reichweite und Werbegelder gerade auch die erfahrenen Strippenzieher hinter den Kulissen gefragt sind.
So viel Bewegung in einer einzigen Woche fasst die Lage der Branche gut zusammen. Die Grenzen zwischen Streaming, Free-TV, Sport und Social Media verschwimmen, und alle großen Player suchen noch ihren Platz in diesem neuen Gefüge.