Review: Deadpool-Star als Sheriff: „Sheriff Country“ kämpft sich durch - warum das Fire-Country-Spin-off erst spät zündet
Sheriff Country Staffel 1 bei Universal TV im Test. Morena Baccarin als Sheriff Mickey Fox, 20 Episoden zwischen Drogenbande und Familienchaos, 3,5 von 5 Sternen.
Bei Spin-offs habe ich mir angewöhnt, die erste Episode als Werbeblock der Mutterserie zu verstehen und auch so zu behandeln. „Sheriff Country“ bestätigt meine Intuition zunächst und widerlegt ihn dann gnadenlos.
Willkommen beim Sheriff Country Review
„Sheriff Country“, der Ableger von „Fire Country“, schickt einen weiblichen Sheriff, ich weigere mich das Wort „Sheriffin“ in den Mund zu nehmen, durch dasselbe nordkalifornische Kaff, in der die Mutterserie ihre Feuer löscht. Wer „Sheriff Country“ entdeckt braucht rund acht Episoden, bis die Serie einen eigenen Puls entwickelt.
Mit Klick auf "Abspielen" werden Daten an YouTube übertragenEin Sheriff und ein Vater mit Vorstrafen
Mickey Fox (Morena Baccarin) hält in Edgewater die Ordnung aufrecht, in jenem Ort also, den Fans der Mutterserie längst kennen. Sie ist die Stiefschwester von Cal-Fire-Bezirksleiterin Sharon Leone (Diane Farr) und tauchte bereits in den Staffeln 2 und 3 von Fire Country auf. Ihre eigene Serie stellt sie vor ein doppeltes Problem. Die Kriminalität in der Region zieht an, weil Gangster die Gegend für ihre Drogengeschäfte entdeckt haben, und damit auch Mickeys Wiederwahl als Sheriff wackelt.
Ihr Vater Wes (W. Earl Brown) beschädigt ihren Ruf allein dadurch, dass er mit seiner kriminellen Vergangenheit im selben Ort lebt. Im Dienst stehen ihr Stellvertreter Boone (Matt Lauria) und Deputy Cassidy Campbell (Michele Weaver) zur Seite, privat mischt ihr Ex-Mann Travis (Christopher Gorham) mit, der als Anwalt regelmäßig auf der Gegenseite eines Falls landet.
Entwickelt haben die Serie Tony Phelan, Joan Rater und Max Thieriot, also dasselbe Trio wie bei Fire Country. Vorkenntnisse braucht Ihr trotzdem keine, die Staffel erklärt ihre Verhältnisse in den ersten zwanzig Minuten der Auftaktfolge.
Morena Baccarin hält den Laden zusammen
Seit der Ankündigung des Deutschlandstarts hatte ich vor allem eine Frage im Kopf. Kann die „Deadpool“-Darstellerin eine Network-Serie über alle Episoden allein tragen? Ja, sie kann.
Baccarin spielt Mickey nicht als unfehlbare Heldin, sondern als Frau, die im Dienst souverän auftritt und zu Hause improvisiert. Am besten wird das immer dann, wenn beide Rollen aufeinandertreffen, also bei fast jeder Begegnung mit ihrem Vater. W. Earl Brown gibt diesem Wes so viel Charme, dass ich sofort verstehe, warum sie den Mann nicht einfach abschreibt. Diese beiden Figuren zusammen sind der eigentliche Grund, warum ich drangeblieben bin.
Den eigenen Ton findet die Staffel im Zweiteiler „Crucible“. CBS trennte die beiden Hälften ausgerechnet durch die Winterpause, Teil 1 lief am Freitag, 19. Dezember, Teil 2 erst am Freitag, 27. Februar. Ich habe mich über diese Lücke tatsächlich geärgert, und genau das ist mehr Wirkung, als der brave Pilot je erzeugt hat. Das Finale „Mexico“ zieht die Vaterfrage dann konsequent zu Ende, statt sie für Staffel 2 warmzuhalten.
Zu oft klingt das nach Fall der Woche von der Stange
In der ersten Staffelhälfte hat die Serie ein Problem, das ich nicht wegdiskutieren kann. Die Fälle kommen, die Fälle gehen, und nach 40 Minuten ist alles geregelt.
Doch die Serie ist am stärksten, wenn sie ein greifbares Familiendrama mit Krimielementen ist, und verliere ihre Besonderheit, sobald sie sich zu sehr an eine der üblichen Jerry-Bruckheimer-Produktion anlehne. Sehen wir einmal von der genialen ersten Folge „The Last Ship“ ab. Das gehört aber nicht hierher.
Mich stört zusätzlich, wie austauschbar Edgewater aussieht. Fire Country hat aus dem Landkreis eine eigene Welt gemacht, aus Wäldern, Feuerwachen und einem Gefängnis. Die Sheriff-Variante filmt dieselbe Gegend, als wäre sie nur eine Kulisse mit Streifenwagen. Erst gegen Ende der Staffel bekommt der Ort ein eigenes Gesicht und eine eigene Geschichte, das über Kaffeeküche und Büro des Sheriffs hinausgeht.
Empfehlen würde ich „Sheriff Country“ jedem, der Krimidramen mit Familienballast mag und bereit ist, die erste Staffelhälfte als Aufwärmphase zu behandeln. Auch wenn wir hier über ein ganzes, halbes Wochenende reden.
Wer nach frischen Ideen im Genre sucht, wird sie hier nicht finden. CBS hat die Serie längst um eine zweite Staffel verlängert, die in den USA ab Anfang Oktober läuft. Ich schaue weiter, und zwar wegen Baccarin und Brown, nicht wegen Edgewater.
Seit Mittwoch, 19. August, zeigt Universal TV die erste Staffel in deutscher Erstausstrahlung, mittwochs ab 20.15 Uhr und immer zwei Episoden am Stück.