K-DRAMA

Notes from the Last Row: Choi Min-sik über den Netflix-Erfolg seines Psychothrillers

Choi Min-sik und Choi Hyun-wook im Interview über den Netflix-Psychothriller „Notes from the Last Row“, seinen Top-10-Erfolg und die deutsche Streaming-Premiere.

· 3 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Vom Zweifel zum Top-10-Hit
  2. Ein Duell zwischen Lehrer und Schüler
  3. Notes from the Last Row bei Netflix in Deutschland
  4. Zwei Schauspieler im Gespräch
  5. Die zerstörerische Macht der Worte

Vom Zweifel zum Top-10-Hit

Selbst Kino-Legende Choi Min-sik war sich nach dem Dreh nicht sicher, ob sein neuer Netflix-Psychothriller „Notes from the Last Row“ beim Publikum ankommt. Er habe sich gefragt, ob den Zuschauern die Serie überhaupt gefallen werde, erzählte er im Interview mit HanCinema.

Die Serie sei kein Format, das einen erfrischt zurücklasse, so Choi Min-sik. Sie mache einen eher unruhig und emotional beklommen, sagte er.

Seine Sorge erwies sich als unbegründet. Nach dem Start stieg „Notes from the Last Row“ direkt in die globalen Top 10 der nicht englischsprachigen Netflix-Serien ein. Die sechsteilige Miniserie erzählt vom schleichenden Absturz eines Mannes und lässt trotz des Erfolgs jede Menge offene Fragen zurück.

Ein Duell zwischen Lehrer und Schüler

Im Zentrum steht Heo Moon-oh, gespielt von Choi Min-sik, ein gescheiterter Romanautor, der vor 20 Jahren genau ein Buch veröffentlichte und heute koreanische Literatur an einer Universität unterrichtet. Weil ihn das außergewöhnliche Talent seines Studenten Lee Kang fasziniert, entwickelt Moon-oh eine zunehmende Obsession für den jungen Autor. Daraus entsteht ein zähes psychologisches Duell zwischen beiden.

Choi Hyun-wook, der mit „Weak Hero Class 1“ bekannt wurde, spielt Lee Kang. Die Paarung aus Kino-Veteran und Aufsteiger sorgte schon vor dem Start für Gesprächsstoff, und beide Schauspieler beschrieben die Leistung des jeweils anderen im Gespräch als „erstaunlich“.

Notes from the Last Row bei Netflix in Deutschland

Wer die Serie hierzulande sehen will, muss nicht lange suchen. „Notes from the Last Row“ feierte am Freitag, 26. Juni seine deutsche Streaming-Premiere bei Netflix und läuft seither dort abrufbar.

Den Serienstart bei Netflix hatten wir bereits vorab eingeordnet.

Zwei Schauspieler im Gespräch

Choi Min-sik erzählte, er habe direkt nach der ersten Drehbuchlektüre zugesagt. Im Vergleich zu vielen aktuellen Trends habe sich der Stoff erfrischend klassisch angefühlt, so der Schauspieler. Er beschrieb die Serie als „ungeschönten Blick auf blankes Fleisch, eine schonungslos ehrliche Darstellung der unbequemen Wahrheiten der menschlichen Natur“.

Seine Figur Moon-oh ringt ständig mit Neid und Frustration über den nie verwirklichten Traum, ein erfolgreicher Autor zu werden. Choi Min-sik verliert im Lauf der Handlung zunehmend die rationale Kontrolle, gebannt vom Schreibtalent seines Schülers.

Der Schauspieler nannte seine Figur „jemanden, den man eigentlich zurechtweisen möchte“, fügte aber an, dass man am Ende trotzdem Mitgefühl für ihn empfinde. Ihm seien Figuren lieber, die Mitgefühl wecken, sagte er, als makellose Superhelden.

Choi Hyun-wook treibt als Lee Kang einen Großteil der erzählerischen Spannung an, denn er erzählt die Geschichte über seine eigenen Texte. Er wollte, dass das Publikum auch nach zwei oder drei Durchläufen noch über die wahren Absichten seiner Figur rätsele, sagte Choi Hyun-wook.

Choi Min-sik empfahl Choi Hyun-wook demnach persönlich für die Rolle. Er erkannte ihn beim Casting sofort wieder und zeigte sich am Set erneut beeindruckt.

Er habe sich immer wieder gefragt, wie sein junger Kollege ihn auf diese Weise ansehen könne, erzählte Choi Min-sik. Mit der Besetzung sei er restlos zufrieden gewesen.

Choi Hyun-wook, seit seinem Debüt in einer Webserie 2019 auf stetigem Aufstieg und bekannt aus „Weak Hero Class 1“ und „D.P.“, nannte auf die Frage nach seiner größten Stärke ein einziges Wort, nämlich Mutigkeit.

Er sei nicht von Natur aus furchtlos, erklärte er, er entscheide sich einfach dafür. Die meisten seiner bisherigen Figuren seien charismatische Comic-Helden gewesen, deshalb habe er die Rolle des Lee Kang unbedingt spielen wollen, statt aus Angst auf Distanz zu bleiben.

Die zerstörerische Macht der Worte

Auf die Frage nach der Kernbotschaft der Serie antwortete Choi Min-sik ohne zu zögern, dass es um die zerstörerische Macht der Worte gehe. Er lese gerade das Buch „Passing Time“ des Schriftstellers Kim Hoon, erzählte er, und die Reflexionen des erfahrenen Autors würden ihn mit tiefer Ruhe erfüllen.

Doch Schreiben entfalte nicht immer eine positive Wirkung. Lee Kang nutze das Schreiben letztlich als Mittel der Rache für die Gewalt, die ihm durch Moon-ohs Worte angetan wurde. In einer Zeit voller Hass und verbaler Gewalt spreche die Geschichte direkt in die Gegenwart hinein, sagte Choi Min-sik.

Netflix baut sein Angebot an koreanischen Mystery-Stoffen derzeit ohnehin aus, zuletzt etwa mit der Serie The East Palace.