Lanterns bei HBO Max im Test: Endlich eine DC-Serie, die sich Zeit lässt
Meine Review zu „Lanterns“ Staffel 1 bei HBO Max. Kyle Chandler und Aaron Pierre tragen einen geerdeten Krimi, der Auftakt hakt, der Rest überzeugt.
Ich hatte ehrlich keine Lust auf noch eine Superheldenserie.
Mit Klick auf "Abspielen" werden Daten an YouTube übertragenZwei Cops und ein Mordfall im Heartland
Zwei intergalaktische Polizisten untersuchen einen Mord mitten im amerikanischen Hinterland und stoßen dabei auf etwas, das deutlich größer ist als der Fall selbst.
Kyle Chandler spielt Hal Jordan, die abgeklärte Legende des „Green Lantern Corps“, Aaron Pierre den Rekruten John Stewart. Showrunner Chris Mundy stellt die beiden in staubige Kleinstadtkulissen statt vor Weltraumschlachten, Kelly Macdonald ermittelt als örtliche Sheriff mit.
Acht Episoden hat die erste Staffel, sie läuft seit Montag, 17. August, bei HBO Max in Deutschland, der Rest kommt wöchentlich bis Anfang Oktober.
Im Autorenraum sitzen neben Mundy auch noch Damon Lindelof, der mit „Lost“ und „Watchmen“ bewiesen, dass er Genrestoffe gegen den Strich bürsten kann und Comic-Autor Tom King liefert das Material dazu.
Chandler und Pierre tragen jede einzelne Szene
Das Beste an dieser Serie sind zwei Männer, die im Auto sitzen und sich nicht leiden können. Chandler gibt Hal Jordan als ausgebrannten Veteranen, der jede Frage mit einer halben Antwort abbügelt. Pierre hält als John Stewart dagegen, höflich, stur, spürbar überfordert.
Das funktioniert, weil beide Schauspieler ihre Figuren nicht erklären, sondern einfach spielen.
Mundy erzählt das mit dem Tempo eines Krimis, nicht mit dem eines Blockbusters. Es gibt lange Dialogszenen, Verhöre, verregnete Veranden. Der Vergleich mit „True Detective“ drängt sich auf, und ausnahmsweise ist er mal keine Übertreibung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das über eine DC-Verfilmung schreiben würde.
Garret Dillahunt und Poorna Jagannathan geben dem Ermittlungsort ein Gesicht, das nach Nachbarschaft aussieht und nicht nach Kulisse, Laura Linney taucht in einer tragenden Rolle auf. Kaum jemand in dieser Serie spielt auf Effekt, und das hält die Spannung unten am Boden, wo sie hingehört.
Wer schon beim offiziellen Trailer den Eindruck hatte, hier werde mehr ermittelt als geflogen, lag völlig richtig. Auch der Auftritt von Nathan Fillion (Mr. Browncoat) als grantiger Guy Gardner bleibt eine Randnotiz statt eines Feuerwerks.
Regisseur James Hawes inszeniert die ersten beiden Episoden in erdigen Braun- und Grautönen. Wenn dann doch grünes Licht durchs Bild zuckt, wirkt es wie ein Fremdkörper, der einfach genau richtig sitzt.
Der Auftakt will zu viel auf einmal
Die erste Episode stemmt einen Berg an Weltenbau mit Corps, Ringe, Regeln, dazu ein Mordfall und zwei Biografien, alles in nicht einmal einer Stunde.
Die Actionszenen sind der schwächste Teil, denn sie sind hektisch geschnitten und ausgerechnet dort, wo eine Serie über leuchtende Ringkonstrukte glänzen müsste.
Wer ohne Comic-Vorwissen einsteigt, stolpert im ersten Drittel zudem über ein paar Namen, die niemand erklärt. Und so zieht sich das durch den Serienstart.
Diese Serie beweist, dass eine Comicverfilmung keine Angst vor Stille haben muss. Sie vertraut ihren beiden Hauptdarstellern, ihrem Fall und ihrem miesen Wetter, und sie gewinnt damit. Ich wünsche mir für den weiteren Verlauf nur, dass die Action zum Rest aufschließt.
Gebt der ersten Episode etwas Geduld, dann bekommt Ihr eine gute DC-Serie serviert.