20 Jahre zu Unrecht in Haft: See-Saw Films verfilmt den Fall Kathleen Folbigg
See-Saw Films entwickelt eine Dramaserie über Kathleen Folbigg, die 20 Jahre unschuldig wegen des Todes ihrer vier Kinder in australischer Haft saß und 2023 begnadigt wurde.
See-Saw Films nimmt sich einen der erschütterndsten Justizfälle Australiens vor. Das britisch-australische Produktionshaus, das „Slow Horses“ und „Heartstopper“ produzierte, entwickelt derzeit eine Dramaserie über Kathleen Folbigg, die 20 Jahre lang unschuldig wegen des Todes ihrer vier Kinder im Gefängnis saß und 2023 begnadigt wurde.
See-Saw Films als Produktionshaus
Wer den Namen See-Saw Films noch nicht kennt, der dürfte zumindest ihre Serien kennen. Iain Canning und Emile Sherman gründeten das Unternehmen 2008, heute operiert es aus Büros in London und Sydney. Zum Kino-Portfolio gehören „The King's Speech“, „Lion“ und „The Power of the Dog“, allesamt preisgekrönte Produktionen mit internationaler Reichweite. Im Seriensegment lieferte See-Saw zuletzt „Slow Horses“ für Apple TV und „Heartstopper“ für Netflix. Beide Serien schafften sich eine treue Fangemeinde.
Das Drehbuch für die neue Serie schreibt Alice Bell. Bell arbeitete unter anderem an „Expats“ und der australischen Langzeitserie „Offspring“.
Was hinter dem Fall steckt
Vier Kinder, alle tot, alle in ihren ersten Lebensmonaten. Kathleen Folbigg verlor zwischen 1989 und 1998 ihre Kinder Caleb, Patrick, Sarah und Laura. Das jüngste starb mit 19 Tagen, das älteste mit 19 Monaten. Die Todesursachen blieben damals medizinisch ungeklärt.
Statt Mitgefühl erhielt Folbigg Verdacht. 2003 verurteilte ein australisches Gericht sie wegen Mordes an drei der vier Kinder sowie Totschlags am vierten zu insgesamt 30 Jahren Haft. Die Boulevardpresse stempelte sie als schlimmstes weibliches Monster, das Australien je gesehen hatte. Folbigg beteuerte ihre Unschuld, doch das Urteil galt als rechtskräftig.
Was folgte, war jahrelange wissenschaftliche Detektivarbeit. Mehr als 90 namhafte Genetiker, Mediziner und Forscher arbeiteten daran, die Todesfälle zu erklären. Sie entdeckten eine seltene Mutation im Calmodulin-Gen, die bei den Kindern nachweisbar war und als alternative Erklärung für den plötzlichen Kindstod gilt. Ohne diese Grundlagenforschung hätte Folbigg ihre Strafe vollständig abgesessen.
Im Juni 2023 öffneten sich die Türen des Gefängnisses von Grafton. Folbigg, inzwischen 56 Jahre alt, wurde nach einem Überprüfungsverfahren begnadigt. Wenige Monate später hob ein Berufungsgericht auch formell sämtliche Verurteilungen auf. 2025 sprach der Staat eine Entschädigung von zwei Millionen australischen Dollar aus, ein Betrag, den ihre Unterstützer als weit zu gering bezeichneten.
Worum es in der Serie geht
See-Saw Films betont, dass man kein klassisches Opferporträt plant, denn im Mittelpunkt des Projekts stehen ausdrücklich die Menschen, die jahrelang für Folbiggs Freiheit kämpften. Wissenschaftler, Anwälte und engagierte Unterstützer aus der Gemeinschaft arbeiteten gegen eine öffentliche Meinung und gegen ein rechtskräftiges Urteil an. Das gibt dem Stoff eine Dimension, die über das reine Nachzeichnen eines Fehlurteils hinausgeht.