10 Jahre nach dem Finale von Hell on Wheels, dem letzten großen AMC-Western
Vor zehn Jahren endete Hell on Wheels nach fünf Staffeln. Rückblick auf Anson Mounts Western-Epos, sein Vermächtnis und die deutsche Ausstrahlung.
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Heute vor genau zehn Jahren rollte „Hell on Wheels“ ein letztes Mal aus dem Bahnhof. Am Samstag, 23. Juli 2016, lief in den USA die Finalfolge des Western-Epos, das den Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahn erzählte und heute weit unterschätzter dasteht, als es das verdient. Fünf Staffeln, 57 Episoden, ein traumatisierter Antiheld und jede Menge Dreck. Zeit für einen Rückblick.
Wie alles begann
Die Idee stammt von den Brüdern Joe und Tony Gayton, die vorher vor allem fürs Kino schrieben. Zünden ließ sie eine Folge der PBS-Dokureihe American Experience, die den Bau der transkontinentalen Eisenbahn schonungslos zeigte, samt Korruption und Ausbeutung der Arbeiter. AMC lehnte den ersten Entwurf der Gaytons, einen psychologischen Thriller, zunächst ab und schlug stattdessen ein Western-Format vor. Am 15. Dezember 2010 gab der Sender grünes Licht für eine erste Staffel mit zehn Episoden.
Die Handlung setzt 1865 ein, direkt nach dem Ende des Bürgerkriegs und der Ermordung Abraham Lincolns. Im Zentrum steht der ehemalige Konföderierten-Soldat Cullen Bohannon, der die Mörder seiner Frau jagt und dabei in den erbarmungslosen Wettlauf um die Eisenbahnverbindung der Union Pacific gerät. Die Produzenten wollten unbedingt einen echten Südstaatler für die Rolle und fanden ihn in Anson Mount.
Den Machern ging es dabei ausdrücklich um eigene Figuren, nicht um ein Geschichtsbuch mit Schauspielern. „Wir wollten unsere eigenen Charaktere erschaffen, eingebettet in den Bau der Eisenbahn“, erklärte Serienschöpfer Tony Gayton. Der Eisenbahnbau sei der Motor, der die Handlung antreibe, die Figuren aber sollten originär sein. Durant sei zwar an eine reale Person angelehnt, mit einigen Freiheiten. Am Sonntag, 6. November 2011, feierte die Serie schließlich Premiere, direkt im Windschatten von „The Walking Dead“ und im selben Prestige-Portfolio wie „Mad Men“ und „Breaking Bad“.
Warum die Serie einschlug
Das Kritikerecho fiel gemischt aus, in der Spitze aber euphorisch. Hank Stuever, Chef-Fernsehkritiker der Washington Post, nannte das Format die faszinierendste Serie des Herbstprogramms und lobte, wie ungeschönt die Show die sozio-psychologischen Wunden nach dem Bürgerkrieg zeigte. Andere Stimmen bemängelten das zähe Pacing und die eine oder andere Western-Klischeekiste zu viel. Beim Publikum lief es zunächst prächtig. Die Pilotfolge holte 4,4 Millionen Zuschauer, die erste Staffel pendelte sich im Schnitt bei rund 3,0 Millionen ein.
„Ich gratuliere dem gesamten Cast und Team von Hell on Wheels dazu, ein Projekt dieser Größenordnung gestemmt zu haben“, erklärte der damalige AMC-Präsident Charlie Collier nach den Rekordquoten des Starts. Die Zuschauerzahlen sanken über die Jahre, verlässlich blieb die Serie trotzdem. Am Ende standen fünf Staffeln und 57 Episoden, das Serienfinale mit dem Titel Done sahen noch 2,5 Millionen Menschen.
Das Vermächtnis
Rückblickend gilt „Hell on Wheels“ als eine der tragenden Säulen des Neo-Western-Revivals im US-Kabelfernsehen, in direkter Nachfolge von HBOs „Deadwood“. Statt die Pionierzeit zu verklären, zeigte die Serie deren Schattenseiten. Den systematischen Rassismus gegen befreite Sklaven verkörperte die Figur Elam Ferguson, gespielt von Common, dazu kamen die Ausbeutung irischer und chinesischer Einwanderer und der Konflikt mit den indigenen Stämmen. Gedreht wurde in Alberta, und die aufwendige Milieustudie trug der Produktion von 2012 bis 2016 fünfmal in Folge den Alberta Film & Television Award als beste Dramaserie ein.
Für Anson Mount wurde die Rolle zum Karrieresprungbrett. Die körperlich fordernde, vielschichtige Darstellung des Cullen Bohannon empfahl ihn für die Figur des Captain Christopher Pike, die er seither im Star-Trek-Universum spielt, erst in „Star Trek: Discovery“, dann als Hauptfigur in „Star Trek: Strange New Worlds“. Auch Colm Meaney als Eisenbahnmagnat Thomas Durant festigte seinen Ruf als Charakterdarsteller, den er sich als Miles O'Brien längst erspielt hatte.
Kein Reboot in Sicht
Dass nach fünf Staffeln Schluss war, lag nicht an einer plötzlichen Absetzung, sondern an einer bewussten Entscheidung. Die Serie folgte der Geschichte und endete im Juli 2016 mit dem Zusammentreffen von Union Pacific und Central Pacific am Promontory Summit in Utah. „Das Ende der Geschichte ist durch die Historie vorgegeben, wir wussten also, wie es für die Eisenbahn ausgeht“, sagte Showrunner John Wirth, der die Serie ab der dritten Staffel leitete. Die eigentliche Herausforderung sei gewesen, die Schicksale der erfundenen Figuren stimmig aufzulösen.
Einen Reboot, ein Spin-off oder einen Reunion-Film gibt es bis heute nicht, und es deutet auch nichts darauf hin. Anson Mount ist langfristig an Paramounts Star Trek gebunden, die Haupthandlungsstränge sind auserzählt. Diese Geschichte ist zu Ende gefahren, und das ist völlig in Ordnung so.
So lief die deutsche Ausstrahlung
Hierzulande dauerte es etwas. Die deutsche Erstausstrahlung feierte „Hell on Wheels“ am Mittwoch, 30. Januar 2013, beim Pay-TV-Sender TNT Serie. Den Titel ließ man unübersetzt, was dem rauen Ton der Serie durchaus entgegenkam. Im Free-TV lief die Serie später unter anderem bei ServusTV.
Die deutsche Synchronfassung entstand bei der TV+Synchron Berlin. Cullen Bohannon lieh Bernd Vollbrecht seine Stimme, während Eberhard Haar den Eisenbahnmagnaten Durant sprach. Ein solides Ensemble für eine Serie, die im deutschsprachigen Raum immer ein Nischenpublikum blieb.
Wo Hell on Wheels heute streamt
Wer den Western zum Jubiläum nachholen will, hat mehrere Optionen: