10 Jahre Fleabag: Wie eine Ein-Personen-Bühnenshow zur Emmy-Serie wurde
Vor zehn Jahren startete „Fleabag“ auf BBC Three. Wir blicken zurück auf Produktionsgeschichte, Emmy-Rekord und die deutsche Ausstrahlung bei Amazon Prime Video.
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Am Donnerstag, 21. Juli 2016, ging „Fleabag“ auf BBC Three an den Start, ohne große Vorschusslorbeeren und mit gerade einmal zwölf Folgen Gesamtlaufzeit. Zehn Jahre später gilt die Serie als eine der prägendsten Comedy-Produktionen ihrer Generation, und Phoebe Waller-Bridge ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine der gefragtesten Autorinnen Hollywoods. Zeit für einen Blick zurück auf eine Serie, die aus einer Bühnenshow einen Emmy-Rekordhalter machte.
Vom Theaterstück zur BBC-Digitalserie
„Fleabag“ begann nicht als Serienidee, sondern als Ein-Personen-Theaterstück. Waller-Bridge brachte den Stoff 2013 beim Edinburgh Festival Fringe auf die Bühne und gewann dafür den Fringe First Award, eine der renommiertesten Auszeichnungen des Festivals. Als Autorin und Hauptdarstellerin entwickelte sie daraus die Serie, produziert von Two Brothers Pictures, einem Studio der All3Media-Gruppe, in Koproduktion mit Amazon Studios.
Der Startzeitpunkt hatte dabei einen pikanten Hintergrund. Die BBC hatte den Sender BBC Three erst wenige Monate zuvor, im Februar 2016, als linearen Fernsehkanal abgeschaltet und zu einer reinen Online-Plattform im BBC iPlayer umgebaut. „Fleabag“ zählte zu den ersten großen Eigenproduktionen, mit denen der Sender seine neue Digitalstrategie unter Beweis stellen wollte, ein Wagnis, das sich im Rückblick mehr als ausgezahlt hat.
Rezeption und der Emmy-Coup
Die Kritiken fielen von Anfang an wohlwollend aus, doch richtig durch die Decke ging „Fleabag“ erst mit der zweiten Staffel 2019. Sie gilt bei Kritikerinnen und Kritikern bis heute als kleines Meisterwerk der Fernsehcomödie. Den Beweis lieferte die 71. Primetime-Emmy-Verleihung im September 2019, bei der die Serie gleich sechs Preise abräumte, darunter Herausragende Comedyserie, Herausragende Hauptdarstellerin in einer Comedyserie für Waller-Bridge, Herausragendes Drehbuch ebenfalls für Waller-Bridge und Herausragende Regie für Harry Bradbeer.
Wie viele Menschen die Serie tatsächlich gesehen haben, bleibt allerdings ihr Geheimnis. Weder Amazon Prime Video noch die BBC haben je detaillierte Abrufzahlen veröffentlicht, die Quoten liegen bis heute unter Verschluss.
Die vierte Wand als Markenzeichen
Kulturell hinterließ „Fleabag“ deutlich mehr Spuren als nur ein paar Trophäen. Die Serie popularisierte den Typus der moralisch ambivalenten, egoistischen und sexuell selbstbestimmten Frauenfigur, der seither in unzähligen Dramedy-Serien nachwirkt. Ihr eigentliches Markenzeichen aber ist der Blick direkt in die Kamera. Die Hauptfigur macht das Publikum zu ihrem stillen Komplizen, kommentiert ihr eigenes Leben trocken nebenbei und durchbricht damit ständig die vierte Wand.
In der zweiten Staffel trieb das die Serie noch weiter, als ausgerechnet der Priester, gespielt von Andrew Scott, diesen Blick zur Kamera bemerkt und die Erzählerin damit konfrontiert. Für Waller-Bridge wurde „Fleabag“ zum Karrieresprungbrett, sie schrieb und produzierte danach unter anderem „Killing Eve“ und den Bond-Film „No Time to Die“. Auch Andrew Scott als Priester und Olivia Colman als bissige Patentante wurden über die Serie zu international gefragten Charakterdarstellern.
Nach der zweiten Staffel erklärte Waller-Bridge die Geschichte mehrfach öffentlich für abgeschlossen, offizielle Fortsetzungen, Spin-offs oder Cast-Reunions vor der Kamera gibt es bis heute keine.
Fleabag in Deutschland
Hierzulande dauerte es etwas länger, bis „Fleabag“ ankam. Die erste Staffel startete am Freitag, 3. Februar 2017, bei Amazon Prime Video, die zweite folgte am Freitag, 17. Mai 2019, kurz nach dem Emmy-Triumph. Einen abweichenden deutschen Titel gibt es nicht, die Serie läuft hierzulande schlicht als „Fleabag“ weiter. Beide Staffeln sind bis heute exklusiv im Abonnement bei Amazon Prime Video abrufbar, wer die komplette Geschichte am Stück nachholen will, findet sie dort gesammelt an einem Ort.
Was Waller-Bridge und die Kritik sagen
Über das Ende der Serie sprach Waller-Bridge backstage bei den Emmys im September 2019 mit spürbarer Erleichterung. „Ehrlich gesagt fühlt sich das einfach wie der schönste Weg an, sich davon zu verabschieden. Die Geschichte ist tatsächlich komplett. Das war's, das ist der letzte Vorhang.“
Ihren Sieg als beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie wertete der Hollywood Reporter damals als echte Überraschung. Als klare Favoritin auf ihren siebten Emmy für die letzte Staffel von „Veep“ galt eigentlich Julia Louis-Dreyfus, entsprechend groß war das Erstaunen über den Ausgang. Zehn Jahre nach dem Serienstart liest sich das wie die logische Konsequenz einer Serie, die von Anfang an gegen Erwartungen anschrieb.