Euphoria und OnlyFans: Levinson verteidigt kritischen Blick, während Chloe Cherry ihren Stempel daraufsetzt

Sam Levinson verteidigt die OnlyFans-Darstellung in Euphoria Staffel 3. Darstellerin Chloe Cherry, selbst frühere OnlyFans-Creatorin, kritisiert die Cassie-Storyline.

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Wenn eine Serie zur besten Sendezeit zeigt, wie eine Highschool-Schönheit in einer Windel posiert und dabei für ihre Hochzeit spart, dann lädt das zur Diskussion ein. In der finalen dritten Staffel von „Euphoria“ tut Sydney Sweeney als Cassie genau das. Sie tritt OnlyFans bei, um 50.000 US-Dollar für die Hochzeit mit Nate (Jacob Elordi) zusammenzukratzen. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Levinson erklärt sich bei Bill Maher

Serienschöpfer Sam Levinson zog es vor, die Kontroverse nicht einfach auszusitzen.

Bei der HBO-Talk Show „Real Time with Bill Maher“ erklärte er, warum er die OnlyFans-Welt absichtlich nicht als Erfolgsmodell gezeichnet hat. OnlyFans mache inzwischen fast so viel Geld wie Hollywood, sagte er, kein Nischengeschäft mehr, sondern ein riesiges Unternehmen.

Genau deshalb habe er sich gefragt, welche Folgen es hat, wenn junge Menschen ihr gesamtes Selbstwertgefühl daran knüpfen, ständig Klicks und externe Bestätigung zu sammeln. Es höhle das Individuum aus.

Kritik von OnlyFans-Creators hatte er sich wegen einer Szene eingehandelt, in der Cassie mit Schnuller und Windel posiert, ein Inhalt, der auf der Plattform strikt verboten ist. Levinson räumte ein, den Gegenwind zu kennen, fragte aber auch provozierend, ob er denselben Sturm ausgelöst hätte, wenn die Serie OnlyFans als Befreiungsweg gefeiert hätte.

Alexa Demie als Maddy nannte er das moralische Zentrum der Staffel. Maddy managt Cassies Auftritte und betreibt damit, wie Levinson mit trockenem Unterton anmerkte, eine ganz neue Branche.

Chloe Cherry und ihre eigene Geschichte

Besonders interessant wird die Diskussion durch Chloe Cherry, die in „Euphoria“ seit Staffel 2 die Nebenfigur Faye Valentine spielt, Freundin eines Drogendealers. Cherry kam nicht als klassische Schauspielerin zur Serie, sondern als ehemalige Pornodarstellerin, die während der Pandemie ihr Publikum vor allem über OnlyFans aufgebaut hatte. Staffel 2 markierte dann auch ihren Einstieg ins Mainstream-TV.

Cherry hat also Erfahrungen, wenn es um Cassies Storyline geht, und sie nutzt sie auch. Gegenüber Refinery29 nannte sie die Wendung für eine Figur wie Cassie gesellschaftlich bezeichnend. Eine so privilegiert aufgewachsene Person, die auf Sexarbeit zurückgreife, zeige ihr vor allem, wo die Gesellschaft gerade stehe. Gleichzeitig ließ sie keinen Zweifel daran, dass Cassie mit ihrer Attraktivität kommerziell wahrscheinlich reüssiert hätte.

Noch klarer wurde Cherry mit ihrer grundsätzlichen Einschätzung. Die gesellschaftliche Normalisierung von OnlyFans habe nichts mit Empowerment zu tun. Der eigentliche Grund sei schlicht das Wirtschaftssystem und ein sich verschlechterndes Konsumklima. Sexarbeit werde nicht zur bewussten Wahl, sondern zur ökonomischen Notlösung umgedeutet und anschließend mit dem Label Selbstbestimmung verkauft.

Was bleibt von der Debatte?

Levinson und Cherry landen letztlich an einem ähnlichen Punkt, kommen aber von verschiedenen Seiten. Der Schöpfer sah eine Storyline, die einen gesellschaftlichen Riss zeigt. Die Darstellerin, die diesen Riss selbst erlebt hat, sieht ihn durch die Cassie-Figur bestätigt, wenn auch anders eingerahmt. Interessant ist das vor allem, weil Cherry keine außenstehende Kritikerin ist, sondern Teil der Serie selbst.

„Euphoria“ ist nach drei Staffeln und 26 Episoden abgeschlossen. HBO hat eine vierte Staffel ausgeschlossen. Alle drei Staffeln sind über WOW und HBO Max abrufbar.

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