DOKU

Eine Million Dollar fürs Doping: Diese ARD-Doku begleitet einen deutschen Schwimmer zu den Enhanced Games

Die ARD-Doku „Enhanced - Die Dopingspiele“ zeigt die Enhanced Games, wo Doping erlaubt ist. Ab 27. Juni in der ARD Mediathek. Alles zu Inhalt und Start.

· 2 Min. Lesezeit

Doping verboten? Bei den Enhanced Games ist es ausdrücklich erlaubt. Genau dieses Geschäftsmodell nimmt sich die neue ARD-Dokumentation „Enhanced - Die Dopingspiele“ von Ben Wozny vor. Das 45-minütige Stück blickt hinter die Kulissen eines Wettkampfs, der den Sport für immer verändern will. Ihr seht es ab Samstag, 27. Juni in der ARD Mediathek und am Sonntag, 28. Juni um 19.15 Uhr im Ersten.

Worum geht es?

Die Enhanced Games drehen die wichtigste Regel des Profisports einfach um. Statt Dopingkontrollen gibt es hier ein Versprechen, nämlich eine Million US-Dollar Prämie für jeden gebrochenen Weltrekord. Erlaubt sind dafür Substanzen wie EPO, Testosteron oder Wachstumshormone. Das Schaufenster dieses Spektakels steht in Las Vegas, und die Macher inszenieren es als großes Marketing-Event.

Die Doku zeigt, wie sich das Doping anfühlt, wie die Substanzen im Körper wirken und welche Schäden bleiben können. Sie verhandelt damit die Grenzen des Körpers und die Frage nach der Moral gleich mit.

Wer steckt dahinter?

Hinter den Enhanced Games stehen finanzstarke Tech-Investoren. Peter Thiel, Christian Angermayer und Donald Trump Jr. wollen das menschliche Potenzial bis zum Anschlag ausreizen. Nebenbei verkaufen sie ihre eigenen Enhancements und Nahrungsergänzungsmittel. Der Wettkampf ist also Bühne und Verkaufsfläche zugleich.

Mitgründer Angermayer kontert die scharfe Kritik in der Doku auffallend gelassen. Er bedanke sich beim IOC und all jenen, die das Wort von den Menschenversuchen in die Welt gesetzt hätten, denn billigeres Marketing habe er sich nicht vorstellen können, so seine süffisante Einordnung. Das habe ihm nach eigener Aussage hunderte Millionen, wenn nicht Milliarden Dollar gespart.

Der deutsche Schwimmer im Zentrum

Mittendrin steht der deutsche Schwimmer Marius Kusch. Er gibt offen zu, dass ihn die hohen Prämien angelockt haben. Die Risiken kennt er trotzdem. „Natürlich ist das Risiko nicht bei Null Prozent. Ich möchte eine Familie haben, deshalb habe ich vorher entsprechende Maßnahmen getroffen und Spermien einfrieren lassen.“, sagt Kusch in der Doku.

Dieser Satz fasst das ganze Dilemma zusammen. Hier wägt ein Sportler ab, was ihm der Geldbetrag wert ist, gegen seine eigene Gesundheit und Familienplanung. Wozny lässt diese Rechnung bewusst unkommentiert stehen.

Sport oder Menschenversuch?

Für die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland ist die Sache klar. „Moderne Menschenversuche, so muss man es klipp und klar benennen“, findet Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender der NADA. Ein Tabubruch, eine kalkulierte Provokation, ein Angriff auf Olympia? Die Doku liefert keine bequeme Antwort, sondern stellt die unbequeme Frage. Ist die Zukunft des Sports enhanced, und ist sie dann überhaupt noch Sport?

Wer sich für die Schattenseiten des Profisports und das große Geld dahinter interessiert, findet hier 45 dichte Minuten. Die Redaktion lag bei Tim Tonder.