Elle auf Prime Video: Pink, nostalgisch und knapp am Original vorbei
Elle erzählt die Highschool-Jahre von Elle Woods 1995. Meine Review zur ersten Staffel auf Prime Video, mit Lexi Minetree in der Hauptrolle.
Ich mag „Legally Blonde“. Immer noch, nach über zwanzig Jahren. Also habe ich mich mit einer gewissen Vorfreude auf „Elle“ gestürzt, das Prequel, dessen komplette erste Staffel seit Mittwoch, dem 1. Juli, bei Prime Video liegt. Acht Episoden, eine junge Elle Woods im Jahr 1995, sehr viel Pink. Nach dem letzten Abspann war ich zwiegespalten.
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Lange bevor Elle Woods in Harvard für Furore sorgt, regiert sie die Flure ihrer Highschool. „Elle“ dreht die Uhr zurück ins Jahr 1995 und zeigt die spätere Jurastudentin als It-Girl zwischen erster großer Liebe, komplizierten Freundschaften und reichlich Modebewusstsein. Lexi Minetree übernimmt die Rolle, in der Reese Witherspoon einst zur Kultfigur wurde. An ihrer Seite spielen unter anderem June Diane Raphael als Elles Mutter, Tom Everett Scott als ihr Vater und Chandler Kinney. Witherspoon produziert über ihre Firma Hello Sunshine mit, als Showrunnerin verantwortet Laura Kittrell die Serie. Alle acht Episoden standen sofort zum Bingen bereit, und genau so habe ich sie auch geschaut.
Was funktioniert
Lexi Minetree. Sie trägt diese Serie, und das ist keine Kleinigkeit. Wer in die Fußstapfen von Reese Witherspoon tritt, kann eigentlich nur verlieren. Minetree tut es trotzdem nicht. Sie hat dieses Funkeln, diese Mischung aus Naivität und Cleverness, die Elle Woods ausmacht, und sie kopiert Witherspoon dabei nie, sondern findet ihren eigenen Ton.
Auch das Zeitkolorit macht Spaß. Die Serie badet in ihren Neunzigern, in Neonfarben, klobigen Telefonen und einer Mode, die man entweder liebt oder herrlich albern findet. Ich fand sie herrlich albern, im besten Sinne. „Elle“ weiß, dass sie ein leichtes Vergnügen ist, und drückt einem nie eine Bedeutungsschwere auf, die der Stoff nicht tragen würde.
Und dann sind da die kleinen Momente, in denen die Serie ihr Herz zeigt. Die Freundschaften zwischen Elle und ihren Mitschülerinnen haben eine Wärme, die über den üblichen Teen-Zickenkrieg hinausgeht. Wenn „Elle“ sich Zeit für diese Beziehungen nimmt, statt von Plotpunkt zu Plotpunkt zu hetzen, ist sie am stärksten.
Als Unterhaltung für nebenbei funktioniert das prima. Ich habe drei Episoden am Stück weggeschaut, ohne es zu merken. Genau dafür ist diese Serie gemacht.
Was nicht funktioniert
Und trotzdem. An „Legally Blonde“ kommt „Elle“ nicht heran. Das Original erzählte seine Geschichte in knapp anderthalb Stunden, mit einem Tempo und einer Pointendichte, die selbst heute noch sitzen. Die Serie dagegen dehnt sich. Episoden von rund 45 bis 60 Minuten sind schlicht zu lang für das, was erzählt wird, und mehr als einmal ertappte ich mich dabei, wie mein Daumen Richtung Vorspul-Taste wanderte.
Dazu kommt, dass die Serie ihr eigenes Ensemble nicht immer nutzt. June Diane Raphael und Tom Everett Scott als Elles Eltern bekommen deutlich weniger zu tun, als ich mir gewünscht hätte, obwohl beide in ihren wenigen Szenen zeigen, wie viel mehr dringewesen wäre. Die Serie hat ein gutes Ensemble und lässt es zu oft am Rand stehen.
Mein größeres Problem ist aber das Konzept selbst. Ich habe die ganze Staffel über darauf gewartet, dass mir jemand erklärt, warum es diese Vorgeschichte überhaupt braucht. Diese Antwort blieb aus. „Elle“ erzählt eine hübsche Highschool-Geschichte, aber sie fügt der Figur, die ich aus dem Film kenne, kaum etwas hinzu. Das Prequel wirkt weniger wie eine Idee und mehr wie eine Markenverwertung, was auch dazu passt, dass Prime Video die zweite Staffel schon vor dem Start durchgewinkt hat.
Mein Fazit
Ich habe mich bei „Elle“ gut unterhalten, und das meine ich ehrlich. Wer den Film mochte, ein Faible für die Neunziger hat und einfach etwas Leichtes für einen verregneten Nachmittag sucht, macht hier wenig falsch. Nur eben nichts unbedingt Richtiges. Der Witz, die Präzision und das Herz des Originals blitzen hier bestenfalls auf, statt zu tragen. „Elle“ ist nette Nostalgie, aber kein Muss. Und manchmal ist genau das die ehrlichste Empfehlung, die ich geben kann.