10 Jahre Chesapeake Shores: Der Hallmark-Hit, den Deutschland nur von Netflix kennt
Zehn Jahre „Chesapeake Shores“. Alles zum Start am 14. August 2016 auf dem Hallmark Channel, zu Quoten, Drehorten, dem Ende nach Staffel 6 und zur deutschen Netflix-Auswertung.
Inhaltsverzeichnis
„Chesapeake Shores“ ist das Familiendrama, mit dem der Hallmark Channel bewiesen hat, dass sein Publikum auch einer fortlaufenden Serie über Jahre folgt. Heute vor genau zehn Jahren, am Sonntag, 14. August 2016, lief der zweistündige Auftakt zum ersten Mal im US-Fernsehen. Am Ende der Serie brachte es die Serie auf sechs Staffeln mit zusammen 55 Episoden.
In Deutschland lief die Serie von der ersten Folge an ausschließlich bei Netflix, und dort liegt sie bis heute komplett.
Mit Klick auf "Abspielen" werden Daten an YouTube übertragenWie alles begann
Der Auftakt dauerte zwei Stunden, danach folgten acht einstündige Episoden. Staffel 1 kam damit auf neun Episoden.
Die Vorlage lieferte die gleichnamige Romanreihe von Sherryl Woods. Die Serie übernimmt Figuren und Rahmen, erzählt die Buchhandlungen aber nicht eins zu eins nach. Im Zentrum steht Abby O'Brien, eine Anwältin, die aus Baltimore in ihre Heimatstadt zurückkehrt.
Wer dahintersteckte, steht in der Hallmark-Pressemitteilung vom März 2016. Dan Paulson arbeitete als Executive Producer, John Tinker als Executive Producer und Showrunner, Martin Wood als Regisseur und Executive Producer, Nancey Silvers als Autorin und Executive Producerin. Sherryl Woods selbst stand ebenfalls als Executive Producerin in den Credits.
Im Jahre 1986 gewann er für die Episode „Time Heals“ gemeinsam mit Tom Fontana und John Masius den Emmy für das beste Drehbuch einer Dramaserie. Zuvor arbeitete er als Autor und Executive Producer für „Chicago Hope“, „The Practice“ und „The Book of Daniel“, außerdem war er Co-Schöpfer von „Judging Amy“.
Michelle Vicary, damals Executive Vice President für Programm und Publicity bei Crown Media Family Networks, begründete die Verpflichtung mit den Worten „Seit Jahren sind unter Johns Aufsicht so viele hochwertige Serien gediehen“. Seine Gabe für Geschichten und Figuren mit Herz werde die Serie zu dem zeitlosen Format machen, das dem Sender vorschwebe.
Vor der Kamera standen Meghan Ory als Abby, Jesse Metcalfe als Musiker Trace Riley, Treat Williams als Familienpatriarch Mick O'Brien und Diane Ladd als Nell. Dazu kamen Barbara Niven als Megan, Laci J. Mailey als Jess, Emilie Ullerup als Bree, Brendan Penny als Kevin und Andrew Francis als Connor.
An der Spitze wechselte die Serie im Lauf der Jahre. Tinker begleitete die Serie als Showrunner durch die frühen Staffeln, erst danach übernahm Phoef Sutton. Der führt die Staffeln 5 und 6 als Showrunner und Executive Producer.
Warum die Serie einschlug
Die Kritik zum Start der Serie blieb allerdings in den USA sehr verhalten. Neil Genzlinger überschrieb seine Besprechung in der New York Times mit „Gauzy Clichés Swaddle Chesapeake Shores“ und eröffnete mit dem Satz „Hier in Klischee-Shores lässt sich ein ruhiges, desinfiziertes Leben führen, umgeben von all den abgegriffenen Themen und Figuren, die man von leichter Fluchtlektüre erwartet“.
Etwas milder fiel dann aber die Kritik zum Serienstart von Gwen Ihnat aus. Die TV-Autorin nannte die Serie im A.V. Club „leichte, aber trotzdem wirksame Wirklichkeitsflucht“. Dass Abby und Trace am Ende zusammenfinden würden, hielt sie allerdings für „mehr als offensichtlich“.
Publikumsliebling
Staffel 1 erreichte im Schnitt ein 2,5er Rating und 2,7 Millionen Zuschauer, gemessen in L+3. Das Finale am Sonntag, 9. Oktober 2016, kam auf ein 2,3er Rating und 2,5 Millionen Zuschauer und lag bei Frauen zwischen 25 und 54 damit 12 Prozent über dem Auftakt.
Damit stieg die Serie zur meistgesehenen der Sendergeschichte bei Frauen und Erwachsenen zwischen 25 und 54 auf. Neun Sonntage in Folge trendete sie zudem auf Twitter. Der zweistündige Auftakt selbst kam auf Nielsen-Basis auf 1,942 Millionen Zuschauer in den USA.
Anerkennung holte die Produktion in Kanada. Bei den Leo Awards sammelte sie 14 Nominierungen und zwei Siege. Die gingen an Charles Porlier für das beste Make-up in einer Dramaserie sowie an Hamish Thomson und Matthew Rogers für die beste Musik.
Das Vermächtnis
Die Bucht der O'Briens liegt in Maryland, doch gedreht wurde dort nie. Die Kulissen standen auf Vancouver Island in British Columbia, zentrale Drehorte waren Parksville, Qualicum Beach und Nanoose Bay. Das Crown Mansion Boutique Hotel in Qualicum Beach spielte Abbys Anwaltskanzlei in Baltimore.
Filmstudios gab es in der Region vorher noch keine, also baute die Produktion vorhandene Gebäude um, darunter den Parksville Curling Club, der zeitweise als Soundstage diente. Produzent Matt Drake und die Vancouver Island North Film Commission führen den Aufbau qualifizierter lokaler Crews und den Tourismusschub rund um Parksville und Qualicum Beach auf diese Serie zurück. Ohne diese würde noch heute Vancouver Island nichts vergleichbares haben.
Für Hallmark selbst war die Serie ein Beweis dafür, dass fortlaufende, mehrstaffelige Familiendramen sich kommerziell beweisen können, und der Sender bestellte in der Folge weitere serielle Stoffe.
Sherryl Woods lieferte noch eine zweite Vorlage, diesmal aber für einen anderen Anbieter. Aus ihren Romanen entstand auch „Sweet Magnolias“ bei Netflix, deren fünfte Staffel im Juni 2026 in unseren Serienstarts der Woche stand.
Wie es weiterging
Der erste Bruch kam dann im Jahre 2019. Staffel 4 hatte nur sechs Episoden und Hallmark erklärte, die Storyline dieser Staffel lasse sich „am besten mit sechs Episoden“ erzählen, und die Länge sei „absolut nichts anderes als eine Folge der Logistik, die zu einer Serienproduktion gehört“. Ein Vorbote der Absetzung war die Kürzung ausdrücklich nicht.
Der Sender hatte die Serie regulär für den Sommer 2020 mit zehn Episoden verlängert, die COVID-19-Pandemie verzögerte die Produktion aber um deutlich zwei Jahre. Das Team drehte erst ab Frühjahr 2021, unter strengem Protokoll mit zweiwöchiger Quarantäne für den Cast bei der Einreise nach Kanada und Tests mehrmals pro Woche.
Im März 2021 kündigte Jesse Metcalfe seinen Ausstieg an. Hallmark bestätigte, dass er die Serie aus eigenem Entschluss verlasse. Seine Figur Trace Riley verschwand in den ersten beiden Episoden von Staffel 5 aus der Handlung.
Metcalfe war nach eigener Aussage von Beginn an stark in die kreative Ausrichtung eingebunden. In den Romanen ist seine Figur Architekt, auf seinen Vorschlag hin machte die Serie daraus einen Musiker. Zum Abschied sagte er „Im Leben geht es ums Wachsen. Ich bringe mich bewusst in fordernde Situationen, weil das für mich der schnellste Weg ist zu wachsen“.
Phoef Sutton berichtete, Metcalfes Entscheidung sei kurzfristig während der Quarantänephase vor Drehbeginn gefallen. Den Abschied lösten die Autoren deshalb über Rückblenden in den ersten Folgen von Staffel 5. Als Ersatz stieß Robert Buckley, bekannt aus der US-Serie „iZombie“, dazu. Er spielte den Tech-Milliardär Evan Kincaid und neues Love-Interest für Abby.
Den Wechsel an der Spitze kommentierte Michelle Vicary bei der Verlängerung der Serie auf eine 5. Staffel.
Wir sind begeistert, Chesapeake Shores für eine lang erwartete fünfte Staffel zurückzuholen, mit Phoef Suttons brillanter Stimme an der Spitze dieses neuen Kapitels für die Familie O'Brien
Michelle Vicary, damals Executive Vice President für Programm und Publicity bei Crown Media Family Networks
Nach Staffel 6 war dann aber endgültig Feierabend. Die zehn finalen Folgen pendelten zwischen rund 1,319 und 1,909 Millionen Zuschauern, das Serienfinale „All or Nothing at All“ lief am Sonntag, 16. Oktober 2022. Hallmark stellte das Ende als bewusste kreative Entscheidung dar, nicht als Absetzung wegen schwacher Quoten.
Eine siebte Staffel bestellte der Sender nicht, offizielle Ankündigungen zu Reboot, Spin-off oder Reunion liegen bis heute nicht vor.
Im Juni 2023 starb Treat Williams im Alter von 71 Jahren bei einem Motorradunfall. Ein vollständiges Wiedersehen der Originalbesetzung ist damit ausgeschlossen. Sutton schrieb über die gemeinsame Arbeit „Mit dem verstorbenen Treat Williams zu arbeiten war nahezu der Höhepunkt meiner Karriere“.
So lief die deutsche Ausstrahlung
Netflix stellte Staffel 1 am Montag, 15. Mai 2017, komplett an einem Tag online, neun Monate nach dem US-Start. Ab Staffel 2 stellte der Dienst auf wöchentliche Folgen um, zunächst mit einigen Wochen Abstand zur Hallmark-Ausstrahlung. Ab Staffel 4 schrumpfte der Versatz auf rund einen Tag, beim Serienfinale waren es genau 24 Stunden.
| Staffel | Episoden | US-Start (Hallmark) | Deutscher Start (Netflix) |
|---|---|---|---|
| 1 | 9 | 14. August 2016 | 15. Mai 2017 |
| 2 | 10 | 6. August 2017 | 1. September 2017 |
| 3 | 10 | 5. August 2018 | 30. August 2018 |
| 4 | 6 | 25. August 2019 | 26. August 2019 |
| 5 | 10 | 15. August 2021 | 16. August 2021 |
| 6 | 10 | 14. August 2022 | 15. August 2022 |
Die deutschen Episodentitel folgen den Originalen meist eng. Aus „We're Not Losing a Son...“ wurde „Wir verlieren keinen Sohn...“, aus „The End Is Where We Begin“ wurde „Das Ende ist unser Anfang“, aus „A Kiss is Still a Kiss“ wurde „Ein Kuss ist und bleibt ein Kuss“. Das Serienfinale heißt auf Deutsch „Alles oder nichts“.
Die deutsche Fassung verantwortete die SDI Media Germany GmbH in Berlin. Jeffrey Wipprecht schrieb Dialogbücher, führte Dialogregie und sprach zugleich Connor O'Brien, nachzulesen in der Deutschen Synchronkartei. Weitere Dialogbücher stammen von Simone Hanselmann, Oliver Bender und Michael Herrmann.
Nicole Hannak spricht Meghan Ory, Nico Mamone spricht Jesse Metcalfe, Rainer Doering lieh Treat Williams seine Stimme, Sonja Deutsch übernahm Diane Ladd. Dazu kommen Josephine Schmidt für Emilie Ullerup, Marieke Oeffinger für Laci J. Mailey, Gundi Eberhard für Barbara Niven und Roman Wolko für Brendan Penny.
Wo Chesapeake Shores heute streamt
Stand August 2026 liegen alle sechs Staffeln mit 55 Episoden bei Netflix im Abo. Ihr bekommt sie sowohl in der deutschen Synchronfassung als auch im englischen Originalton.