Netflix-Regisseur Carl Rinsch nach Millionenbetrug zu Haft verurteilt

Regisseur Carl Rinsch veruntreute elf Millionen Dollar Netflix-Budget für die Serie „White Horse“ und muss dafür zweieinhalb Jahre in Haft.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Vom Passionsprojekt zum Totalausfall
  2. Fünf Rolls-Royce und zwei besonders teure Matratzen
  3. 30 Monate Haft für den Ex-Werbefilmer
  4. Kein Debüt zum Vergessen
  5. Das war die Handlung von White Horse

Normalerweise berichten wir hier über Serienstarts. Diesmal geht es um das genaue Gegenteil, eine Serie, die niemand je zu sehen bekommt, und einen Regisseur, der dafür jetzt ins Gefängnis muss. Carl Rinsch sollte für Netflix die Science-Fiction-Serie „White Horse“ drehen, stattdessen kaufte er sich davon Rolls-Royce und Luxusmatratzen. Ein US-Gericht verurteilte ihn nun zu zweieinhalb Jahren Haft.

Vom Passionsprojekt zum Totalausfall

Netflix stellte Rinsch rund 55 Millionen Dollar Produktionsbudget für eine Staffel „White Horse“ zur Verfügung. Im Jahr 2020 war die Serie größtenteils abgedreht, dann eskalierte die Lage. Während der Corona-Pandemie verhielt sich der Regisseur am Set laut mehreren Berichten zunehmend erratisch. Bekannte und Kollegen sagten aus, Rinsch sei überzeugt gewesen, Blitzeinschläge und Vulkanausbrüche vorherzusagen zu können, und habe zudem behauptet, einen geheimen Übertragungsmechanismus des Coronavirus zu kennen. Netflix zog irgendwann die Reißleine und schrieb die 55 Millionen Dollar bereits in den Jahren 2020 und 2021 offiziell als Verlust ab. Fertiggestellt wurde die Serie nie, daran ändert auch das Urteil nichts.

Fünf Rolls-Royce und zwei besonders teure Matratzen

Wie sich später herausstellte, steckte Rinsch die letzten elf Millionen Dollar des Budgets gar nicht mehr in die Produktion. Das Geld landete stattdessen auf seinen privaten Konten und floss in allerlei Luxus. Fünf Rolls-Royce und ein Ferrari gehörten ebenso dazu wie Investments in Kryptowährungen. Der Höhepunkt der Verschwendung dürfte aber eine andere Anschaffung gewesen sein. 638.000 Dollar gab Rinsch für zwei Luxusmatratzen aus, für die passende Bettwäsche legte er noch einmal 295.000 Dollar drauf. Wer schon einmal über den Preis seines Ikea-Bettbezugs geflucht hat, darf das kurz sacken lassen.

30 Monate Haft für den Ex-Werbefilmer

Bereits im Dezember 2025 verurteilte ein US-Gericht Rinsch wegen Betrugs und Geldwäsche. Über das genaue Strafmaß entschied Richter Jay Rakoff jedoch erst am Montag, 29. Juni 2026. Das Ergebnis, Rinsch muss im September eine zweieinhalbjährige Haftstrafe antreten. Theoretisch wären laut dem Urteilsspruch sogar bis zu 90 Jahre Gefängnis möglich gewesen, gemessen daran kommt der frühere Werbefilmer noch vergleichsweise glimpflich davon.

Kein Debüt zum Vergessen

Für Netflix ist der finanzielle Schaden trotzdem überschaubar, verglichen mit Rinschs Kinodebüt. 2013 inszenierte er den Fantasy-Blockbuster „47 Ronin“ mit Keanu Reeves in der Hauptrolle. Der Film kostete zwischen 175 und 225 Millionen Dollar, dazu kamen noch einmal rund 100 Millionen Dollar für Marketing. Die weltweiten Einnahmen blieben mit 151,8 Millionen Dollar weit dahinter zurück. Universal soll laut Schätzungen zwischen 96 und 150 Millionen Dollar verloren haben, und das ganz ohne Betrug. Reeves gehörte in den vergangenen Wochen übrigens zu den wenigen, die sich öffentlich noch für seinen früheren Regisseur einsetzten.

Das war die Handlung von White Horse

Die nie fertiggestellte Serie sollte in einer nahen Zukunft spielen, in der eine künstliche, menschenähnliche Spezies namens „Organic Intelligents“ erschaffen wird. Ihre Aufgabe, weltweit humanitäre Hilfe zu leisten, etwa nach Naturkatastrophen. Die Lage gerät jedoch außer Kontrolle, als die künstlichen Wesen ins Visier globaler Verschwörungen geraten und geopolitische Konflikte um ihre Kontrolle entbrennen, bis die Menschheit an den Rand eines apokalyptischen Showdowns rückt. Ob und in welcher Form Netflix das Material jemals verwertet, ist offen, wahrscheinlich eher nicht.