Spurlos verschwunden, lebenslang verurteilt: ARD Crime Time bringt den Fall Alexandra R. in die Mediathek
Die ARD Crime Time zeigt in drei Folgen den Fall Alexandra R. aus Nürnberg, die am 9. Dezember 2022 spurlos verschwand. Ab sofort in der ARD Mediathek.
Am Morgen des 9. Dezembers 2022 bringt eine 39-jährige Bankangestellte aus Nürnberg noch ihre Pflegetochter in die Kita. Danach verliert sich ihre Spur. „Mord ohne Leiche - der Fall Alexandra R.“ heißt die neue Staffel der ARD Crime Time, in der der Hessische Rundfunk diesen aufsehenerregenden Kriminalfall journalistisch aufarbeitet. Alle drei Folgen stehen seit Mittwoch, 24. Juni in der ARD Mediathek bereit. Ab Mittwoch, 1. Juli läuft die Doku jeweils um 22 Uhr im hr-fernsehen.
Finanzielle Abhängigkeit als Motiv
Was zunächst als Vermisstenfall beginnt, entwickelt sich zu einem Fall mit besonderer kriminalistischer und juristischer Dimension. Kurz nach dem Verschwinden von Alexandra R. geraten ihr Ex-Partner Dejan B. und dessen Geschäftspartner Ugur T. ins Visier der Polizei. Dejan B. war finanziell von Alexandra R. abhängig. Nach der Trennung sperrt sie ihm den Zugang zu den gemeinsamen Konten. Daraufhin versuchen Dejan B. und Ugur T. mit einer Betrugsmasche knapp 800.000 Euro von ihr zu erlangen. Alexandra R. geht rechtlich dagegen vor. Wenige Tage vor dem entscheidenden Gerichtstermin verschwindet sie spurlos.
Indizienprozess ohne klassische Beweise
Die Herausforderung für die Ermittler ist enorm. Es gibt keine Leiche, kein eindeutiges Tatwerkzeug, keinen gesicherten Tatort. Nur Indizien. Über Monate bauen die Behörden ein Bild aus digitalen Spuren, Geodaten, Aufnahmen von Überwachungskameras, Zeugenaussagen und Finanzunterlagen zusammen. Solche Konstellationen sind im deutschen Strafrecht selten. Ein reiner Indizienprozess, in dem das Gericht ohne klassische Beweismittel entscheiden muss, setzt einen extrem hohen Beweisstandard voraus.
Am 24. Juli 2024 urteilt das Landgericht Nürnberg-Fürth. Dejan B. und Ugur T. erhalten wegen Mordes an Alexandra R. jeweils eine lebenslange Freiheitsstrafe. Das Gericht stellt zudem die besondere Schwere der Schuld fest.
Eine Perspektive, die das Gericht ausschließt
Die True-Crime-Doku beleuchtet nicht nur die kriminalistische Arbeit, sondern auch eine selten beachtete Dimension. Der Lebensgefährte von Alexandra R., der Vater ihres ungeborenen Kindes, durfte sich dem Verfahren nicht als Nebenkläger anschließen, weil er nicht mit ihr verheiratet war. Er erhält keine Akteneinsicht, darf keine Fragen oder Anträge stellen und dem Prozess erst beiwohnen, nachdem er als Zeuge ausgesagt hat. Was das für Angehörige bedeutet, zeigt „Mord ohne Leiche - der Fall Alexandra R.“ in einem der wenigen deutschen TV-Formate, die einen Mordprozess ohne Leiche so detailliert begleiten.