AGF-Studie: Netflix ist die sichtbarste Streaming-App auf deutschen Smart-TVs

Die AGF-Plattformstudie 2026 zeigt, welche Streaming-Apps auf deutschen Smart-TVs am sichtbarsten sind und wie die Menschen zu ihrem Programm finden.

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Fernbedienung drücken, Fernseher an, und dann? Die neue Plattformstudie 2026 der AGF Videoforschung zeigt, wie Millionen Menschen in Deutschland tatsächlich zu ihrem Bewegtbild kommen.

Das klassische Fernsehprogramm dominiert nach wie vor den ersten Klick. Bei der Sichtbarkeit auf dem Bildschirm hat Netflix die Konkurrenz jedoch klar hinter sich gelassen.

Der Fernseher bleibt der Ausgangspunkt

Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut Kantar zwischen Februar und April mehr als 2.500 Menschen. Das Ergebnis bei der simpelsten aller Fragen fällt eindeutig aus. 96,8 Prozent schalten ihren Fernseher weiterhin über die klassische Fernbedienung ein.

Smartphone-Apps kommen nur auf 1,0 Prozent, Sprachsteuerung auf 0,6 Prozent. Wer eine sprachgesteuerte Fernsehzukunft erwartet hatte, muss sich noch etwas gedulden.

Nach dem Einschalten erscheint bei 68,2 Prozent der Haushalte direkt das laufende Programm, bei 29,6 Prozent zunächst eine Benutzeroberfläche mit weiteren Optionen. Dieses Verhältnis bleibt gegenüber früheren Erhebungen stabil. Die AGF weist dabei auf eine wichtige Einschränkung hin, das ist lediglich eine Werkseinstellung des Geräts, keine bewusste Entscheidung der Zuschauerinnen und Zuschauer.

Wer dann im laufenden Programm landet, bleibt zu 75,1 Prozent beim zuletzt gesehenen Sender. Nur 10,3 Prozent starten mit einem fest programmierten Startsender, weitere 10,3 Prozent klicken sich erst durch eine Senderübersicht.

Am häufigsten fällt der erste Blick dabei auf Das Erste mit 35,6 Prozent, gefolgt von ZDF mit 14,5 Prozent und RTL mit 10,7 Prozent.

Netflix schlägt YouTube und Prime Video

Fragt man direkt nach der ersten Anlaufstelle, geben 79,2 Prozent an, in den meisten Fällen zunächst das laufende Fernsehprogramm zu nutzen. 26,8 Prozent starten bewusst direkt mit einem Streamingdienst.

Mediatheken der Sender kommen auf 12,3 Prozent, YouTube auf 8,7 Prozent. Beim Alter zeigt sich ein deutlicher Bruch, unter den 14 bis 29-Jährigen starten 48,6 Prozent direkt mit Streaming, bei den über 65-Jährigen sind es gerade einmal 4,2 Prozent.

Erstmals hat die AGF zudem untersucht, welche Apps auf den Smart-TV-Oberflächen direkt sichtbar sind, ganz ohne Suchen oder Scrollen. Netflix führt mit 47,4 Prozent, dicht gefolgt von YouTube mit 41,9 Prozent und Prime Video mit 41,8 Prozent.

Die Sender ziehen aber ordentlich mit, die ARD-Mediathek schafft 36,7 Prozent, das ZDF-Streamingportal 32,2 Prozent. RTL+ und Joyn fallen mit 20,4 beziehungsweise 21,4 Prozent deutlich ab und landen sogar hinter Disney+ mit 26,7 Prozent.

HBO Max, erst Anfang des Jahres gestartet, kommt auf bescheidene 1,7 Prozent. Neuankömmlinge brauchen eben ihre Zeit.

Direktzugriff auf der Fernbedienung wächst

Auch bei den Fernbedienungen selbst tut sich etwas. 54,0 Prozent der Befragten haben mittlerweile mindestens eine eigene Taste für Streaming- oder Online-Angebote, ein deutlicher Sprung gegenüber 46,7 Prozent in der Vorwelle.

Auch hier liegt Netflix mit 52,3 Prozent vorn, vor Prime Video mit 39,9 Prozent, YouTube mit 28,0 Prozent und Disney+ mit 26,1 Prozent.

Wenig überraschend gilt, je neuer das Fernsehgerät, desto selbstverständlicher gehören solche Direktzugänge zur Grundausstattung.

Mediatheken verlassen den roten Knopf

Die Studie zeigt zudem einen Umbruch, der leicht untergeht, weil er sich schleichend vollzieht. 32,4 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren nutzen Mediatheken direkt am Fernseher, doch der Zugangsweg verschiebt sich.

Über den klassischen Red Button rufen nur noch 41,4 Prozent die Mediatheken auf, in der Vorjahreserhebung waren es noch 47,7 Prozent. Über Internet-Menüs oder App-Kacheln steigt der Anteil dagegen von 52,2 auf 59,5 Prozent.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Wege zu Bewegtbildangeboten weiter ausdifferenzieren, das TV-Gerät jedoch der gemeinsame Ausgangspunkt der Bewegtbildnutzung bleibt“, sagt Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der AGF-Geschäftsführung.

Für die Streaming-Anbieter heißt das im Klartext, wer auf der Startoberfläche sichtbar ist und im besten Fall sogar eine eigene Fernbedienungstaste bekommt, hat schon vor dem ersten Klick einen handfesten Vorteil. Der Fernseher selbst bleibt also der Dreh- und Angelpunkt.

Was danach passiert, verschiebt sich Jahr für Jahr ein Stück weiter Richtung Streaming.